Migrationswellen
Myanmar weist Schuld am Flüchtlingsdrama zurück

Die Bilder von Massengräbern und verzweifelten Flüchtlingen in Südostasien gingen um die Welt. Experten sprechen von der größten irregulären Migrationswelle der Geschichte. Auf einer Konferenz werden Lösungen gesucht.
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BangkokDie Internationale Organisation für Migration (IOM) hat die Flüchtlingskrise in Südostasien als Teil der weltweit größten irregulären Migrationswelle der Menschheitsgeschichte eingestuft. Ziele von Masseneinwanderung seien auch die Europäische Union und die USA. Gleichzeitig laufe die größte Welle der Zwangsmigration seit dem Zweiten Weltkrieg, sagte IOM-Chef William Lacy Swing am Freitag auf einer Konferenz zu Migration und Menschenschmuggel in Bangkok.

Rund 3000 Migranten sind seit Anfang Mai in Malaysia und Indonesien an Land gekommen, Tausende befinden sich vermutlich noch auf hoher See in Not. In Malaysia wurden zudem Massengräber von Flüchtlingen entdeckt, wahrscheinlich überwiegend Rohingya aus Myanmar. Die muslimischen Rohingya sehen sich in Myanmar diskriminiert, weil das Land sie nicht als Bürger oder Volksgruppe anerkennt, sondern als illegale bengalische Einwanderer einstuft.

Der Beigeordnete UN-Flüchtlingshochkommissar Volker Türk forderte Myanmar auf, die Verantwortung für die Massenflucht der Rohingya zu übernehmen. „Das endgültige Ziel muss die Staatsbürgerschaft (für die Rohingya) sein“, sagte Türk. Myanmar müsse den Rohingya Ausweispapiere geben, um ihnen ein normales Leben zu ermöglichen.

Myanmar wies jede Schuld am Flüchtlingsdrama zurück. „Anschuldigungen führen zu nichts“, sagte der Delegationsleiter, Htin Lynn, auf der Konferenz. Er warf dem UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR vor, die Sache zu politisieren. Bei der Mehrheit der Bootsflüchtlinge handle es sich um die Opfer von Schlepperbanden.

Thailands Außenminister Tanasak Patimpragorn hatte bei der Eröffnung der Konferenz gemahnt, dass die Krise nur über internationale Zusammenarbeit gelöst werden könne. Man müsse aber auch die Ursachen für die Flucht der Migranten ansprechen. Auf der Konferenz mit Vertretern aus 17 Ländern soll ein Regelwerk zur Lösung des Flüchtlingsproblems geschaffen werden.

Der Begriff „Rohingya“ wurde auf der Konferenz möglichst vermieden. Einige Delegierte sprachen von „boat people“. Auch Türk, der Rechte der Volksgruppe direkt ansprach, sprach lieber von Flüchtlingen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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