Mexkios Narco-Mafia
USA im Kreuzfeuer der Drogenkartelle

Neben Irak und Afghanistan sind die USA in einem dritten Krieg verwickelt: An der mexikanischen Grenze kämpfen sie gegen Drogen-Banden. Die haben allein in diesem Jahr bereits mehr als 1000 Menschen ermordet. Jetzt wollen die US-Behörden Ernst machen. Sie sprechen von einem „nationalen Sicherheitsrisiko“ – und haben vor Reisen nach Mexiko gewarnt.

NOGALES. Mike (Name geändert) ist ein netter kleinwüchsiger Mann mit dichten schwarzen Haaren. Doch sein Job ist gar nicht nett. Der Mittdreißiger arbeitet für die US-Border- Patrol an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. „Es macht mir wahrlich keinen Spaß diese dicke Bleiweste den ganzen Tag oder die ganze Nacht herumzuschleppen. Aber ohne sie würden mich meine Kollegen als Selbstmörder beschimpfen.“ Mike schiebt dabei seinen langstieligen Spiegel unter das Chassis unseres Chevy. Dann klopft er an das Wagenblech, lässt die Motorhaube öffnen.

„Hier herrscht Krieg, und zwar jeden Tag", begründet er die langwierige Prozedur. Hier: das ist ein finsteres Grenznest mit Namen Nogales. Bezeichnend für die verzwickte Lage: Mike arbeitet zwischen Nogales (USA) und Nogales (Mexiko). Die Grenze geht durch eine einst gewachsene Stadt. Die Verwandschaftsgeflechte sind vielfältig und eng. Die meisten Mexikaner besuchen ihre Verwandten oft - manchmal mit viel nicht Deklariertem im Gepäck. Wer in den USA lebt, hat das große Los gezogen. Die auf der anderen Seite leben inmitten fast täglicher Schießereien und Mordanschlägen. Doch Nogales ist fast überall an der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko.

Die Autoschlangen auf der mexikanischen Seite von Nogales sind lang; Stunden muss warten, wer da rüber will. Entlang der Beton-Schneise haben die Mexikaner neben den Geldwechselbuden große Plasma-Bildschirme aufgebaut, damit die ewige Warterei in der Hitze erträglich wird. Auf denen lösen sich Werbung für US-Produkte und US-Witzfilme ab. Dazwischen springen Ramschverkäufer zwischen den Autos hin und her und verkloppen grellbunte Zuckerwatte oder Billigkleider für Kinder. Andere halten nur die Hand auf oder schieben ihre versehrten verwandten in Rollstühlen durch die Abgase.

Hier an der 2000 Meilen langen Grenze hat niemand etwas zu lachen. 2008 massakrierten, erschossen, erhängten, ersäuften und köpften die Drogengangs nach amtlichen Zählungen 6 290 Menschen. In Nogales mussten ein paar Hundert dran glauben. Oft werden sie zu Dutzenden aufgefunden, so als handele es sich bei den Toten um entbehrliche, ausgediente Ware. Mit abgesägtem Kopf, eingefroren in Gefrierhäusern diverser Lebensmittelketten oder einfach irgendwo auf den Wüstensand geknallt.

Bei San Diego fanden spielende Kinder vor ein paar Tagen ein halbes Dutzend Leichen am Strand. Tagelang wagte keiner, den grauenhaften Fund der Polizei zu melden. Erst ein anonymer Anruf setzte die Fahnder auf die Fährte. Doch längst nicht alle Opfer können gezählt werden. Mehrere Hundert Drogenkuriere, -händler und einfache Handlanger, so hat jetzt ein Mitglied eines Drogenkartells in Tijuana gestanden, wurden in den vergangenen Monaten in Salzsäure aufgelöst. Damit sie null Spuren hinterlassen und keiner ahnen kann, was los ist. Andere werden, wie einst in Sizilien und Kampanien, in Beton eingemauert. Kein Wunder, dass sie alle wegsehen und schweigen.

Seite 1:

USA im Kreuzfeuer der Drogenkartelle

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%