Militärpräsenz bleibt : Trotz Abzugs bringt Russland mehr Ausrüstung nach Syrien

Militärpräsenz bleibt
Trotz Abzugs bringt Russland mehr Ausrüstung nach Syrien

Russland baut offenbar seine Militärinfrastruktur in Syrien aus. Es herrscht reger Verkehr russischer Marineschiffe durch den Bosporus. Auch der „Syrien-Express“ zur Truppenversorgung wurde nicht eingestellt.

MoskauAls Präsident Wladimir Putin den weitgehenden Abzug des russischen Militärs aus Syrien befahl, wurde erwartet, dass auch der Marine-Eisbrecher „Jausa“ in seinen Heimathafen in der Arktis zurückkehren würde. Doch drei Tage nach Putins Erklärung am 14. März lief die „Jausa“, die als Teil des sogenannten Syrien-Express' die russischen Truppen in dem Bürgerkriegsland versorgt, vom Schwarzmeerhafen Noworossijsk abermals nach Tartus aus, dem russischen Marinestützpunkt in Syrien. Was immer die „Jausa“ geladen hatte - es war sehr schwer. Das Schiff lag so tief im Wasser, dass seine Ladelinie kaum noch zu sehen war.

Die Fahrten der „Jausa“ und anderer russischer Schiffe legen nahe, dass in den vergangenen zwei Wochen mehr Ausrüstung und Nachschub nach Syrien gebracht als von dort abtransportiert wurde. Es ist nicht bekannt, was die Schiffe geladen hatten und was an Bord der Frachtflugzeuge war, die zusammen mit russischen Kampfjets aus Syrien abflogen. Und auch wenn es nur eine Momentaufnahme sein mag, lässt sie doch darauf schließen, dass Russland intensiv am Ausbau seiner militärischen Infrastruktur in Syrien und an der Ausrüstung der Armee des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad arbeitet.

Russlands Militärpräsenz in Syrien könnte dann jederzeit leicht verstärkt werden. Was dafür Voraussetzung ist, hat Putin nicht im Detail erklärt. Doch jede Bedrohung der russischen Militärbasen in Syrien und jedes Anzeichen, dass Russlands Verbündeter Assad in Gefahr sein könnte, würde eine machtvolle Reaktion auslösen.

Russland betreibt neben dem Marinestützpunkt Tartus auch die Luftwaffenbasis Hmejmim. Russland will beide behalten und beide gut schützen. „Da der größte Teil der Streitkräfte de facto dort geblieben ist, gibt es keinen Grund, den Verkehr einzustellen“, sagt Michail Barabanow von der in Moskau ansässigen Militärexpertenkommission CAST. „Der Nachschub für die syrische Armee bleibt ebenfalls wichtig.“

Die Regierung in Moskau hat nie bekanntgegeben, wie viele Soldaten sie nach Syrien entsandt hat. Auch über das Ausmaß des Teilabzuges schweigt sie. Die Nachrichtenagentur Reuters hat berechnet, dass in den Tagen nach Putins Erklärung rund die Hälfte der Kampfflugzeuge abgezogen wurde. Am Montag zeigte das Staatsfernsehen, wie drei Kampfhubschrauber aus Syrien abtransportiert wurden. Die genauen Zahlen hält Russland geheim, doch vermutlich sind noch 36 Kampfjets in Syrien.

Eine Auswertung von Schiffsdaten, offiziellen Informationen, Hinweisen aus Marinekreisen und Fotografien russischer Schiffe, die den Bosporus vom Schwarzen Meer ins Mittelmeer passiert haben, gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass der „Syrien-Express“ verlangsamt worden wäre. Stattdessen deutet vieles darauf hin, dass Russland einige Kriegsschiffe, die das Mittelmeer verlassen haben, durch neue ersetzt hat. So erhält Russland die Feuerkraft seiner Marine aufrecht. Seine Schiffe könnten leicht die syrische Küste erreichen und Handelsschiffe schützen. Zudem könnten Marschflugkörper vom Meer aus abgeschossen werden.

Vermutlich hat Russland derzeit mehr als ein Dutzend Kriegsschiffe im Mittelmeer. Dazu gehört auch die „Selenij Dol“, die mit äußerst zielgenauen „Kalibr“-Raketen ausgerüstet ist. Diese Stärke werde die russische Regierung wahrscheinlich beibehalten, sagt Militärexperte Barabanow. „Russland hat nicht so viele Schiffe, die es im Mittelmeer lassen kann.“ Sie müssten den „Syrien-Express“ schützen und seien eine Demonstration gegenüber dem Westen und auch der Türkei.

Immer wieder werden russische Kriegsschiffe gesichtet, die Syrien offensichtlich schwerer beladen ansteuern als sie von dort zurückkehren. Seit mit dem Teilabzug begonnen wurde, hat Russland zusammen mit der „Jausa“ zwei Landungsschiffe ins Mittelmeer entsandt, die „Caesar Kunikow“ und die „Saratow“. Beide dienen dem Transport von Truppen und Ausrüstung. Und wie die „Jausa“ hatte auch die „Saratow“ sehr schwere Fracht an Bord, als sie am Donnerstag Kurs auf Syrien nahm.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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