Militärputsch in Thailand
Singapur und der Putsch in Thailand

Thailands Armee will nach dem gelungenen Putsch gegen Premier Thaksin die Macht schon bald wieder an Zivilisten abgeben. Bevölkerung und Wirtschaft hoffen jetzt auf ein schnelles Ende der seit Monaten anhaltenden Krisen. Doch was war eigentlich der Auslöser für die Unruhen? Unter anderem geht es um Geld. Um viel Geld.

SINGAPUR. Ho Ching ist die mächtigste Frau Singapurs. Nicht, weil sie Ehefrau von Ministerpräsident und Finanzminister Lee Hsien Loong ist. Nein, Madame Ho leitet die Temasek Holdings, Singapurs steinreiche Investmentgesellschaft. Nicht überall hat sich die aktive Dame mit ihren Einkaufstouren Freunde geschaffen. Der letzte Kauf bringt ihr sogar mächtigen Ärger ein. Ho Ching, die Temasek und damit auch der Staat Singapur gelten als Auslöser für die Krise, welche sich über die vergangenen sechs Monate in Thailand zugespitzt und nun zum Militärputsch geführt hat.

Im Januar dieses Jahres hatte Temasek 49 Prozent der Anteile von Shin Corp. erworben, jenem Telekom-Konglomerat, das sich im Besitz der Familie des gestürzten Premiers und Medienmoguls Thaksin befand. Keinen Cent an Steuern hatte die Familie für den Deal damals bezahlt. Die Singapurer waren geschockt. Und in Thailand entlud sich die Wut der Thais über einen Premier, dem sie Nepotismus und Korruption vorhielten, in Massendemonstrationen. Sie zogen auch vor die Botschaft Singapurs – und verbrannten Bilder von Lee und Ho.

Das Staatsunternehmen Temasek wurde 1974 gegründet. Es kontrolliert unter anderem die renommierte Singapore Airlines und die Singapore Telecommunications. In den vergangenen Jahren hat die Holding Milliarden für Beteiligungen an Schlüsselindustrien in den Nachbarstaaten ausgegeben. 80 Milliarden US-Dollar hat Temasek im Ausland investiert, vor allem in den schnell wachsenden asiatischen Emerging Markets. Nur die Filetstücke von Banken, Telekom- und Infrastrukturkonzernen in Indien, Indonesien, Malaysia und Thailand waren gut genug für Madame Ho.

Einmischung in strategische Interessen und Ausnutzung einer Krisenlage gehören zu den milderen Formen der Kritik an Singapur. Doch erst der Shin-Corp.-Deal entwickelte sich für die Staatsholding Temasek zu einem ausgewachsenen Desaster. Denn an ihm entfaltete sich auch der Vorwurf politischer Vetternwirtschaft. Thailand und Singapur sind in der Asean strategische Partner. Und Singapur, so schien es, wollte dem Premier aus der Klemme helfen.

Kein Wunder, dass sich Temasek-Sprecher Christopher Ong ausgesprochen wortkarg gibt: „Wir sind ein kommerzieller Investor und haben uns aus rein wirtschaftlichen Erwägungen an Shin Corp. beteiligt“, sagte Ong dem Handelsblatt. „Dabei haben wir uns strikt an die Gesetze in Thailand gehalten. Wir arbeiten eng mit dem Handelsministerium bei der Aufklärung zusammen.“

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