Migrantenkrise in Calais
Der Tunnel in ein besseres Leben

Der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab: Tausende von Migranten versuchen hartnäckig über den Ärmelkanal nach England zu kommen. Die wirtschaftlichen Kosten steigen – und die Gefahr für Leib und Leben ist unkontrollierbar.
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ParisSie versuchen es in mehreren Wellen. Um in den Tunnel unter dem Ärmelkanal zu gelangen, haben Migranten im französischen Calais eine besondere Strategie entwickelt. Die ersten rennen auf die Polizeisperren zu und verwickeln die Polizisten in ein Handgemenge. Während sie abgeführt werden, stürmt die zweite Welle heran.

Am Dienstag Abend waren es 1500 Menschen, die auf diese Art versuchten, nach England zu kommen. Immer wieder schaffen es Hunderte von Migranten auf die Verladerampen von Lkw oder in den Tunneleingang. Im Durchschnitt wird dabei einmal pro Woche jemand tödlich verletzt. Acht Todesopfer hat es Berichten zufolge sei Anfang Juni bereits gegeben. Auch am Mittwoch Abend wurde wieder ein Mann tot im Tunnel entdeckt. Zwei weitere liegen mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Alle sollen aus dem Sudan stammen.

Die seit langem angespannte Situation auf beiden Seiten des Ärmelkanals wird zu einer schweren Krise. In London tagte am Mittwoch das Krisenkabinett Cobra, das eigentlich nur bei Kriegen und Terroranschlägen zusammentritt. Die Briten fühlen sich durch die Armee von Migranten jenseits des Ärmelkanals förmlich wie belagert. Lastwagenfahrer sprechen von einer „Kriegszone“. Über 5000 Migranten sollen inzwischen in Zeltlagern bei Calais leben. Sie haben nur ein Ziel: Es über den Kanal nach Großbritannien schaffen.

Täglich liefern sie sich an den mit hohen Zäunen abgesperrten Hafen- und Tunnelanlagen ein Katz-und-Maus-Spiel mit den französischen Polizisten. In diesem Jahr wurden bereits 19.000 Menschen beim Versuch festgenommen, den Kanal illegal zu durchqueren.

„Die Situation ist besorgniserregend. Wir arbeiten eng mit den Franzosen zusammen“, meldete sich Premier David Cameron von seiner Asienreise aus Vietnam. Innenministerin Theresa May bewilligte nach Gesprächen mit Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve in London weitere sieben Millionen Pfund für Zäune und Sicherheitsmaßnahmen in Calais. Frankreich versprach, seine Sicherheitskräfte zu verstärken.

Gemeinsam habe man vereinbart, Migranten aus Westafrika in ihre Heimatländer zurückzuschicken, sagte May. „Nur so können wir den schrecklichen kriminellen Banden, den Menschenschmugglern, die aus dem Elend so vieler Menschen Profit schlagen wollen, das Handwerk legen.“ Wie die Rückführung bewerkstelligt werden soll, blieb unklar.

Lastwagenfahrer berichten, dass Migranten „wie Ameisen“ die auf der A16 bei Calais wartenden Trucks stürmen oder sie mit Steinwürfen zum Halten zwingen. Der irische Trucker Graham Lowndes erzählte dem nordirischen Fernsehen, wie ihn ein Migrant, als er auf der A 16 wartete, um Zigaretten bat und ein anderer, während er abgelenkt war, in seine Fahrerkabine eindrang und ihn mit dem Messer bedrohte. „Ich habe Glück, dass ich noch lebe“.

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„Das ist eine humanitäre Krise“

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  • Die Bilder zeigen, dass es sich um gut modisch gekleidete wohlgenährte Personen handelt, die sich als darbende Flüchtlinge ausgeben. Sie haben Geld und haben keine Hunger gelitten. Logischerweise suchen diese Leute nicht Sicherheit ( denn die haben sie ja wo sie bereits angekommen sind) sondern sie streben nach Komfort und die Cliquen von ihresgleichen im Multi-Kulti London.

    Merkwürdig oder absichtlich, dass niemand bemerkt, was hier abgeht. Das sind gut aussehende Wirtschaftsmigranten, die sich rücksichtslos ihren Weg bahnen, dabei vor Bedrohung der Fahrer und Kampf gegen Polizisten nicht zurückschrecken. Man stelle sich diese Leute als zukünftige Nachbarn vor - mich grausts.
    Prozentual sind einige von ihnen kaltblütige Mörder, die die Schwachen, die Christen, die Kinder erbarmungslos ins Meer gekippt haben, wenn sie deshalb überleben konnten. Man muss endlich mal mit dem Tränen erstickten Getue "das sind leute, die so arg gelitten haben" aufhören. Das Problem ist, dass die meisten Deutschen keine Menschen in wirklicher Not je von Angesicht gesehen haben.

  • Auf dem Weg ins gelobte Land
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    Immer wieder versuchen Flüchtlinge durch den Ärmelkanal-Tunnel nach Großbritannien zu gelangen. Für einige endet der Versuch tödlich.
    Aber für die Schlepper ist es ein lohnendes Geschäft. Am Dienstag haben es 2.000 versucht.

    Die meisten von ihnen stammen aus Äthiopien, Eritrea, dem Sudan und Afghanistan. Sie versuchen, auf Fähren oder durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen, wo sie auf ein besseres Leben hoffen.

    Warum kommen sie dann nicht nach Deutschland? Hier sind die Sozialleistungen doch viel höher. Sie werden erst einmal im "Hotel Adlon" untergebracht, natürlich ultra all incl. versteht sich. Und es gibt "money for nothing".
    Und hier gibt es eine "Willkommenskultur". Refugees welcome!

  • Die brauchen doch nicht durch den Tunnel, die können doch nach Deutschland kommen, wir nehmen die doh gerne,

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