Migration in Europa
Abschiebungen aus Griechenland gesunken

Im vergangenen Jahr hat Griechenland so wenige Migranten abgeschoben wie lange nicht – 2014 waren es doppelt so viele. Dafür zeigten sich 2015 laut Eurostat andere Staaten abschiebefreudiger als bisher.

BrüsselGriechenland hat 2015 so wenige Migranten abgeschoben wie seit vier Jahren nicht mehr. So wurden 14.390 Menschen aus Nicht-EU-Staaten zur Ausreise gezwungen, wie aus Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat hervorgeht. Das waren fast halb so viele wie 2014 und 80 Prozent weniger als 2008. Zugleich reisten 2015 laut EU-Grenzschutzagentur Frontex mit 885.000 Migranten so viele Menschen über das östliche Mittelmeer und Griechenland illegal in Europa ein wie nie zuvor. In den vergangenen sieben Jahren schoben die griechischen Behörden nur im Jahr 2011 mit 10.585 Personen noch weniger Menschen ab als 2015.

Der weitaus größte Teil der im vergangenen Jahr angekommenen Migranten in Griechenland reiste weiter Richtung Mittel- und Nordeuropa, vor allem nach Deutschland, Österreich und Schweden. Die Regierung in Athen sah sich massiver Kritik der EU-Partner ausgesetzt, die Flüchtlinge ohne Kontrolle durchzuwinken. Die griechischen Behörden klagten dagegen über eine Überlastung angesichts der massenhaften Einreisen und über mangelnde Unterstützung durch die EU.

Nach der Schließung der sogenannten Balkanroute durch Österreich und die ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawiens sowie dem EU-Türkei-Abkommen vom März nahm der Flüchtlingsstrom in Richtung der griechischen Inseln deutlich ab.

Wegen der Menschenrechtslage in der Türkei steht allerdings das Abkommen mit der Regierung in Ankara in der Kritik. Bisher haben die griechischen Behörden keine Flüchtlinge in Verbindung mit den Vereinbarungen in die Türkei abgeschoben. Die Fälle werden noch von griechischen Gerichten geprüft, da die Migranten Asyl in Griechenland beantragt haben. Laut EU-Kommission wurden bislang 449 Personen in die Türkei zurückgebracht, die keinen Asylantrag gestellt haben.

Griechenland stand in den vergangenen Jahren wegen der Behandlung von Flüchtlingen wiederholt in der Kritik. Der seit Anfang 2014 regierende Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte eine Verbesserung der Zustände für die Menschen zugesagt.

Laut Eurostat schob Deutschland 2015 mit 55.340 Menschen mehr als doppelt so viele Personen ab wie im Jahr zuvor. Aus Österreich wurden 5275 Nicht-EU-Bürger zur Ausreise gezwungen, während es 2014 noch 2480 waren. Die britischen Behörden schoben 2015 dagegen mit 48.685 Personen so wenige Menschen ab wie seit 2008 nicht mehr. Im Zuge der Debatte über einen EU-Austritt Großbritanniens spielt auch das Thema Migration eine große Rolle. Die „Bild“-Zeitung hatte zuerst über die Eurostat-Daten berichtet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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