MH-17-Rechercheur Eliot Higgins
Wie ein Blogger vom Sofa aus Putin ärgert

Als er arbeitslos wurde, brauchte der 36-jährige Brite Eliot Higgins ein neues Hobby. Andere würden sich ein Motorrad kaufen, Higgins entlarvt lieber russische Propaganda und erforscht den Absturz von MH17.
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LondonDas Internet ermöglicht die wunderlichsten Karrieren. Aus einem scheuen Finanzangestellten aus dem englischen Leicester, der erst in einer Unterwäsche- Firma und dann bei einer Organisation für Asylbewerber arbeitete, kann einer der effektivsten Investigativ-Blogger und „Bürgerjournalisten“ werden.

Drei Jahre, nachdem Eliot Higgins auf seinem beigen, bei Ebay ersteigerten Sofa im englischen Städtchen Leicester aus Langeweile mit seinen Heimrecherchen per Internet begann, gilt er als einer der besten Kenner des syrischen Bürgerkriegs und seiner Waffen, will per Internet IS-Standorte und Verstecke aufgespürt haben und verfolgt akribisch die Winkelzüge von Waldimir Putin in der Ukraine – alles, ohne vom Sofa aufzustehen oder gar einen Fuß in diese Länder zu setzen.

Für die einen ist Higgins der Begründer eines alternativen „Volksjournalismus“, bei dem jeder mitmachen kann. Die riesigen Mengen von Daten und Informationen, die er nutzt, sind alle per Internet frei zugänglich. Andere, etwa die pro-russisch gesinnte Website „Russia-Insider“, veröffentlichen lange Exposées, in dem Higgins als Propagandist westlicher Interessen beschrieben wird. Kein Einzelgänger, sondern ein CIA-Lockvogel, der den ganzen westlichen Sicherheits- und Propagandaapparat im Rücken habe.

Fast von Anfang an interessierte Higgins der Abschuss des Air Malaysia Flugs MH17 über der Ukraine und die Propagandaschlacht, die um den Absturz entbrannte. Das Flugzeug stürzte am 17. Juli 2014  auf dem Flug von Amsterdam ab. Alle 288 Insassen kamen ums Leben. Niederländische Ermittler glauben, dass pro-russische Rebellen eine Boden-Luft-Rakete abgeschossen haben. Doch Russland versuchte den Verdacht auf die Ukraine zu lenken und präsentierte dafür Satellitenbilder, die angeblich ein ukrainische Raketensystem in der Nähe der Abschussstelle zeigten.

Für Higgins waren die Bilder eine Steilvorlage. Seine Spezialität ist es, durch die Auswertung öffentlich zugänglicher Quellen Licht in obskure Ereignisse zu bringen. In einem auf der von ihm mitbegründeten Website „Bellingcat“ gesposteten Exposé zeigt er ausführlich, dass Russland seiner Meinung nach die veröffentlichte Satellitenbilder gefälscht hat, um der Ukraine die Schuld an dem Abschuss in die Schuhe zu schieben.

Kommentare zu " MH-17-Rechercheur Eliot Higgins: Wie ein Blogger vom Sofa aus Putin ärgert"

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  • Kaum ist ein Russland bezogener Artikel erschienen, kommt das Völkchen aus seinen Löchern gekrochen.

    Die Verteilung aufgrund eines Contra-Russlandartikels war natürlich zu erwarten, ist jedoch immer wieder belustigend.

    Noch viel lachhafter ist das Messen mit verschiedenem Maß.
    Wenn Sie diesen Bericht anzweifeln, was durch Ihre Argumente auch stichhaltig belegt ist, dann müssen Sie aber auch Ihren Teil der "wirklichen Geschehnisse" über Bord werfen.

    Wie sagt es ein ländliches Sprichwort: "Wer hüh sagt, muss auch hot sagen!"...

    Und nicht vergessen. Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben.

  • Wenn das die Quellen unserer medialen Berichterstattung sind, na dann braucht man sich in dieser Welt über nichts mehr wundern.

  • Nachdem die USA und ihre Verbündete nicht mehr mit militärischen Mittel ihre Ziele durchsetzen können versuchen sie auf die andere Art.
    Seit dem Ausbruch der Vorfälle in der Ukraine war klar das die USA und die "Sklaven" versuchen werden durch die dauernde Lancierung von "Informationen" in der Presse/Internet versuchen eine Stimmung zu sorgen. Daneben versuchen die USA durch Eingriffe in die Finanzsysteme weiteren Einfluss auf die ihnen genehme Richtung vorzunehmen.
    Falschinformation und Kontrolle der Geldflüsse sind die neuen strategischen Vorgehensweisen der "Möchtegern-Nationen"! Diese Vorgehenseisen werden ab jetzt immer zu sehen sein denn militärische Eingriffe kosten sehr viel Geld und dies kann sich die hochverschuldete USA nicht leisten.

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