Militäroffensive
Georgien beginnt Offensive in Südossetien

Georgien hat eine Militäroffensive gegen Südossetien gestartet, um die Kontrolle über die abtrünnige Provinz zurückzugewinnen. Beide Seiten berichteten von heftigen Kämpfen am Rande der Provinzhauptstadt Tschinwali. Zur Unterstützung der Separatisten machten sich Kämpfer aus Russland und Abchasien auf den Weg in die Krisenregion.

HB TIFLIS. Georgische Truppen hätten Tschinwali umstellt, sagte der georgische Minister für die Wiedereingliederung, Temur Jakobaschwili, der Nachrichtenagentur AFP. Laut einem Korrespondenten waren alle 30 Sekunden heftige Explosionen und Gewehrfeuer zu hören. Nach den Worten des Chefs der georgischen Friedenstruppen in Südossetien, General Mamuka Kuraschwili, will Tiflis die „verfassungsgemäße Ordnung“ in der abtrünnigen Region wiederherstellen. Mindestens 15 Menschen Zivilisten seien bei den Kämpfen bislang ums Leben gekommen, meldete der russische TV-Sender Vesti-24.

Ziel der georgischen Truppen sei es nicht, Tschinwali einzunehmen, sondern die „Stellungen der Separatisten zu zerstören“, beteuerte Jakobaschwili. Die gesamte Region liege im Dunkeln, werde aber in regelmäßigen Abständen von Explosionen erschüttert, berichtete der Korrespondent vom letzten georgischen Grenzposten aus, der nur rund fünf Kilometer von Tschinwali entfernt liegt. Nach Angaben des georgischen Senders Rustawi 2 brachten die georgischen Truppen mindestens zwei Dörfer in der Nähe von Tschinwali, Muguti und Didmucha, in ihre Gewalt.

Der südossetische Vertreter in Moskau, Dimitri Medojew, berichtete gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Interfax von „Toten und vielen Verletzten“. Südossetiens selbsternannter Präsident Eduard Kokoity sprach von einem „hinterlistigen und niederträchtigen Akt“ des georgischen Staatschefs Michail Saakaschwili.

Russische Kampfflugzeuge sollen nach georgischen Angaben Bomben über der Krisenregion Südossetien abgeworfen haben. Drei Flugzeuge hätten die Einsätze im Süden der von Georgien abtrünnigen Provinz geflogen, erklärte ein Sprecher des georgischen Innenministeriums. Beschossen worden seien eine Polizeistation in der Nähe der Stadt Kareli sowie die Stadt Gori, in der sich georgische Streitkräfte vor den Kämpfen mit Separatisten getroffen hätten. „In Kareli sind etliche Zivilisten verletzt worden“, sagte der Sprecher.

Saakaschwili hatte zuvor verkündet, er habe nach heftigen Kämpfen in der Nacht zum Donnerstag und am Donnerstag eine Waffenruhe angeordnet, um die „Spirale der Gewalt“ zu beenden. Interfax meldete unter Berufung auf in der Region stationierte Friedenstruppen, beide Seiten hätten einen Waffenstillstand vereinbart. Dies wurde jedoch später von georgischer Seite wieder dementiert. Am Freitag sollten Gespräche unter russischer Vermittlung stattfinden.

Der russische Sonderbotschafter Juri Popow bezeichnete die neue Offensive als „absolut unverständlich“. Diese zeige, dass „man den Führern dieses Landes nicht vertrauen kann“, sagte Popow. Georgien warf seinerseits den Südosseten vor, sich nicht an die Waffenruhe gehalten zu haben.

Nach russischen Agenturberichten machten sich Hunderte Kämpfer aus Russland und Abchasien zur Unterstützung der Separatisten auf den Weg in die Krisenregion. Der Sekretär des georgischen Nationalen Sicherheitsrates sagte, ihm lägen außerdem Informationen vor, dass russische Militäreinheiten auf dem Weg zu einem Tunnel nach Südossetien seien. Durch ihn könnten sie den ihnen nahestehenden Separatisten Waffen liefern.

Der Präsident der ebenfalls abtrünnigen Provinz Abchasien, Sergej Bagaptsch, sicherte seinem südossetischen Kollegen Unterstützung zu. Rund eintausend abschasische Freiwillige wollten schon bald nach Südossetien aufbrechen, kündigte er an. Nach Angaben des Präsidenten der russischen Republik Nordossetien, Taimuras Mamsurow, sind auch dort „hunderte Freiwillige“ aufbruchbereit. „Wir können sie nicht stoppen“, sagte er.

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