Militärjunta übernimmt Macht
Putschisten in Mauretanien versprechen Demokratie

Einen Tag nach dem Militärputsch in Mauretanien haben die neuen Machthaber eine baldige Rückkehr des nordwestafrikanischen Landes zur Demokratie versprochen. Der Staatsstreich war weltweit verurteilt worden.

HB NOUAKCHOTT. Es sollten sobald wie möglich Präsidentenwahlen abgehalten werden, kündigten die Putschisten am Donnerstag in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung an. Sie nannten jedoch kein konkretes Datum. Die Wahlen sollten frei und transparent sein, erklärte die Militärjunta nach Angaben der Nachrichtenagentur AMI. Sie sollten in Zusammenarbeit mit den politischen Parteien und den gesellschaftlichen Institutionen vorbereitet werden.

Der gestürzte Staatspräsident Sidi Ould Cheikh Abdallahi und Regierungschef Yahya Ould Ahmed El Waghef befanden sich am Donnerstag weiterhin in der Gefangenschaft des Militärs. Die Lage in dem Wüstenstaat wurde als ruhig beschrieben.

Die Putschisten hatten Abdallahi, den ersten demokratisch gewählten Präsidenten in der Geschichte Mauretaniens, am Mittwoch mit einem unblutigen Putsch gestürzt. Die Macht übernahm eine Junta unter Führung des Generals Mohammed Ould Abdel Aziz, der bisher an der Spitze der Präsidentengarde gestanden hatte. Die Militärs versprachen, die internationalen Verpflichtungen Mauretaniens einzuhalten. Der elfköpfigen Junta, die sich „Hoher Staatsrat“ nennt, gehören fünf Generäle und sechs andere hohe Offiziere an.

Die Europäische Union forderte die Freilassung des Präsidenten und des Regierungschefs vor den angekündigten Wahlen. Die Befreiung der Inhaftierten sei eine „entscheidende Voraussetzung für die Gültigkeit möglicher neuer Wahlen“, sagte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel. Die EU-Behörde werde in den kommenden Wochen entscheiden, ob EU-Gelder in Höhe von 156 Millionen Euro wie geplant bis 2013 ausgezahlt werden.

Der Staatsstreich, der zweite in Mauretanien in drei Jahren, war weltweit verurteilt worden. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Putschisten auf, umgehend zur verfassungsmäßigen Ordnung zurückzukehren. Die Arabische Liga rief zu einem demokratischen Dialog in Mauretanien auf. Die Bundesregierung in Berlin forderte eine friedliche Beilegung der Krise. Das Auswärtige Amt warnte bis zur Klärung der Lage vor Reisen in das afrikanische Land. Auch die USA und die Afrikanische Union verurteilten den Putsch.

Das Militär hatte die Macht ergriffen, nachdem Abdallahi die Absetzung der gesamten Führung der Streitkräfte angeordnet hatte. Mauretanien steckt seit Monaten in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise, die durch die rasante Verteuerung der Lebensmittel und durch Anschläge islamischer Terroristen ausgelöst worden war.

Das Land ist ein enger Verbündeter des Westens in der arabischen Welt. Der Wüstenstaat ist eines der wenigen islamischen Länder, das diplomatische Beziehungen zu Israel unterhält.

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