Milliarden für Waffen und Atomkraft
Gaddafis umstrittene Einkaufstour in Paris

Kein anderes demokratisches Land hat dem libyschen Diktator Muammar al Gaddafi bisher einen derart herzlichen Empfang bereitet wie Frankreich. Der Schmusekurs von Staatspräsident Nicolas Sarkozy beschert der französischen Wirtschaft Milliardenverträge - und der Regierung einen handfesten Hauskrach.

PARIS. Seine Leibgarde besteht aus „40 Amazonen und ihren Lakaien“. Sein Gefolge umfasst 400 Menschen, die in fünf Flugzeugen anreisen. Er bringt nicht nur gepanzerte Fahrzeuge mit, sondern auch ein paar Kamele – zur Sicherheit.

Dichtung oder Wahrheit? Das weiß in Paris niemand so genau am ersten Besuchstag des libyschen Revolutionsführers Muammar al Gaddafi. Um die Visite ranken sich zahlreiche Geschichten und zumindest eine davon ist offiziell bestätigt. Die französische Regierung hat tatsächlich in unmittelbarer Nähe des Elysée-Palastes ein Beduinenzelt aufgebaut für den Gast aus Nordafrika. „Ich glaube nicht, dass Oberst Gaddafi darin schläft, doch er wird dort seine Gäste empfangen, wie es der Wüstentradition entspricht“, verriet der Sprecher des französischen Staatspräsidenten, wobei er keine Miene verzog.

Nicolas Sarkozy hatte dem libyschen Staatschef noch am Wochenende am Rand des EU-Afrika-Gipfels versichert, wie „glücklich“ er sei über dessen bevorstehenden Besuch. Montag nachmittag war es soweit: Der in eine ockerfarbene Toga gehüllte Gaddafi entstieg im Hof des Elysée-Palastes einer weißen Luxuslimousine, während Sarkozy schon auf der Freitreppe wartete. Erstmals seit 34 Jahren empfing ein französischer Präsident den Mann, der wegen seiner Beteiligung an diversen Terroranschlägen im Westen jahrzehntelang persona non grata war.

Seit Gaddafi 2003 auf die Atombombe verzichtete und den Familien von Terroropfern Entschädigung zahlte, ist er aber wieder salonfähig geworden. Viele westliche Staats- und Regierungschefs waren seither zu Gast in Tripolis und haben mit dem „Operettentyrannen“ („Le Figaro“) in seinem Wüstenzelt Tee getrunken, darunter auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder.

Doch kein anderes demokratisches Land hat dem 65-jährigen Diktator bisher einen derart herzlichen Empfang bereitet wie Frankreich - für die linke Opposition im Landes ein gefundenes Fressen. „Widerlich“, empörte sich Ségolène Royal, die unterlegene Ex-Präsidentschaftskandidatin der Sozialisten. Sarkozy hofiere einen Mann, „der sich immer noch nicht klar vom Terrorismus distanziert hat“, schimpfte der sozialistische Parteichef Francois Hollande. In der Tat hatte Gaddafi noch unmittelbar vor seiner Abreise nach Frankreich Öl ins Feuer gegossen. Es sei „normal“, dass „die Schwachen auf Terrorismus zurückgreifen“, um sich gegen die „Supermächte“ zu wehren, verkündete der Oberst in Lissabon beim EU-Afrika-Gipfel. Seinem Gastgeber in Paris hat er damit keinen Gefallen getan.

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