Donald Trump

Trump liebt den Auftritt vor Menschenmengen. Vor seinen Anhängern in Nashville spricht er über seine vermeintlichen Erfolge, nicht aber über Problemthemen wie Strafzölle auf Autos.

(Foto: AP)

Midterm-Wahlen im Herbst Trump eröffnet in Nashville den Wahlkampf – „Schaut, was mit Europa passiert ist!“

Im Herbst muss Donald Trump die Macht seiner Partei im US-Kongress verteidigen. In Tennessee schwört er seine Fans auf einen hitzigen Wahlkampf ein.
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NashvilleDonald Trump weiß, wie er die Verehrung seiner Anhänger nach oben treibt. „Ich liebe Countrymusik“, ruft Trump unter Jubel. „Und ich liebe hart arbeitende, amerikanische Patrioten.“ Da reißt es die ersten Zuschauer schon aus den Sitzen.

Die Demokraten, Barack Obama oder „der verrückte Bernie Sanders“? Trumps Fans buhen, sie pfeifen, schimpfen, brüllen durch die Mehrzweckhalle in Nashville, Hauptstadt des US-Bundesstaats Tennessee. „Die kümmern sich mehr um Kriminelle als um euch alle zusammen“, ruft Trump und ertrinkt in Applaus.

Eine Mauer zu Mexiko, die satten Steuersenkungen, die neue US-Botschaft in Jerusalem? „Jaaaaaa!“, schreien die Zuschauer und brechen in „USA! USA!“-Sprechchöre aus.

Vorbereitungen auf die Midterms

Es ist, als sei seit Trumps Präsidentschaftskampagne 2016 keine Zeit vergangen. Selbst die Attacken gegen Hillary Clinton ziehen immer noch. „Das einzige Mal, dass sie eine Arena füllen konnte, war, als sie Jay Z zu Gast hatte“, lästert Trump. „Seine Sprache war so schmuddelig, da bin ich harmlos gegen… ich bitte euch, er benutzte das F-Wort!“ Dafür erntet Trump großes Gelächter.

Trump ist seit Dienstagabend zurück auf Wahlkampftour, in den kommenden Monaten wird er wieder häufiger Kundgebungen abhalten. Der Präsident bereitet seine Partei damit auf die wichtigen Midterm-Wahlen im Herbst vor.

Im November stimmen die US-Bürger über die Zusammensetzung des Kongresses ab – der Termin ist die wichtigste Zwischenetappe vor den Präsidentschaftswahlen 2020. Gelingt es den Demokraten, auch nur eine von zwei Kammern zurückzuerobern, wäre das ein herber Rückschlag für die Republikaner. Und für Trump.

Tennessee ist ein Testfeld für ihn, 2016 gewann er hier mit Abstand gegen Clinton. Trump ist weiterhin überdurchschnittlich beliebt in der Region – trotz sinkender Umfragewerte im Bundesdurchschnitt.

Längst ist er nicht mehr der Außenseiter-Kandidat oder der belächelte Quereinsteiger, sondern Chef im Weißen Haus. Trotzdem kann Trump hier, vor seiner Kernbasis, noch immer mit dem Bild eines Anti-Establishment-Vertreters spielen.

„Ich, ein Politiker? Wer hätte das gedacht?“, sagt er auf der Bühne vor drei gigantischen US-Flaggen. „Dabei mag ich das Wort nicht einmal. Aber ich bin der einzige Politiker, der mehr liefert, als er angekündigt hat.“ Den „vergessenen Männern und Frauen unserer Nation“ verspricht er: „Ihr seid nicht mehr vergessen. Ich werde euch niemals fallen lassen.“

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Der Saal strotzt vor Stolz, vor Landesliebe, vor Euphorie. Das Publikum ist fast ausschließlich weiß, aber altersmäßig bunt gemischt, Frauen und Männer halten sich in etwa die Waage. Viele Menschen tragen Slogans auf T-Shirts, Taschen, Basecaps: „Women for Trump“, „Buy American, hire American“, „Drain the Swamp“ oder „Build that Wall“.

Die Steuersenkungen, auf die Trump gleich mehrfach verweist, bekommen soliden Applaus. Aber echte Begeisterung strömt erst bei zwei Trump-Themen durch die Halle: illegale Einwanderer („Schaut euch an, was mit Europa passiert ist!“) und „sich gegen China und Nordkorea auflehnen“, wie Trump es ausdrückt.

Marsha Blackburn: Eine treue Trump-Anhängerin

Trump ist hauptsächlich angereist, um die Senatskampagne der Republikanerin Marsha Blackburn zu befeuern. „Ich werde an seiner Seite kämpfen, gemeinsam bekommen wir den Job erledigt“, sagt die 65-Jährige in Nashville. Blackburn war 2016 Teil des Übergangsteams der sich damals im Aufbau befindenden Trump-Regierung. Sie zählt zu Trumps loyalsten Unterstützerinnen.

Blackburn teilt Trumps radikale Ansichten über Einwanderung, wählt oft einen ähnlich populistischen Tonfall und sagt über sich, sie sei „politisch inkorrekt und stolz darauf“.

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Öffentlich echauffiert sie sich über den aus ihrer Sicht voranschreitenden „Gender-Quatsch“, sie lehnt Abtreibungen generell ab und tritt als rechtskonservative Kommentatorin in Trumps Lieblingssender Fox News auf. Im Herbst möchte Blackburn dem bisherigen republikanischen Senator Bob Corker nachfolgen, der in Rente geht und für harsche Kritik an Trump bekannt wurde.

Allerdings gilt Blackburns Sieg nicht als ausgemacht. Ihr demokratischer Konkurrent Phil Bredesen liegt in frühen Umfragen vorn, in der Wählergruppe der Frauen sogar deutlich. Die Demokraten hoffen bundesweit bei den Kongresswahlen auf eine Welle des Widerstands, setzen verstärkt auf Frauen und schicken mehr als 1500 Kandidatinnen ins Rennen. Blackburn steht für eine Reihe konservativer Republikanerinnen, die als eine Art weibliche Trump-Kopie dagegenhalten.

Speziell in der Trump-Hochburg Tennessee wäre eine Niederlage Blackburns eine Riesenblamage für den Präsidenten. Ein Desaster wie in Alabama, wo der Demokrat Doug Jones gegen den unter Missbrauchsverdacht stehenden Trump-Favoriten Roy Moore gewann, will Trump um jeden Preis vermeiden.

Worüber Trump nicht gesprochen hat

Zu seiner Strategie gehört auch, für den Moment kein Risiko einzugehen. Alles easy, warum haben es die anderen nie hingekriegt? Das war das Motto, mit dem Donald Trump 2016 die US-Wahl gewann. Zwei Jahre später versucht er es genau damit wieder. Heikle oder selbst unter seinen Anhängern kontrovers diskutierte Themen sparte er in Nashville komplett aus.

Kein Wort verlor er zum rassistischen Tweet der Komikerin Roseanne Barr, die als Trump-Verehrerin gilt und vom TV-Sender ABC am Dienstag gefeuert wurde. Kein Wort sagte er zum möglichen Nordkorea-Gipfel, der mal feststeht und dann wieder wackelt. Und kein Wort verlor er zu den geplanten Strafzöllen auf Stahl, Aluminium oder Autos. Trump dürfte gewusst haben, warum: Gerade in Tennessee sind ausländische Autokonzerne ein wichtiger Arbeitgeber.

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5 Kommentare zu "Midterm-Wahlen im Herbst: Trump eröffnet in Nashville den Wahlkampf – „Schaut, was mit Europa passiert ist!“"

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  • Es geht den Leuten um Arbeit und Wohlstand und doch nicht um irgendwelche Bankenderegulierung, Facebook, Datenschutz, Ohrstäbchen, Waffenlobby und was der linken Kampfpresse noch so wichtig erscheint. Und weil das so ist geht die EU auch mit
    den Krampf unter, denn hier zählt auch der Wohlstand. Das der aber seit Jahren abgebaut wird, mit Zuwanderung und der Blödheiten viele, haben die Leute keine Lust auf Kuschel-Themen mehr. Tschüss Gutmensch !

  • ".... der macht, wofür er gewählt wurde..."? ich wusste gar nicht, dass Trump für Bankenderegulierung und Bildungskürzung gewählt wurde? Eine Mauer sehe ich bis jetzt jedenfalls nicht, dass Mexiko die bezahlen würde, wird ja nicht einmal mehr von ihm behauptet und seinen Muslim-Ban hat es auch nur in arg reduzierter Form gegeben. Aber der Waffenlobby hat er bisher gehalten, was er versprochen hat - das ist richtig.

    ".... einer der meist geliebten und erfolgreichsten Präsidenten..."? die Umfragen bestätigen, das ja eher nicht, aber vermutlich sind die ja alle von der linken Lügenpresse bezahlt. Mittlerweile bezweifelt eigentlich keiner mehr, dass Russland mit Hilfe gestohlener facebook-Informationen die Präsidentenwahl beeinflusst hat, aber so what? Hauptsache wir können ein bisschen auf die "Polit-Elite" (zu der natürlich die bodenständige Milliardärs-Regierung von Trump nicht gehört) schimpfen.

    Europa schlägt sich im Moment nicht schlecht und ich würde gerne mal wissen, wie gut Deutschland denn wohl ohne Europa seine Interessen in Amerika verteidigen könnte? Wir werden es vielleicht in Kürze an Großbritannien beobachten können.

  • Herr Trump ist der Größte habe ich von Anfang an geschrieben ganz einfach deshalb, der macht wofür er gewählt wurde und er hat erkannt, daß man seine Industrie nicht nach China abgeben kann, wenn man als Staat überleben will. Die EU wird daran scheitern und der islamischen Zuwanderung. Die Sache ist derart einfach, daß nur die EU-Blödmänner daran scheitern können, die bekanntlich über nichts, außer maßlose Unfähigkeit verfügen.

  • Der in Deutschland und Europa erst verlachte und nunmehr verhasste Donald Trump ist auf dem besten Wege, als einer der meist geliebten und erfolgreichsten Präsidenten in die amerikanische Geschichte einzugehen. Der deutschen und europäischen Polit-Elite sei zugerufen: "Hochmut kommt vor dem Fall!" Sie merken gar nicht, wie outdated sie sind. Ihre Zeit ist längst vorbei. Keiner will diesen ausge"merkel"ten, orientierungslosen Haufen mit seinen funktionsuntüchtigen Konzepten von vorgestern noch. Selbst in den eigenen gleichgeschalteten Partei-Apparaten: nur noch Lähmung wie während Breschniews "bleierner Zeit" in der Sowjetunion. Unweigerlich kommen die erfrischenden, fast 200 Jahre alten Verse von Theodor Körner in den Sinn:
    "Noch sitzt ihr da oben.
    ihr feigen Gestalten.
    Vom Feinde bezahlt,
    dem Volke zum Spott.
    Doch einst wird wieder
    Gerechtigkeit walten.
    Dann richtet das Volk
    und es gnade euch Gott.

  • Die Europäische Gemeinschaft durchlebt eine Identitäts- und Vertrauenskrise in großer Unsicherheit. Sie hat keine sichtbaren Lösungen für eine eigenständige Sicherheits- und Außenpolitik, Finanzstabilität, Flüchtlingsthematik, den demographischen Wandel und mehr.
    Beschäftigt sich aber vorsorglich mit Trinkhalmen und Wattestäbchen die nicht im Meer landen, sondern in Müllheizkraftwerken verbrannt werden.

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