Militär in Burkina Faso
Das Chaos nach der Revolution

In Anlehnung an die arabische Revolution hoffen viele Menschen in Burkina Faso auf einen „Schwarzen Frühling“. Nach der Abdankung von Dauerpräsident Compaoré droht jedoch ein gefährliches Machtvakuum.
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OuagadougouIm westafrikanischen Burkina Faso ist nach dem Rücktritt von Präsident Blaise Compaoré ein Machtkampf unter Militärs um die Nachfolge ausgebrochen. Nach Armeechef Honoré Traoré erklärte sich am Samstag auch der Vize-Kommandeur der Präsidentengarde, Isaac Zida, zum Übergangs-Staatschef. Die Armeeführung habe sich einstimmig für den bisherigen Vizekommandeur der Präsidentengarde ausgesprochen, erklärte der Generalstab am Samstag. Die Erklärung wurde auch von Armeechef Honoré Traoré unterzeichnet, der zunächst selbst die Macht beansprucht hatte. Compaoré floh in die Elfenbeinküste.

In einer Fernsehansprache sagte Oberstleutnant Zida, er wolle als Übergangsstaatschef die „staatliche Kontinuität“ wahren und in Zusammenarbeit mit den Parteien und der Zivilgesellschaft für einen „ruhigen demokratischen Übergang“ sorgen. Das Streben der Jugend nach demokratischen Wandel werde „weder verraten, noch enttäuscht“ werden, sagte Zida. Der gestürzte Präsident sei an einem „sicheren Ort“ und sein Wohlergehen gesichert.

Zida hatte sich nach dem Rücktritt Compaorés am Freitag an der Spitze einer Gruppe junger Offiziere zum Führer der Übergangsregierung erklärt. Er hatte damit Armeechef Traoré herausgefordert, der ebenfalls Anspruch auf die Führung erhob. Nachdem es zunächst nach einem internen Machtkampf aussah, beugte sich Traoré am Samstag seinem Rivalen und unterzeichnete die Erklärung, in welcher der Generalstab sich hinter Zida stellte.

Der Gardeoffizier Zida erklärte am Samstag im Radiosender Omega FM, die Verfassung des Landes sei außer Kraft gesetzt. Zugleich kündigte der in der Bevölkerung wenig bekannte Zida an, er wolle mit den Parteien und der Zivilgesellschaft die Bedingungen für einen demokratischen Wandel diskutieren. Armeechef Traoré wiederum bezeichnete die Maßnahmen Zidas als ungültig. Der General hatte am Freitag verkündet, mit sofortiger Wirkung die Amtsgeschäfte zu übernehmen.

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte am Freitagabend in Brüssel: „Wir rufen alle Akteure und alle lokalen politischen Kräfte auf, ihre Verantwortung zu übernehmen und die Regeln der Verfassung zu beachten.“ Dies gelte vor allem für die Organisation einer Übergangsregierung und das Abhalten demokratischer Wahlen.

Von den 17 Millionen Einwohnern lebt die Hälfte weiterhin unter der absoluten Armutsschwelle. Das Land ist fast ausschließlich auf die Landwirtschaft angewiesen. Jugendarbeitslosigkeit und Analphabetismus sind weit verbreitet. Im „Human Development Index 2013“ rangiert das Binnenland weltweit auf Platz 181 von insgesamt 187 Ländern. Von dem in Statistiken ausgewiesenen Wirtschaftswachstum Burkina Fasos profitieren nur die wenigsten Menschen im Land.

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