Militäroffensive
Israel: Zwischen Attacke und Vergeltung

Auch am siebten Tag rollt die israelische Militäroffensive weiter. In der Nacht soll eine Moschee angegriffen worden sein, im Morgengrauen sollen Raketen in Häusern von Hamas-Mitgliedern eingeschlagen sein. Nun bereitet sich Israel auf Vergeltungsanschläge der Hamas vor.

HB TEL AVIV/GAZA. Die israelische Luftwaffe hat auch am siebten Tag der Militäroffensive gegen die radikal-islamische Hamas Angriffe auf Ziele im Gazastreifen geflogen. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete am Freitagmorgen von einer Reihe von Luftschlägen. Vor Morgengrauen wurden nach palästinensischen Angaben 15 Häuser militanter Hamas-Mitglieder getroffen. Zuvor hätten die Israelis Bewohner umliegender Häuser entweder telefonisch gewarnt oder eine Rakete zur Warnung abgefeuert, um die Zahl ziviler Opfer zu verringern. Zwölf Menschen wurden nach Krankenhausangaben bei den Angriffen verletzt.

In israelischen Medien hieß es unter Berufung auf die Luftwaffe in der Nacht zum Freitag, Kampfflugzeuge hätten eine Moschee im Flüchtlingslager Dschabalija im nördlichen Gazastreifen angegriffen. Das Gotteshaus soll als Waffenlager und Versteck für Extremisten gedient haben. Es sei die fünfte Moschee, die seit Beginn der Militäroperation am vergangenen Samstag bombardiert wurde, schrieb der israelische Onlinedienst „ynet“. Der israelische Rundfunk sprach unter Berufung auf palästinensische Quellen von fünf Luftschlägen kurz vor Mitternacht.

Die israelische Außenministerin Zipi Livni hatte kurz zuvor noch einmal betont, Israel werde die Militäroffensive im Gazastreifen so lange weiterführen, bis Militante aufhören, den jüdischen Staat mit Raketen zu beschießen. Es sei nicht eine Frage eines Zeitplanes, sondern eine Frage der Ziele, sagte Livni am Donnerstag dem israelischen Fernsehen aus Paris. Man werde die Situation täglich überprüfen. Das israelische Militär habe weitere Ziele im Visier. „Dann wird es einen Punkt geben, an dem wir sehen werden müssen, ob die (radikal-islamische) Hamas es begreift und mit dem Beschuss aufhört“, sagte die Außenministerin weiter.

Für das Westjordanland verhängte Israel aus Sicherheitserwägungen von Mitternacht an eine zweitägige Ausgangs- und Einreisesperre. Die von Verteidigungsminister Ehud Barak angeordnete Maßnahme soll bis Samstag um Mitternacht gelten, hieß es in einer am Donnerstagabend herausgegebenen Erklärung des israelischen Militärs. In humanitären und medizinischen Notfällen würden Ausnahmen gemacht. Die Zeitung „Jerusalem Post“ sagte, die Behörden hätte auf Warnungen vor möglichen Attentatsversuchen durch militante Palästinenser in Folge der israelischen Offensive im Gazastreifen reagiert.

Die israelische Luftwaffe flog am Donnerstag nach Angaben einer Militärsprecherin rund 60 neue Angriffe auf den Gazastreifen. Gleichzeitig feuerten militante Palästinensergruppen mehr als 40 Raketen und Mörsergranaten zum Teil weit in das israelische Kernland ab.

Am Donnerstag tötete die israelische Luftwaffe erstmals ein Mitglied des engsten Führungszirkels der radikal-islamischen Hamas sowie dessen Frau und acht Kinder. Bei der israelischen Offensive sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza bisher mindestens 414 Palästinenser getötet und 2070 weitere verletzt worden. An den Folgen der palästinensischen Raketenangriffe sind bisher vier Israelis gestorben.

Unterdessen gehen die diplomatische Bemühungen um eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas weiter. Der UN- Sicherheitsrat hatte Israel und die Hamas in den letzten Stunden des alten Jahres noch einmal eindringlich zu einer Waffenruhe aufgerufen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon drängte die Konfliktparteien, umgehend „vom Abgrund zurückzutreten“.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas (Fatah) will sich jetzt beim Weltsicherheitsrat für eine Waffenruhe einsetzen. Abbas werde solange in New York bleiben, bis es eine Resolution mit einer klaren Zeitvorgabe für ein Ende der Gewalt gebe, sagte Abbas-Sprecher Jassir Abed Rabbo in Ramallah.

Unterdessen droht Israel angesichts der fortwährenden Raketenangriffe weiter mit einer Bodenoffensive im Gazastreifen. Der israelische Rundfunk meldete, dass mehrere tausend Soldaten am Rande des Gazastreifens auf ihren Einsatzbefehl warteten, darunter viele Reservisten. Der Bodeneinsatz mit starken Verbänden solle nach Vorstellung der Armee heftig und kurz sein, hieß es.

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