Militärisches Eingreifen
Frankreich könnte im Tschad intervenieren

Frankreich wäre nach den Worten von Präsident Nicolas Sarkozy notfalls bereit, militärisch zugunsten der Regierung des Tschad in den Bürgerkrieg in dem afrikanischen Land einzugreifen. Der Aufruf des UN-Sicherheitsrats zur Unterstützung von Staatschef Idriss Deby gegen die Rebellen habe ihn sehr zufriedengestellt, sagte Sarkozy am Dienstag.

HB LA ROCHELLE. Frankreich ist zu einem militärischen Eingreifen gegen die Rebellen im Tschad bereit. „Wenn Frankreich seine Pflicht tun muss, wird es das tun“, sagte Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Dienstag in La Rochelle auf die Frage nach einer möglichen Beteiligung an den Kämpfen. „Daran sollte niemand zweifeln.“ In der tschadischen Hauptstadt N'Djamena waren vereinzelt Schüsse zu hören, neue Gefechte wurden nicht gemeldet.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte am Montagabend den Rebellenangriff auf die Hauptstadt und autorisierte die Mitgliedsstaaten, der Regierung von Präsident Idriss Déby militärisch zu helfen. Frankreich hat in der ehemaligen Kolonie etwa 1 250 Soldaten stationiert. „Jetzt, wo es eine Sicherheitsratsresolution gibt, muss man den Tschad in Ruhe lassen“, sagte Sarkozy. „Aber wenn der Staat zum Opfer eines Angriffs würde - ich betone das Konditional - hätte Frankreich die Mittel, dagegen vorzugehen.“ Am Montag hatte Außenminister Bernard Kouchner noch erklärt, die französischen Truppen sollten keinen Militäreinsatz beginnen.

Sarkozy betonte, die französischen Truppen hätten sich bislang mit einer Ausnahme nicht an den Kämpfen beteiligt. Am Freitagabend hätten sie das Feuer eröffnet, um französische Staatsbürger zu schützen. „Es war ein Akt der Selbstverteidigung.“ Die Darstellung der Rebellen, französische Soldaten hätten Zivilisten getötet, sei „absolut nicht exakt“, sagte Sarkozy.

Der französische Militärsprecher Christophe Prazuck erklärte, die Rebellen hielten sich immer noch in der Umgebung von N'Djamena auf. Bei den jüngsten Kämpfen seien französische Truppen mehrfach ins Kreuzfeuer geraten und hätten dann auch zurückgeschossen. Zwei französische Soldaten seien dabei verwundet worden. Es habe aber keine Luftangriffe gegeben.

Rebellenführer Mahamat Nouri sagte indessen dem französischen Radiosender Europe-1, französische Kampfflugzeuge hätten von Sonntagabend bis Dienstagmorgen seine Kämpfer unter Beschuss genommen. Man sei für eine neue Offensive bereit und könnte die Hauptstadt einnehmen, wenn die französischen Soldaten nicht da wären.

Der Tschad hat dem benachbarten Sudan vorgeworfen, die Rebellen zu unterstützen. Der Sudan wies dies zurück. Die Rebellen hatten am Freitag von der sudanesischen Grenze kommend N'Djamena erreicht. Am Samstag drangen sie in die Hauptstadt ein, am Sonntag gingen die Regierungstruppen zum Gegenangriff über.

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