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Milliarden-Fonds: Westliche Hilfen für Taliban-Aussteiger

Die internationale Gemeinschaft will mit einem riesigen Finanzierungsfonds Taliban-Kämpfer in Afghanistan zur Aufgabe bewegen. Auf der Afghanistan-Konferenz in London soll dafür ein Fonds beschlossen werden. Die USA, Japan und Großbritannien stellen mehrere hundert Millionen Dollar bereit. Auch Deutschland will sich beteiligen.

US-Soldat in einem afghanischen Dorf. Die Macht der Taliban soll zurückgedrängt werden. Quelle: ap
US-Soldat in einem afghanischen Dorf. Die Macht der Taliban soll zurückgedrängt werden. Quelle: ap

Deutschland wird sich nach Informationen aus Regierungskreisen mit einem zweistelligen Millionenbetrag an dem Aussteiger-Programm beteiligen. Der genaue Beitrag soll zu Wochenbeginn auf dem Spitzentreffen im Kanzleramt beschlossen werden. Außenminister Guido Westerwelle und Entwicklungsminister Dirk Niebel (beide FDP) bestätigten am Sonntag, dass ein solches Programm geplant sei.

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Die afghanische Regierung drängt seit langem darauf, die Taliban nicht nur zu bekämpfen, sondern verstärkte Anstrengungen zu Reintegration von Mitläufern oder sogenannten „moderaten Taliban“ zu machen. Präsident Hamid Karsai hatte diesen Ansatz sowie direkte Kontakte zu der Taliban-Führung in der Ansprache zu Beginn seiner zweiten Amtszeit am 19. November als wichtigste Ziele seiner Regierung genannt und vergangene Woche in einem BBC-Interview erneut internationale Hilfe gefordert.

Vor allem die britischen Organisatoren der am Donnerstag beginnenden Afghanistan-Konferenz haben nun den Gedanken eines Fonds vorangetrieben. London hatte bereits 2007 in der umkämpften südafghanischen Provinz Helmand einen ähnlichen Versuch gestartet und mehrere hundert Kämpfer gegen das Angebot eines Arbeits- oder Ausbildungsplatzes zumindest zeitweise zur Aufgabe des Kampfes gebracht. Allerdings hatte damals Karsai auf Druck der Bush-Regierung den Versuch gestoppt und den verantwortlichen britischen Diplomaten sogar ausgewiesen. Seit dem Amtsantritt Obamas hat sich die US-Strategie jedoch radikal geändert, weil man nun einen Keil in die wachsende Gruppe von Taliban-Kämpfern treiben will. Die Nato schätzt die Zahl derzeit auf rund 30 000 Mann.

Hintergedanke des neuen Aussteiger-Programms ist, dass vor allem die Aussicht auf Jobs und Geld junge arbeitslose Afghanen in die Arme der Taliban treibt. In kleinerem Maßstab hat die afghanische Regierung bereits 2009 einige Taliban-Kämpfer auf ihre Seite gezogen. So sind in einigen Gegenden bereits Kämpfer islamistischer Gruppen oder Mitglieder von Warlord-Milizen auch in den afghanischen Polizeiapparat eingegliedert worden – auch im Norden, für dessen Sicherheit die Bundeswehr verantwortlich ist.

Die USA wollen für den Fonds offenbar zunächst bis zu 500 Millionen Dollar beisteuern. Zweitgrößter Finanzier wird Japan sein, das bereits in der Vergangenheit in Afghanistan Erfahrung mit groß angelegten Programmen etwa zur Entwaffnung gesammelt hatte. Verwaltet werden soll der Fonds wahrscheinlich gemeinsam von den afghanischen Behörden und einer Uno-Behörde wie etwa der UNDP.

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