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05.07.2008 
Beweismaterial

Militär zeigt Video von Betancourt-Befreiung

Nach den anhaltenden Diskussionen, die nach sechs Jahren Geiselhaft in Kolumbien befreite Ingrid Betancourt sei möglicherweise freigekauft worden, hat das dortige Militär ein Video freigegeben, das ihre Flucht dokumentiert. Selten zuvor gab es derart erschütternde Bilder eines realen Geiseldramas.

Ausschnitt aus dem Video der kolumbianischen Regierung zur Befreiung Ingrid Betancours. Foto: reutersLupe

Ausschnitt aus dem Video der kolumbianischen Regierung zur Befreiung Ingrid Betancours. Foto: reuters

HB BUENOS AIRES/BOGOTÁ. Selten zuvor hat es derart erschütternde Bilder vom alltäglichen Wahnsinn des kolumbianischen Geiseldramas gegeben. Das nun vom Militär veröffentlichte Video von der spektakulären Befreiungsaktion der früheren kolumbianischen Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt und 14 weiterer Geiseln gibt Einblick in die sonst unzugängliche Welt der Geiselhölle in den Dschungeln des südamerikanischen Landes. Es sind keine Gewaltszenen zu sehen, sondern die Geschäftsmäßigkeit, mit der hier Menschen bis zu zehn Jahre in der Hoffnungslosigkeit des Geiseldaseins gehalten werden. Wortfetzen wie „Familie“ und „sehr“ brüllt eine der drei amerikanischen Geiseln den vermeintlichen Journalisten, die die Aufnahmen gemacht haben, zu. Und reckt seine mit einem Plastikband gefesselten Hände vor die Linse. Betancourt wirkt enttäuscht.

Später, in der Freiheit, wird sie berichten, dass die Gruppe der 15 Geiseln von Verzweiflung gepackt wurden, als ihnen die Hände gefesselt wurden. Die Angst, doch wieder nur von einem Lager ins andere verlegt zu werden. Gefilmt zu werden nur zu Propagandazwecken. So wie Ende vergangenen Jahres, als die Bilder von der abgemagerten Betancourt, die auf einer windschiefen Holzbank sitzend irgendwo stumm im Dschungel mit der Hoffnungslosigkeit kämpfte. „Zu schweigen, war meine einzige Möglichkeit des Widerstandes“, wird sie diese Bilder später erklären.

Einige der Geiseln aber können sich mit dieser Enttäuschung nicht abfinden. „Hört mal. Ich habe nur eins zu sagen: Der hier vor euch steht, ist seit zehn Jahren gefesselt. Ich bin der Oberleutnant Malagón, von den ruhmreichen Streitkräften Kolumbiens“, sagt er mit aufgeregter, fast kippender Stimme in die Kamera der Journalisten, bei denen es sich in Wirklichkeit wohl um Mitarbeiter der kolumbianischen Sicherheitskräfte handelt. Dass es keine Journalisten sind, ist schon den völlig verwackelten Bildern und viel zu schnellen Zoomfahrten der Kamera anzumerken. Im Hintergrund stehen etwa 20 bewaffnete FARC-Rebellen mitten in Kokasträuchern. Auch dieses ein Bild von hoher Symbolkraft.

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