Militäroffensive: Frankreich verstärkt seine Truppen in Mali

Militäroffensive
Frankreich verstärkt seine Truppen in Mali

Frankreich stockt die Streitkräfte auf 2500 Soldaten auf, die Nachbarländer Malis sollen weitere 3300 Soldaten in den Kampf gegen die Extremisten schicken. Die EU bespricht das weitere Vorgehen auf einem Sondergipfel.
  • 5

Bamako/BrüsselBeim Kampf um die Stadt Diabali in Mali hat die französische Armee zurückgeschlagen: Bei ihrem Militäreinsatz griff die Luftwaffe der Franzosen in der Nacht zu Dienstag die Stadt, die am Montag von islamistischen Einheiten aus dem Norden Malis erobert worden war, an. Bei den Luftangriffen 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bamako seien mindestens fünf islamistische Kämpfer getötet und mehrere andere verletzt worden, sagte ein Mitarbeiter der malischen Sicherheitskräfte der Nachrichtenagentur AFP. Nach den Angriffen hätten Kämpfer fluchtartig Diabali verlassen, sagte ein Einwohner aus einem benachbarten Ort.

Frankreichs Präsident Francois Hollande sagte unterdessen, dass er seine Truppen im westafrikanischen Krisenstaat verstärken will. „Wir haben zur Zeit 750 Soldaten entsendet und es werden mehr werden, so dass wir so schnell wie möglich an die Afrikaner übergeben können“, sagte Hollande am Rande eines Besuchs in Abu Dhabi. Eine Einheit mit 40 französischen Panzern aus der Elfenbeinküste soll am heutigen Dienstag die malische Hauptstadt Bamako erreichen.

Frankreich will die Streitkräfte in seiner ehemaligen Kolonie auf insgesamt 2500 Soldaten aufstocken. Aus den Nachbarländern Malis sollen einem Interventionsplan der Vereinten Nationen (UN) zufolge 3300 Soldaten kommen. Hollande erwartet, dass es bis zum geplanten Einsatz von Einheiten der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas in Mali noch „eine gute Woche“ dauern wird. Länder wie Niger, Burkina Faso, Senegal, Togo, Nigeria und Benin wollen die malische Regierung beim Kampf gegen die islamistischen Aufständischen im Land unterstützen.

Noch diese Woche will EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton die EU-Außenminister zu einer Mali-Dringlichkeitssitzung in Brüssel treffen. Es werde ein Treffen für Donnerstag vorbereitet, verlautete am Dienstag aus EU-Diplomatenkreisen. Dabei solle beraten werden, wie die EU-Länder die malische Regierung und die französischen Angriffe gegen die islamistischen Rebellen im Norden unterstützen können.

Dazu gehöre Ausbildungshilfe für die regulären Streitkräfte, finanzielle und logistische Hilfe für eine afrikanisch geführte Militärmission sowie direkte Hilfe für die malische Regierung, erklärte Ashton am Montagabend. Den unter anderem von EU-Parlamentariern geforderten Einsatz einer EU-Kampftruppe erwähnt die Chefdiplomatin nicht.

In Deutschland hat sich angesichts eines möglichen Mali-Einsatzes nun der Bundeswehrverband zu Wort gemeldet und vor einer zu hohen Belastung der deutschen Streitkräfte gewarnt. Die Truppe stecke mitten in der „größten Reform seit ihrem Bestehen“ und sei durch laufende Einsätze schon stark gefordert, sagte Verbandschef Ulrich Kirsch. „Wir können das sicher noch leisten – aber wir stoßen mit dem Kopf an die Decke.“ Gleichzeitig verteidigte Kirsch das Eingreifen Frankreichs in dem westafrikanischen Land. Von einem übereilten Einsatz könne keine Rede sein. „Frankreich agiert hier quasi als 'Feuerwehr' und hat auf einen Hilferuf aus Mali reagiert.“

Seite 1:

Frankreich verstärkt seine Truppen in Mali

Seite 2:

„Wir werden keine Kampftruppen schicken“

Kommentare zu " Militäroffensive: Frankreich verstärkt seine Truppen in Mali"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Mussten wir uns nicht erst Islamophobie vorhalten lassen ?
    Irgend so ein Islamwissenschaftler hat das erst kürzlich wieder durch die Medien posaunt , punktuell könnte er recht haben , die große Masse jedoch ist Vorsichtig und das hat seinen Grund wie wir sehen .

  • Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte begrenzte deutsche Hilfe in Aussicht gestellt. „Wir werden keine Kampftruppen schicken, aber wir werden jetzt mit Frankreich besprechen, welche Unterstützung politisch, logistisch, medizinisch und humanitär sinnvoll ist“, sagte er der „Welt….
    Frankreich will die Streitkräfte in seiner ehemaligen Kolonie auf insgesamt 2500 Soldaten aufstocken. (Zitate)
    Frankreich hat eben jetzt nur die „ Saat“ seiner ehem. Kolonie „zu ernten“. Daraus jetzt wieder ein europäisches Problem zu machen, nach dem Motto : wir müssen schließlich unser aller Demokratie verteidigen - wie schon mal formuliert nur mit dem Ort Hindukusch, heißt aber in Wirklichkeit, wir bewegen uns jetzt genau dort wo wir einst in Afghanistan mit Brunnenbau und kleine Mädchen in die Schule schicken „angefangen“ haben. Nur mit dem Unterschied, dass jetzt Westerwelle eine „logistisch medizinisch und humanitär“ sinnvolle Welt plötzlich in Mali sieht? Und sich von Kampftruppen distanziert. Auch das Wort „Krieg“ wird vorläufig weggelassen. Alles also – wie gehabt.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%