Meuterei der Polizei
Ausnahmezustand in Ecuador

Die Proteste gegen das staatliche Sparprogramm in Ecuador eskalieren. Angesichts einer Meuterei tausender Polizisten hat der ecuadorianische Präsident Rafael Correa am Donnerstag den Ausnahmezustand über sein Land verhängt. Er soll zunächst für eine Woche gelten.
  • 0

HB QUITO. In Ecuador sind Proteste gegen den drastischen Sparkurs von Präsident Rafael Correa eskaliert. In der Hauptstadt Quito spielten sich chaotische Szenen ab: Soldaten besetzten am Donnerstag den internationalen Flughafen. An anderer Stelle verbrannten Polizisten aus Protest gegen die geplante Kürzung von Boni Autoreifen. Correa warf der Opposition einen Umsturzversuch vor und erwog die Auflösung des Parlaments.

Aus Quito und der zweitgrößten Stadt Guayaquil meldeten Augenzeugen Plünderungen. Arbeiter und Schulkinder wurden wegen der Unruhen nach Hause geschickt. Das benachbarte Peru schloss die Grenzen. Der sichtlich aufgewühlte Correa forderte die meuternden Polizisten heraus: „Meine Herren, wenn Sie den Präsidenten töten wollen, hier ist er“, rief er von einem Balkon aus zu Anhängern.

„Töten Sie mich, wenn Sie wollen. Töten sie mich, wenn Sie den Mut dazu haben.“ Kurz darauf erklärte Correa, von Demonstranten angegriffen worden zu sein und medizinische Hilfe benötigt zu haben. „Sie haben Tränengasgranaten nach uns geworfen. Eine explodierte neben meinem Kopf. Für einige Sekunden, wahrscheinlich Minuten, waren meine Frau und ich benommen.“

Der in den USA ausgebildete Staatschef wurde 2006 zum Präsidenten des lateinamerikanischen Opec-Staates gewählt. Er gilt als enger Vertrauter des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez. Das Land mit seinen 14 Mio. Einwohnern hat eine lange Tradition sozialer Unruhen. Im Jahrzehnt vor der Wahl Correas wurden drei Präsidenten durch Massenproteste gestürzt.

Correa hat es zudem mit Widerstand in seiner eigenen linksgerichteten Partei gegen Pläne zu tun, den Staatsapparat zu verkleinern. Der Präsident erwägt deshalb die Auflösung des Parlaments, um bis zu dessen Neuwahl per Notverordnung regieren zu können.

Armeechef Ernesto Gonzalez versicherte Correa der Loyalität der Streitkräfte. „Wir sind ein Rechtsstaat. Wir stehen loyal zum Präsidenten.“ Außenminister Ricardo Patino zeigte sich bemüht, das Ausmaß der Unruhen herunterzuspielen. „Das ist kein Volksaufstand, das ist eine Revolte schlecht informierter Polizisten.“ Zentralbankchef Diego Borja mahnte zur Ruhe und rief seine Landsleute dazu auf, ihre Konten nicht zu plündern.

Die staatliche Öl-Gesellschaft Petroecuador erklärte, die Öl-Förderung sei nicht betroffen.

Kommentare zu " Meuterei der Polizei: Ausnahmezustand in Ecuador"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%