Mexiko
Lockruf der Linken

Lateinamerikas politischer Schwenk nach links könnte am Sonntag bei der mexikanischen Präsidentschaftswahl seine Fortsetzung finden: López Obrador geht zwar als Favorit ins Rennen, doch die Abhängigkeit seines Landes vom US-Markt zwingt zu Pragmatismus.

MEXIKO-STADT. Lorenzo Meyer ist in Mexiko so etwas wie der Hüter des politischen Anstands. In dieser Funktion hat der Politologe und Publizist derzeit allerdings nicht viel Freude: „Der Hass der Kontrahenten hat diesen Wahlkampf gekidnappt“, kritisiert Meyer mit finsterer Miene. Tatsächlich haben die Wadenbeißer der Präsidentschaftskandidaten in den vergangenen Monaten jedes echte und vermutete schmutzige Detail über die Kontrahenten ans Tageslicht gezerrt: Unredliche Verwandte, dubios finanzierte Wohnungen im Ausland, angebliche Steuerhinterziehung.

Der Zweck heiligt anscheinend die Mittel. Denn am Sonntag geht es im zweitgrößten Land Lateinamerikas und der größten Volkswirtschaft des Halbkontinents um eine grundlegende Richtungsbestimmung. Die Bürger befinden darüber, ob das konservativ-liberale Regierungsmodell von Präsident Vicente Fox und seiner Partei PAN nach nur einer Amtszeit schon ausgedient hat und von einem linksliberalen Modell ersetzt wird, in dem der Staat in der Wirtschaft und bei der Bekämpfung der sozialen Ungleichheiten eine aktivere Rolle einnimmt.

Auch international ist die Abstimmung brisant. Denn die Mexikaner entscheiden mit ihrer Wahl, ob sich das Wiedererstarken linker und linksliberaler Regierungen in Lateinamerika bis an die Grenze der USA fortsetzt. Die letzten Umfragen deuten darauf hin: Mit einem Vorsprung von rund zwei Prozentpunkten sehen die Meinungsforscher den Linkskandidaten Andrés Manuel López Obrador von der kleinen Partei PRD vor Felipe Calderón, der für die Regierungspartei PAN ins Rennen geht.

Calderón hat im Wahlkampf vor allem mit dem Gespenst des Linksrucks Stimmen gewinnen wollen. In Wahlspots der PAN wurde López Obrador (52) in die Nähe von Venezuelas Staatschef Hugo Chávez gerückt und als „Gefahr für Mexiko“ bezeichnet. Werde er gewählt, drohe dem Land ein Wirtschafts- und Finanzchaos wie in den 90er-Jahren.

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