Militante Islamisten bekennen sich zu Explosionen
Trauer nach Anschlägen von Istanbul

Die Zahl der Toten bei der Explosion von Autobomben vor zwei Synagogen in Istanbul hat sich auf 23 erhöht. Die Anschläge haben in aller Welt Bestürzung ausgelöst. US-Präsident Bush verurteilte die Tat, der Papst sandte ein Beileidstelegramm.

HB BERLIN. Bei nahezu zeitgleichen Bombenanschlägen auf zwei Synagogen sind in Istanbul am Samstag mindestens 23 Menschen getötet worden. Das teilte das türkische Innenministerium mit. Außerdem wurden demnach mehr als 300 Menschen verletzt. Die Explosionen wurden nach Polizeiangaben durch Autobomben ausgelöst. Die Sprengsätze erschütterten die zentrale Neve-Shalom-Synagoge in der Altstadt und die nahe gelegene Beit-Israel-Synagoge in einem Augenblick, als sich Hunderte Gläubige zum Sabbat-Gebet versammelt hatten.

Kurz nach der ersten Detonation gab es in der Nähe eine weitere. Sie beschädigte die Beth-Israel-Synagoge. Vor dem Gebäude war auf Fernsehbildern ein eineinhalb Meter großer Krater zu sehen.

Eine türkische Fundamentalistenorganisation übernahm Anadolu zufolge die Verantwortung für die Attentate. Damit werde gegen die Unterdrückung der Moslems protestiert, sagte ein Anrufer der radikalislamistischen "Front der Vorkämpfer für den Großen Islamischen Osten" (IBDA-C) der Nachrichtenagentur am Samstag. "Unsere Aktionen werden weitergehen", drohte der Unbekannte. Die IBDA-C wurde 1985 gegründet und ist seit 1993 in der Region um Istanbul aktiv. Sie verübte bereits Anschläge auf Bars, Diskotheken und Kirchen.

Die Neve-Shalom-Synagoge wurde 1951 im Istanbuler Stadtbezirk Beyoglu erbaut. Sie ist das prachtvollste jüdische Sakralgebäude in der Stadt. Die meisten jüdischen Zeremonien und Festlichkeiten werden hier veranstaltet. Der Bau war bereits 1986 von bewaffneten Palästinensern angegriffen worden, die während eines Gottesdienstes 22 Gläubige töteten und sechs weitere verletzten.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte den "terroristischen Akt". Die Anschläge zielten gegen "die Stabilität und den Frieden in der Türkei". Israels Außenminister Silvan Schalom bat die internationale Gemeinschaft um Unterstützung beim Kampf gegen "die Kräfte des Bösen". Er hoffe, die internationale Gemeinschaft werde die Anschläge nicht nur verurteilen, sondern energisch "gegen den Terrorismus" vorgehen.

Die Bundesregierung verurteilte den Doppelanschlag "auf das Schärfste". "Dass das Ziel der barbarischen Terroranschläge Synagogen waren, in denen sich Betende zum heutigen Sabbat versammelt hatten, erfüllt uns mit besonderem Entsetzen und Empörung", sagte Außenminister Joschka Fischer (Grüne) in Berlin.

Die US-Regierung hat mit Bestürzung auf die Anschläge auf Synagogen in Istanbul reagiert. Sie sicherte dem Nato-Verbündeten Türkei Hilfe beim Kampf gegen "Terroristen" zu. "Wir werden der türkischen Regierung in jeder erdenklichen Weise helfen, auf diesen feigen Terrorakt und seine Urheber zu reagieren", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Washington.US-Präsident George W. Bush sagte, die Attentäter hätten ohne Gewissen und entgegen jeglichem religiösem Glauben gehandelt.

Papst Johannes Paul II. schrieb in einem Beileidtelegramm, Menschen weltweit "stehen für den Frieden und gegen den Terrorismus auf". EU-Kommissionspräsident Romano Prodi besuchte eine Synagoge in Mailand und sagte, derartige Taten seien "unvereinbar mit dem Wesen Europas". Israels Ministerpräsident Ariel Scharon bekundete seine "Trauer" und "Bestürzung". "Terroristen" hätten "kriminelle Akte gegen Unschuldige in Istanbul gerichtet".

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, hält Israel für mitverantwortlich für die Anschläge auf Synagogen in Israel. Er stellte in einer ersten Reaktion eine Verbindung zwischen dem Attentat und der Politik der israelischen Regierung her. "Die Verantwortung für all dies kommt der israelischen Politik zu, die das Recht und das internationale System missachtet", sagte Mussa am Samstag in Kairo. Es werde "viele Unfälle geben, solange die Verantwortlichen nicht erkennen, dass die israelische Politik gefährlich ist und dass es gefährlich ist, sie zu unterstützen." Die Anwendung von Gewalt gegen Zivilisten nannte Mussa "inakzeptabel".

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