Merkels USA-Besuch
Gewitter über Washington

Korruptionsskandal, CIA-Affäre und Irak-Desaster – vor dem Besuch von Angela Merkel steckt US-Präsident Bush im Tief. Was auch immer der Präsident in diesen Tagen anpackt, es will ihm nichts gelingen.

WASHINGTON. Der Mann im grauen Anzug redet mit Engelsgeduld. „Samuel Alito ist außerordentlich qualifiziert, geben Sie ihm eine faire Chance“, sagt er und lächelt. Es ist US-Präsident George W. Bush, der seinem Kandidaten für das Oberste Bundesgericht Rückendeckung gibt. Doch schon bei der Anhörung im Justizausschuss des Senats wenige Stunden später muss der Bush-Favorit herbe rhetorische Prügel einstecken. „Alito hat sich in der Vergangenheit gegen das Recht auf Abtreibung und für die Ausweitung der Macht des Präsidenten ausgesprochen: Das macht mir große Sorgen“, wettert Edward Kennedy, der alte Haudegen der oppositionellen Demokraten.

Was auch immer der Präsident in diesen Tagen anpackt, eine Welle des Unmuts ist ihm gewiss. Wenige Tage vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Washington ist Bush so angeschlagen wie nie zuvor in seiner nunmehr fünfjährigen Amtszeit: Affären wechseln sich munter ab mit Skandalen und Indiskretionen. Die Umfragewerte des Präsidenten kennen derzeit nur eine Richtung: nach unten.

Dabei brummt die US-Konjunktur wie schon lange nicht mehr. Der Börsenindex Dow Jones durchbricht am Montag zum ersten Mal seit Juni 2001 die Marke von 11 000 Punkten. Die Arbeitslosenrate ist auf 4,9 Prozent gesunken. Und das Wachstum liegt stabil bei über drei Prozent. Nur: Die Erfolgsbilanz scheint an der Mehrheit der Amerikaner vorbeizurauschen. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos sehen weniger als 50 Prozent der US-Bürger den Zustand der Wirtschaft positiv. „Wir haben mehr Jobs, aber die wenigsten sind gut bezahlt“, mäkelt Paul Tanner, ein Maler aus Baltimore.

Kein Wunder, dass sich auch die allgemeine Zufriedenheit mit der Regierung in Grenzen hält. Lediglich 40 Prozent der Amerikaner geben Bush für seine Amtsführung gute Noten. Vor allem die Lage im Irak drückt auf die Laune. Trotz der gebetsmühlenhaften Beteuerungen des Präsidenten, der immer wieder auf die „Fortschritte am Golf“ verweist, ist die Bevölkerung misstrauisch. Und fast täglich bekommt sie neue Nahrung für ihren Pessimismus. Am Sonntag beherrscht der Absturz eines US-Hubschraubers mit zwölf Toten die Schlagzeilen. Am Dienstag sorgt die Entführung der US-Journalistin Jill Carroll für Aufregung. „Der Irak überschattet alles andere“, meint der Politbeobachter Charles Cook. Der Washingtoner Insider verweist auf ein altes Sprichwort: „Wenn die Wirtschaft am Boden ist, wird das zum großen Thema. Wenn sie floriert, wendet sich das Interesse anderen Punkten zu – in diesem Fall dem Irak.“

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