Merkels Griechenland-Besuch
Reise mit Symbolcharakter

Der Besuch von Merkel in Athen markiert eine Wende in der deutschen Griechenland-Politik. Ein Austritt aus der Euro-Zone ist kein Thema mehr. Die Kanzlerin bringt zwar keine Geldgeschenke mit, dafür aber neue Hoffnung.
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Athen/BerlinDie Reise der Kanzlerin signalisiert eine Wende der deutschen Griechenland-Politik. Antonis Samaras rollt den roten Teppich aus. Man werde Angela Merkel empfangen, „wie es der führenden Politikerin eines großen, befreundeten Landes angemessen ist“, sagte der griechische Premier.

Viele Griechen sehen das anders. „Willkommen, aber ...“ titelte auf Deutsch Griechenlands größte Zeitung „Ta Nea“. Der Karikaturist des Blattes bildet die Kanzlerin mit Stahlhelm ab, in der Hand hält sie eine Gasmaske. Eine Anspielung auf die geplanten Demos, die Merkels Besuch begleiten sollen. Deshalb sind für den Schutz der Kanzlerin 7.000 Polizisten abgestellt.

Die Gewerkschaften haben zu dreistündigen Streiks und Protesten aufgerufen. 84 Prozent der Griechen, so eine Umfrage, haben eine „negative Meinung“ von Merkel. Sie machen die „eiserne Kanzlerin“ für die harten Sparauflagen verantwortlich, die das Land ständig tiefer in die Rezession treiben. Der Besuch der Kanzlerin sei „eine weitere Demonstration der Unterwerfung Griechenlands unter die Interessen der Banker und des Kapitals“, erklärte das Bündnis der radikalen Linken (Syriza), Griechenlands größte Oppositionspartei. Syriza-Chef Alexis Tsipras sagte, man werde der Kanzlerin „den Empfang bereiten, den sie verdient“.

Bereits am Montag gab es in Athen einige kleinere Demonstrationen, für den späten Abend waren weitere Proteste geplant. Unterstützung bekommen die Demonstranten aus Deutschland. Linke-Chef Bernd Riexinger wird heute in Athen demonstrieren und eine Rede halten. „Merkels Besuch in Athen verschärft die inneren Konflikte Griechenlands“, sagte Riexinger den „Stuttgarter Nachrichten“.

Basisdaten Griechenland

Quelle: Eurostat
*Schätzung

Merkel will Athen helfen

Doch das Ziel Merkels ist allerdings keineswegs die Demonstration von Macht. „Sie reist nach Griechenland, um der Regierung ihre Unterstützung für den anspruchsvollen Reformkurs, den sie sich vorgenommen hat und zum Teil begonnen hat, umzusetzen, auszudrücken“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Dies sei „ein Teil der engen Zusammenarbeit, die wir mit der Regierung Samaras haben“. Deutschland wolle Griechenland helfen, sich in der Euro-Zone zu stabilisieren.

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Merkels bringt keine Geschenke mit

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