Militärjunta drängt Menschen aus Notunterkünften
Birmaner sollen sich von Fröschen ernähren

Menschenrechtler sind empört: Offenbar will die Militärführung des von einem Wirbelsturm verwüsteten Birma viele Menschen zwingen, die Notunterkünfte zu verlassen. Man schicke sie in den Tod, befürchten die Menschenrechtler.

HB RANGUN/BANGKOK/SINGAPUR. Zehntausende leben nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in Behelfsunterkünften, nachdem sie durch den Wirbelsturm „Nargis“ Anfang Mai alles verloren haben. Zahlreiche Menschen, die in Schulen oder buddhistischen Klöstern untergekommen waren, berichteten der Nachrichtenagentur AFP in den vergangenen zwei Wochen, die Behörden wollten sie zur Rückkehr in ihre völlig zerstörten Dörfer im Irawadi-Delta zwingen.

„Es ist skrupellos von Birmas Generälen, Sturmopfer in ihre zerstörte Heimat zurückzuzwingen“, sagte HRW-Asien-Direktor Brad Adams in Bangkok. „Ohne Obdach, Nahrung und sauberes Wasser ist der Vorschlag der Regierung das Gleiche, als wolle sie die Menschen in den Tod schicken und eine noch größere Katastrophe herbeiführen“, sagte Adams. Durch den Wirbelsturm vom 2. und 3. Mai sind amtlichen Schätzungen zufolge 133 000 Menschen tot oder vermisst. Am Freitag sagte die Militärjunta, die geflüchteten Menschen sollten in ihre Heimat zurückkehren und sich notfalls von Fröschen ernähren.

UN-Vertreter bestätigten die Berichte über die erzwungene Rückkehr der Opfer nicht. Die Vereinten Nationen verurteilten jedoch jegliche Zwangsrückkehr, sagte der regionale UN-Verantwortliche für Krisenhilfe, Terje Skavdal. Wenn Menschen in ihre Dörfer zurückgeschickt würden, stelle sich auch die Frage, ob sie versorgt werden könnten.

Obwohl die Generäle Wochen nach dem Desaster ausländische Helfer ins Land ließen, kritisierte US-Verteidigungsminister Robert Gates das Vorgehen der Militärführung außergewöhnlich scharf. Die Einschränkung der Bewegungsfreiheit für die Helfer koste zehntausende Menschenleben, sagte Gates auf einer regionalen Sicherheitskonferenz in Singapur. Hilfsorganisationen berichten weiterhin von Problemen, die Bevölkerung in dem Katastrophengebiet zu versorgen.

„Unsere Schiffe und Flugzeuge warteten auf die Zustimmung des Landes, um umgehend zur Rettung tausender Leben einschreiten zu können“, sagte Gates. Diese Zustimmung sei beispielsweise nach dem Tsunami 2004 in Indonesien und nach einem Zyklon in Bangladesch im November 2007 von den betroffenen Regierungen zügig gegeben worden. „In Birma ist die Lage ganz anders – zum Preis von zehntausenden Menschenleben“, kritisierte Gates. Dennoch werde sein Land weiter Hilfe anbieten. Es wäre jedoch ein „gravierender Fehler“, dabei auf Zwang zu setzen, sagte der US-Minister. Von dieser Linie rückten die USA nicht ab.

Die staatlichen Medien berichteten, die Regierung habe südostasiatische Staaten gebeten, die Hilfsaktionen in Zusammenarbeit mit Vertretern der Vereinten Nationen und birmanischer Behörden zu koordinieren. Nach der Katastrophe hatte die Junta erst die Einreise internationaler Helfer verweigert, sich dann aber massivem internationalen Druck gefügt und eine Öffnung für ausländische Helfer versprochen.

Offenbar kontrolliert die Regierung jedoch noch immer streng den Zutritt internationaler Helfer zu den Katastrophengebieten. Auf Hauptverkehrsstraßen im besonders schwer betroffenen Irawadi-Delta bezogen am Freitag bewaffnete Polizisten an mindestens zehn Posten Stellung, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Ein Mitarbeiter einer asiatischen Hilfsorganisation berichtete zudem, die Fahrt seines medizinischen Teams in das Irawadi-Delta sei Anfang der Woche von Soldaten behindert und verzögert worden.

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