Mesale Tolu Inhaftierte Journalistin darf türkisches Gefängnis verlassen

Mehr als sieben Monate saß die deutsche Staatsbürgerin Mesale Tolu in einem türkischen Gefängnis. Ihre Freilassung zeigt, dass die Repression in der Türkei ihren Zenit erreicht haben könnte. Doch der Schaden ist groß.
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Das sagt die deutsche Journalistin nach ihrer Freilassung

Das sagt die deutsche Journalistin nach ihrer Freilassung

IstanbulDie türkischstämmige Journalistin Mesale Tolu ist aus der Untersuchungshaft in Istanbul entlassen worden. Bis zu einem Abschluss des Gerichtsverfahrens gegen die deutsche Staatsbürgerin darf sie das Land allerdings nicht verlassen. Fünf weitere Angeklagte, die am Montag ebenfalls aus der Haft entlassen worden sind, erhielten ebenfalls eine Ausgangssperre.

Außenminister Sigmar Gabriel zeigte sich erfreut über die Freilassung der deutschen Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu in der Türkei. „Das sind nicht nur gute Nachrichten, sondern das ist auch eine immense Erleichterung“, sagte der SPD-Politiker am Montag. „Ich glaube, wir alle in Deutschland – und auch ich persönlich – freuen uns mit Mesale Tolu über die Entscheidung des Gerichts. Damit ist das Verfahren noch nicht beendet, aber ein erster, großer Schritt ist damit gemacht“, sagte er.

In dem Gerichtssaal fanden zur Fortsetzung ihres Prozesses am Montag nur rund 25 Personen Platz. Zu den Beobachtern im Saal gehörten der deutsche Botschafter in der Türkei, Martin Erdmann, sowie unter anderem der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff und die Linken-Abgeordnete Heike Hänsel. Die meisten deutschen und türkischen Reporter mussten draußen warten. Als Begründung gab die türkische Justizverwaltung an, die größeren Säle im zentralen Istanbuler Gerichtsgebäude seien belegt.

Vor Gericht gab Tolu nach Angaben der Beobachter im Saal an, dass sie auf eine gerechte Entscheidung hoffe. „Ich wurde verhaftet, weil ich Journalistin bin und beabsichtigt wurde, Druck auf die Medien auszuüben. Der Druck auf die Medien wurde fortgesetzt, aber ich denke, dass die Justiz gerecht entscheiden wird.“ In der Türkei sitzen derzeit mehr als 160 Journalisten im Gefängnis, so viele wie in keinem anderen Land der Welt.

Tolu und insgesamt 17 weiteren Angeklagten wird Mitgliedschaft und Unterstützung einer Terrororganisation vorgeworfen. Ende April stürmten Anti-Terror-Einheiten der türkischen Polizei Tolus Wohnung in Istanbul und nahmen sie vorläufig fest. Im Mai erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die deutsche Frau mit türkischen Wurzeln. Ihr drohen seitdem bis zu 20 Jahre Haft. Tolu und die weiteren Angeklagten fordern einen Freispruch. Seit dem 11. Oktober läuft der Prozess.

Die 33-Jährige arbeitete zum Zeitpunkt ihrer Festnahme für die linke Nachrichtenagentur Etha. Ihr wird vorgeworfen, die in der Türkei verbotene Organisation MLKP indirekt oder direkt unterstützt zu haben. Die MLKP (marxistisch-leninistische kommunistische Partei) hat sich 1994 gegründet mit dem Ziel, durch eine gewaltsame Revolution den Kommunismus in der Türkei einzuführen.

Bekannt wurde die Gruppe durch Angriffe auf Gefängnisse, in denen politische Gefangene einsitzen. Die MLKP soll außerdem die Bestrebungen für einen unabhängigen kurdischen Staat auf türkischem Territorium unterstützen – ein rotes Tuch für viele Nationalisten und auch für einzelne Kurden in dem Land. In Deutschland wird die MLKP vom Bundesverfassungsschutz beobachtet.

Belastung für die Beziehung zu Deutschland
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3 Kommentare zu "Mesale Tolu: Inhaftierte Journalistin darf türkisches Gefängnis verlassen"

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  • Es gilt immer das Recht des Staates in dem sie sich auf halten.

  • Ich bin durchaus dafuer dass die deutsch-tuerkischen Journalisten in Freiheit ihre
    Gerichtsverfahren erwarten koennen. Vielleicht waere das moeglich, wenn Deutsch-
    land im Fall einer Verurteilung ihre Auslieferung garantieren wuerde. Sind diese
    Leute nicht Doppel-Staatler? Doppel-Staatler sollten sich auch an die Gesetze
    beider Vaterlaender halten. Im uebrigen, wenn man sich mit seinen Veroeffentlichungen auf duennem Eis bewegt, sollte man sich moeglichst von dem
    Land fernhalten, wo man wahrscheinlich belangt wird "no be there".

  • Mal eine ganz andere Frage, wann setzen sich Politiker/Journalisten für die Freilassung von Assange, für die Rückkehr von Snowden ohne Gulagaufenthalt in den USA ein?

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