Migrationswellen

Myanmar weist Schuld am Flüchtlingsdrama zurück

Die Bilder von Massengräbern und verzweifelten Flüchtlingen in Südostasien gingen um die Welt. Experten sprechen von der größten irregulären Migrationswelle der Geschichte. Auf einer Konferenz werden Lösungen gesucht.
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Der Tod vor der Haustür
Grenzzaun in Ceuta
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Ein Mann steht an einem Grenzzaun in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika: Die Außenposten der Europäischen Union auf dem afrikanischen Kontinent sind zum Ziel Zehntausender Flüchtlinge geworden. Oft stürmen sie in großen Massen gleichzeitig auf den haushohen und militärisch gesicherten Grenzzaun zu – mit dramatischen Folgen...

Grenzzaun in Melilla
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Ein afrikanischer Migrant versucht sich vor dem Schlagstock eines spanischen Grenzpolizisten zu schützen: Die zweite spanische Exklave auf afrikanischem Boden gilt als gelobtes Land für viele Flüchtlinge. Schließlich gilt: Wenn ein Flüchtling einmal europäischen Boden betreten hat, darf er nicht ohne abgeschlossenes Asylverfahren ausgewiesen werden. Die Praxis weicht allerdings oft von den Gesetzen ab...

In Reih' und Glied
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Afrikanische Flüchtlinge an der spanischen Grenze in Melilla: Sogenannte „Pushbacks“, unrechtmäßig angeordnete und gesetzliche nicht legitimierte Abschiebungen von Flüchtlingen, nehmen Menschenrechtsorganisationen zufolge wieder zu. Den Migranten wird dadurch eine der letzten, der ohnehin verzweifelten, Fluchtoptionen verwehrt.

Hotspot Libyen
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Die verzweifelte Lage der Migranten treibt sie ihn Bürgerkriegsländer wie Libyen. Dort erwarten sie Rechtlosigkeit, Willkür und Gefängnis. In Libyen sitzen viele Flüchtlinge grundlos über Monate und Jahre hinweg hinter Gittern. Da erscheint jede noch so gefährliche Fluchtmöglichkeit als sicherer Ausweg – zumal es in den Herkunftsländern oft noch schlimmer zugeht...

Kampf um Brot
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In einem Flüchtlingslager für Jesiden im Nordirak wird die Brotverteilung zum Überlebenskampf: Nicht nur die armen Länder der Subsahara-Länder sorgenmit Leid, Hunger und Unrecht für einen steten Flüchtlingsstrom, auch die vielen Krisen im Nahen Osten vertreiben die Menschen aus ihrer Heimat. Oft bleibt ihnen nur der Seeweg ins gelobte Land Europa...

Flüchtlingsboot im Mittelmeer
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Mindestens 200 Flüchtlinge in einem überfüllten und seeuntauglichen Boot vor der italienischen Insel Lampedusa: In der Hoffnung auf Arbeit und Frieden haben sich im vergangenen Jahr mehr Menschen denn je zuvor auf den gefährlichen Weg über das Mittelmeer gemacht. Die Route nahmen Angaben des UN-Menschenrechtsrats zufolge mehr als 207.000 Menschen. Dabei starben Tausende...

Gefahr im Verzug
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20 Seemeilen nördlich der libyschen Küste: Ein überfülltes Flüchtlingsboot. Mindestens 3419 Flüchtlinge starben Angaben der Vereinten Nationen zufolge 2014 bei dem Versuch, das Mittelmeer in Richtung Europa zu überqueren. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Das Mittelmeer wird damit zum Massengrab.

BangkokDie Internationale Organisation für Migration (IOM) hat die Flüchtlingskrise in Südostasien als Teil der weltweit größten irregulären Migrationswelle der Menschheitsgeschichte eingestuft. Ziele von Masseneinwanderung seien auch die Europäische Union und die USA. Gleichzeitig laufe die größte Welle der Zwangsmigration seit dem Zweiten Weltkrieg, sagte IOM-Chef William Lacy Swing am Freitag auf einer Konferenz zu Migration und Menschenschmuggel in Bangkok.

Rund 3000 Migranten sind seit Anfang Mai in Malaysia und Indonesien an Land gekommen, Tausende befinden sich vermutlich noch auf hoher See in Not. In Malaysia wurden zudem Massengräber von Flüchtlingen entdeckt, wahrscheinlich überwiegend Rohingya aus Myanmar. Die muslimischen Rohingya sehen sich in Myanmar diskriminiert, weil das Land sie nicht als Bürger oder Volksgruppe anerkennt, sondern als illegale bengalische Einwanderer einstuft.

Der Beigeordnete UN-Flüchtlingshochkommissar Volker Türk forderte Myanmar auf, die Verantwortung für die Massenflucht der Rohingya zu übernehmen. „Das endgültige Ziel muss die Staatsbürgerschaft (für die Rohingya) sein“, sagte Türk. Myanmar müsse den Rohingya Ausweispapiere geben, um ihnen ein normales Leben zu ermöglichen.

Myanmar wies jede Schuld am Flüchtlingsdrama zurück. „Anschuldigungen führen zu nichts“, sagte der Delegationsleiter, Htin Lynn, auf der Konferenz. Er warf dem UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR vor, die Sache zu politisieren. Bei der Mehrheit der Bootsflüchtlinge handle es sich um die Opfer von Schlepperbanden.

Thailands Außenminister Tanasak Patimpragorn hatte bei der Eröffnung der Konferenz gemahnt, dass die Krise nur über internationale Zusammenarbeit gelöst werden könne. Man müsse aber auch die Ursachen für die Flucht der Migranten ansprechen. Auf der Konferenz mit Vertretern aus 17 Ländern soll ein Regelwerk zur Lösung des Flüchtlingsproblems geschaffen werden.

Der Begriff „Rohingya“ wurde auf der Konferenz möglichst vermieden. Einige Delegierte sprachen von „boat people“. Auch Türk, der Rechte der Volksgruppe direkt ansprach, sprach lieber von Flüchtlingen.

  • dpa
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