Milliardär Soros spekuliert auf Abwahl des Präsidenten: Die „Bush-Blase“

Milliardär Soros spekuliert auf Abwahl des Präsidenten
Die „Bush-Blase“

Für jemanden, der die Welt retten will, ist George Soros ein ziemlich unscheinbarer Mann. Mit seinem gräulich-gelockten Haar und seiner gefalteten Denkerstirn wirkt er eher wie ein Intellektueller als wie ein milliardenschwerer Börsenspekulant. Schon gar nicht vermutet man in dem 73-Jährigen einen politischen Kreuzritter, der den mächtigsten Mann der Welt vom Thron stoßen will.

NEW YORK. Genau das hat Soros sich jedoch zu seiner Lebensaufgabe gemacht: die Abwahl von US- Präsident George W. Bush. „Das ist eine Frage von Leben und Tod“, sagte er kürzlich in einem Interview.

Am Montag startete Soros eine neue Attacke auf Bush und dessen Politik. In Washington stellte er sein neues Buch „The Bubble of American Supremacy“ vor. Zu deutsch: der Investor hält die amerikanische Vormachtstellung in der Welt für einen Trugschluss – ähnlich wie die „New Economy“ die Schimäre der Anleger während der Spekulationsblase der 90er Jahre gewesen sei.

Die geplatzten Börsenträume haben ein Milliardenvermögen vernichtet, die Bush-Blase hat nach Soros das Zeug dazu, den Globus ins Verderben zu stürzen. „Amerika unter Bush ist eine Gefahr für die Welt“, sagt der Finanzjongleur. Und er legt nach: Wenn Bush von Freiheit und Demokratie rede, meine er immer nur die US-Variante. Wenn der US-Präsident die Welt vor die Wahl stelle, entweder für oder gegen Amerika zu stehen, erinnere ihn das an Nazi-Deutschland.

Soros sieht die Welt heute in einer Extremsituation, weit entfernt von einem stabilen Gleichgewicht. Dafür seien weniger die Terroranschläge des 11. September 2001 verantwortlich als vielmehr die aggressive Reaktion der Bush-Administration auf eben diese Attacken. Für Soros versucht der US-Präsident unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung die Welt zu dominieren.

Der Testfall für die US-Außenpolitik sei der Irak. Der schnelle militärische Erfolg der USA könne welt-weit den Trugschluss noch verstärken, Amerika habe das Recht und die Möglichkeit, seine politischen Ziele mit Gewalt durchzusetzen. Dieser sich selbst verstärkende Trend sei mit der Bildung von Spekulationsblasen an den Börsen vergleichbar. Zur Erinnerung: Soros ist ein Spezialist solcher Ungleichgewichtszustände und hat in derartigen Situationen sein Vermögen verdient. Bush und seine Wahlkampfhelfer könnten den Angriff von Soros als fixe Idee eines irregeleiteten Spekulanten ad acta legen. Doch Soros lässt sich nicht als Spinner abtun. Er ist mit seinem Milliardenvermögen einer der reichsten Männer der Welt und gilt als einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten.

Er hat also das Geld und den Einfluss, seine Ziele zu erreichen. Und das macht ihn für Bush gefährlich. Als der Investor im vergangenen Jahr seine Attacke auf den Präsidenten startete, verband er das mit einer großzügigen Wahlkampfhilfe von mehr als 10 Mill. $ zur Abwahl Bushs. Dessen Republikaner reagierten umgehend: Zusammen mit der konservativen amerikanischen Presse werfen sie Soros vor, die demokratische Opposition mit unregulierten Wahlkampfspenden (soft money) für seine Zwecke zu „kaufen“. Den Investor ficht das nicht an. Er will die Welt retten. Statt einen Krieg gegen den Terror zu führen, sollten die USA nach Meinung von Soros eine kooperative Außenpolitik entwickeln, die die Ursachen des Terrorismus bekämpfe.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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