Mikro-Ökonomie im Slum: Gute Geschäfte im tiefsten Elend

Mikro-Ökonomie im Slum
Gute Geschäfte im tiefsten Elend

Dharavi in Mumbai ist einer der größten Slums Asiens. Selbst im Elend haben die Bewohner eine funktionierende Mikro-Ökonomie geschaffen. Doch das Geschäft mit Müll, Textilien und Töpfen wird von Bauinvestoren bedroht.
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MumbaiMobin hat geschafft, wovon viele der Menschen hier träumen. Mobin lebt zwar an einem der elendesten Flecken dieser Welt, er ist einer von Millionen indischen Slum-Bewohnern. Mobin ist aber auch Unternehmer - er hat mitten im Elend ein florierendes Geschäft aufgebaut.

Seine vor knapp 40 Jahren eröffnete Firma hat mittlerweile mehrere Zweigstellen eröffnet. Dort lässt er rund 50 Angestellte Plastik recyceln und verkauft es anschließend in alle Welt. „Vom Lichtschalter bis zum Blackberry wird so gut wie alles, was Plastik enthält, potenziell mit Materialien aus Dharavi produziert“, erklärt er.

Willkommen in Dharavi, einem der größten Slums Asiens, Drehort von „Slumdog Millionaire“, Sammelstelle für das Not und Elend der Mega-Citys dieser Welt - und ein Platz, an dem große Geschäfte möglich sind. Zwischen den Gassen und Hütten der indischen Slums ist neben sozialen Problemen auch eine ganz eigene Ökonomie entstanden. Menschen leben hier, sie arbeiten hier und manche von ihnen bringen es zu respektablem Wohlstand.

Etwa durch das Recycling von Plastik, ein großes Geschäft im Slum. Tonnenweise wird hier der Plastikmüll aus der umliegenden Stadt Mumbai, der größten indischen Metropole, herangekarrt, sortiert, eingeschmolzen und zu bunten Plastikspänen verarbeitet. Dazu benutzen die Arbeiter Maschinen, die in Deutschland wahrscheinlich vor 50 Jahren bereits ausgemustert worden wären.

Dharavi ist in dieser Hinsicht einzigartig unter den indischen Slums. Offiziell beträgt die Einwohnerzahl gut 600.000. Inoffiziell dürfte sie bei weit mehr als einer Million liegen. Schätzungen zufolge beträgt die Wirtschaftsleistung dieses von außen lediglich als Chaos erscheinenden Konstrukts pro Einwohner mindestens 1000 Dollar.

Dass die Wirtschaftskraft des Slums nicht nur ausreicht, seine Einwohner und ihre Familien zu ernähren, sondern sogar echten Wohlstand schaffen kann, zeigt die Geschichte von Mobin. Sein Großvater zog vor mehr als 50 Jahren in den Slum. Wann genau das war, weiß Mobin nicht mehr. Damals grenzte das Gelände an Sümpfe und Fischerdörfer, heute an Sternehotels und ständig vom Verkehr verstopfte Schnellstraßen. „Genau wie mein Vater begann er als Tagelöhner. Aber sie konnten immer ein wenig Geld sparen, und 1972 hat mein Vater dann seine erste eigene Fabrik gekauft.“

Wenn Mobin das Wort Fabrik benutzt, dann meint er damit eine zweistöckige Hütte aus Beton, Blech und Plastik. Im Erdgeschoss steht eine gigantische Maschine, die altes Plastik klein schneiden und einschmelzen kann und anschließend als bunt gefärbte Späne wieder ausspuckt. Neben der Maschine herrschen Temperaturen zwischen 50 und 60 Grad, die Männer, die dort arbeiten, scheinen davon kaum Notiz zu nehmen.

Kommentare zu " Mikro-Ökonomie im Slum: Gute Geschäfte im tiefsten Elend"

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  • Besonders das erste Drittel ist mit Klischees und kleineren Recherchefehlern verseucht. Es rollen sich einem ja bereits bei den Überschriften die Fußnägel auf. Auf etwas Neues wartet man im Bericht bis zum Schluss vergeblich. Aber eine hübsche Geschichte, die sich sicher gut verkauft.

  • Da hat ja Gerhard Bruckermann unser Bankster von der Depfa mal wieder den richtigen Riecher gehabt.

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