Militäreinsatz gegen Terroristen
Türkei will Kobane um jeden Preis verteidigen

Die türkische Regierung hat ab sofort freie Hand im Kampf gegen Terroristen in Syrien und Irak. Das Parlament hat den Einsatz von Bodentruppen genehmigt. Vor allem die syrische Grenzstadt Kobane soll geschützt werden.
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AnkaraDie Türkei reiht sich in die internationale Allianz zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein. Nach langer Debatte stimmte das Parlament in Ankara am Donnerstagabend Militäreinsätzen in Syrien und im Irak zu. Damit hat die türkische Regierung nun freie Hand, in den beiden Nachbarländern mit Bodentruppen oder anderen militärischen Mitteln gegen Terrororganisationen vorzugehen. Noch ist allerdings unklar, ob oder wann die Regierung von dem Mandat Gebrauch machen wird.

Die Lage in der von IS-Milizen bedrohten Stadt Kobane an der syrisch-türkischen Grenze spitzt sich seit Tagen dramatisch zu. Kämpfer der Terrormiliz, die weite Teile Syriens und des Iraks beherrscht, seien bis auf einige Hundert Meter an die Stadtgrenze herangerückt, berichtete die in Großbritannien ansässige syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Es gebe Befürchtungen, dass Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) jeden Moment in die Hände der Dschihadisten fallen könnte, sagte der Leiter der Menschenrechtsbeobachter, Rami Abdel Rahman. Die kurdischen Volksschutzeinheiten bereiten sich auf Straßenkämpfe vor. Viele Menschen verließen aus Angst vor einem Massaker die Stadt.

Laut Ministerpräsident Ahmet Davutoglu wird die Türkei jedoch alles unternehmen, um die Eroberung von Kobane durch die IS-Miliz zu verhindern. „Kein anderes Land hat wie unseres die Möglichkeit die Entwicklung in Syrien und im Irak zu beeinflussen, kein anderes Land wird aber auch so davon betroffen sein“, sagte der Regierungschef am späten Donnerstagabend im TV-Sender „A Haber“. Hunderte von Dörfern in der Umgebung von Kobane werden bereits von der Miliz kontrolliert. In der Folge sind mehr als 150.000 Kurden in die Türkei geflohen.

Am Freitag verschärften sich die Angriffe der Terrormiliz auf die Kurden-Stadt. Die Extremisten hätten seit dem Morgen rund 60 Granaten auf die Stadt abgefeuert, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Es gebe Informationen über Tote und Verletzte. Die Angriffe der IS seien die heftigsten seit dem Beginn der Offensive Ende vergangenen Monats. Die Beobachtungsstelle widersprach zugleich Meldungen, die Extremisten seien von Süden her in die Stadt vorgestoßen.

Die USA und ihre Verbündeten bombardierten zuvor erneut IS-Ziele südlich und östlich von Kobane. Die US-Regierung hatte in der vergangenen Woche ihre Luftangriffe auf IS-Kämpfer vom Irak auf Syrien ausgedehnt. Fünf arabische Staaten unterstützen sie dabei. Ziel der Allianz ist es, die Terrormiliz zu zerstören. Die USA wollen dafür auch gemäßigte syrische Rebellen ausbilden, die den IS und das syrische Regime in Damaskus bekämpfen.

Die Bundeswehr wird sich an der Versorgung Schwerverletzter im Nordirak beteiligen. Das kündigte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei einem Besuch im bayerischen Hammelburg an, wo kurdische Soldaten (Peschmerga) für den Kampf gegen die IS-Terrormiliz an der Panzerabwehrwaffe „Milan“ ausgebildet werden. Deutschland will 10.000 der insgesamt etwa 100.000 kurdischen Kämpfer mit Gewehren, Panzerfäusten und Fahrzeugen ausrüsten.

Die islamistischen Entführer von zwei deutschen Seglern auf den Philippinen haben ihr Ultimatum um eine Woche verlängert. „Nach Freitag, dem 17. Oktober 2014 um drei Uhr nachmittags werdet ihr keinen der beiden lebend wiedersehen“, zitierten lokale Medien Abu Ramin, ein Sprecher der Terrorgruppe Abu Sayyaf. Ursprünglich hatten die Extremisten gedroht, eine der beiden Geiseln werde enthauptet, wenn nicht bis zum 10. Oktober umgerechnet vier Millionen Euro Lösegeld gezahlt würden. Deutschland solle zudem aufhören, den Kampf gegen den IS zu unterstützen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Türken werden willkomen sein, bei den Kurden auf syrischen und erst recht auf irakischen Territorium. Die PKK, türkische Staatsbürger, kämpfen schon lange an vorderster Front. Ob sie dabei die Absegnung durch die Nato erhalten haben ist fraglich. Sie haben keine Unterstützung von den Türken für ihr Volk, jenseits der Grenzen, erhalten.
    Jetzt wollen die Türken selbst mit schweren Waffen eingreifen.
    Ich habe die Befürchtung das ein Krieg im Krieg stattfindet. Der Chef der PKK sitzt heute noch, dank Amerikanern, im türkischen Gefängnis.

  • Frage, wie kommt die Türkei als Nato Partner am Besten ohne grossen Widerspruch der Weltöffentlichkeit, weil die Souveränität Syriens dadurch verletzt wird, nach Syrien hinein.
    Bingo!!!
    Man macht es so wie derzeit da grosse Spiel vorgeführt wird, nämlich mit Hilfe der geschaffenen "IS".
    Gebetsmühlenartig wird seit Monaten von den Medien auf die Menschen eingeredet, geschrieben usw. wie diese bösen Buben dort hausen. Kein Wort darüber, wer diese bösen Buben gross werden hat lassen, sie unterstützt und bis an die Zähne bewaffnet hat um sie gegen Assad Kämpen zu lassen. Als dieser plan in die Hose ging musste in neuer Plan her.
    Es ist alles so durchschaubar was sie sich da einfallen lassen, es kann bereits jedes Kind erkennen was da läuft.

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