Militäreinsatz in Syrien
Scharfe Kritik der USA an türkischem Vorgehen

Der türkische Militäreinsatz im Norden Syriens hat die kurdischen Rebellen in Aufregung versetzt. Sie rüsten die strategisch wichtige Stadt Manbidsch auf. Doch jetzt schaltet sich auch die USA ein.

Ankara/BeirutDer türkische Militäreinsatz im Norden Syriens stößt bei den USA auf scharfe Kritik. Die Gefechte zwischen den Soldaten und syrischen Oppositionsgruppen seien inakzeptabel, erklärte der US-Sondergesandte für die Anti-IS-Koalition, Brett McGurk, am Montag auf Twitter. Er rief alle bewaffneten Parteien dazu auf, ihre Feindseligkeiten einzustellen und sich auf den Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat zu konzentrieren. In der strategisch wichtigen Stadt Manbidsch bereiten sich angesichts des Vorrückens von der Türkei unterstützter Rebellen kurdische Kämpfer auf Gefechte vor. Ein Sprecher der Kurdenmiliz YPG warf der Regierung in Ankara vor, Gebiete in Syrien besetzen zu wollen.

Zurzeit werde die kürzlich vom IS eroberte Stadt von örtlichen Rebellengruppen aufgerüstet, sagte ein Kurdensprecher. Auch in der Stadt Dscharablus an der Grenze zur Türkei würden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Die einflussreiche Kurdenmiliz YPG ist nach Angaben einer ihrer Sprecher daran aber nicht beteiligt. Sie bleibe östlich des Flusses Euphrat. Aus Sicherheitskreisen war verlautet, YPG-Kämpfer brächten Waffen und Personal in die Stadt.

Manbidsch liegt am Westufer des Euphrats. Erst in diesem Monat hatten Rebellen mit Unterstützung der USA den IS aus der Stadt vertrieben. An den Kämpfen war auch die YPG beteiligt. Am Sonntag sagte ein Kommandeur der von der Türkei unterstützten Rebellenallianz, Kämpfer rückten auf die Stadt vor, um sie den Kurden wieder abzunehmen. Die YPG ist der militärische Arm der syrischen Partei PYD, die wiederum ein Ableger der in der Türkei verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK ist.

Die türkische Armee und mit ihr verbündete Rebellengruppen hatten am Mittwoch die Grenze nach Syrien überquert, um dort gegen den IS zu kämpfen, aber auch, um zu verhindern, dass kurdische Rebellen weitere Gebiete von den Dschihadisten erobern. Die Türkei befürchtet, dass ansonsten kurdische Aufständische im eigenen Land erstarken.

Außenminister Mevlüt Cavusoglu warf der YPG „ethnische Säuberungen“ vor. Sie wolle ihre Anhänger in den vom IS eroberten Gebieten ansiedeln. „Die Menschen, die gezwungen waren zu fliehen, sollten zurückkehren und dort leben. Aber das ist nicht das Ziel der YPG.“ Deswegen sei die Miliz gegen das türkische Vorgehen in Syrien. Allein binnen der vergangenen 24 Stunden griff die türkische Armee 16 Ziele im Norden Syriens an, wie aus Militärkreisen verlautete. Dabei seien „Terrorgruppen“ attackiert worden. Es blieb offen, ob damit die YPG oder der IS gemeint war.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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