Militärputsch
Fidschi-Armeechef droht mit Gewalt

Einen Tag nach dem unblutigen Putsch auf den Fidschi-Inseln hat der Armeechef am Mittwoch den Ausnahmezustand verhängt. Zugleich drohte Commodore Voreqe Bainimarama im Fall von Widerstand mit Gewalt. Hintergrund sind Aufrufe zu Protestaktionen aus dem In- und Ausland.

HB SUVA. „Wir haben Grund zur Annahme, dass das Land bedroht ist“, sagte der Armeechef nach Angaben des neuseeländischen Rundfunks. „Wir werden jeden Aufstand sofort unterdrücken.“ Die Premierministerin von Neuseeland forderte die Offiziere des Inselstaates zum Aufstand auf. „Wir fragen uns, ob es nicht ranghohe Offiziere gibt, die ihren Amtseid ernst nehmen und bereit sind, dem Kommandanten auf die Schulter zu klopfen um ihm zu sagen, dass er nicht mehr am Ruder ist“, sagte Helen Clark Radio Neuseeland. Der australische Außenminister Alexander Downer forderte hohe Beamte zu passivem Widerstand auf.

Trotz der angespannten Situation blieb es nach Angaben von Einwohnern auf den Straßen der Südseeinseln ruhig. Auch Ausländer und Touristen waren nach Angaben des deutschen Honorarkonsuls in Suva nicht gefährdet. „Banken und Geschäfte sind offen, die Leute gehen ihren normalen Beschäftigungen nach“, sagte David Aidney. Er erinnerte daran, dass dies der vierte Putsch seit 1987 ist. „Die Leute kennen das, es ist nicht mehr sehr aufregend“, sagte er.

Auf den gut 300 Inseln leben rund 80 Familien, die ganz oder teilweise deutsch sind. Niemand habe sich bislang nach Evakuierungsmöglichkeiten erkundigt, sagte Aidney. Das Außenministerium rät von Reisen, die nicht unbedingt notwendig sind, ab. „Aber wer in die Hotelanlagen im Westen fährt, wird nichts von dem Putsch mitbekommen“, sagte Aidney.

Nach den Nachbarstaaten und der Europäischen Union verurteilten auch die Vereinten Nationen und die USA den Putsch. Hilfsprogramme wurden suspendiert. Der Staatenbund Commonwealth zwischen Großbritannien und seinen ehemaligen Kolonien will an diesem Freitag die Mitgliedschaft Fidschis suspendieren.

„Wir respektieren die Meinung derer, die nicht mit dem einverstanden sind, was wir tun“, sagte Bainimarama (52) am Mittwoch nach Angaben der BBC. „Aber mischt euch nicht in unsere Angelegenheiten ein.“

Der Armeechef löste das Parlament auf und ernannte einen Arzt als Premierminister. Jona Senilagakali hat keinerlei politische Erfahrung. Der gestürzte Amtsinhaber Laisenia Qarase wurde gezwungen, in seine abgelegene Heimatprovinz zu fliegen. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die Einwohner die Militäraktion nicht hinnehmen. Auf den Fidschi-Inseln leben rund 900 000 Menschen. Bainimarama hatte Qarase vorgeworfen, Spannungen zwischen den melanesischen Ureinwohnern und der großen Minderheit der indischstämmigen Bevölkerung zu schüren.

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