Milliardenabflüsse
Steuerfrieden mit Deutschland trifft Schweizer Banken

Finanzexperten und Politiker der Schweiz befürchten nach der Steuereinigung ihres Landes mit Deutschland Milliardenabflüsse besonders von kleinen Banken. Den Finanzhäusern könnten zudem Kommissionen und Gebühren entgehen.
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HB ZÜRICH. Das berichtete die „Neue Zürcher Zeitung“ am Dienstag. Beide Länder hatten Ende Oktober Verhandlungen vereinbart, um bisher nicht versteuertes deutsches Geld auf Konten Schweizer Banken zu legalisieren. Es geht dabei um Milliarden-Altvermögen. Für künftige Erträge soll es eine Abgeltungsteuer geben.

Die einflussreiche außenpolitische Kommission der zweiten Kammer des Schweizer Parlaments, des Ständerates, lehnte am Montagabend eine von Deutschland geforderte Ausweitung der Amtshilfe bei Steuerhinterziehung ab. Die Schweiz hatte sich bereit gezeigt, über den OECD-Standard hinauszugehen. Deutsche Steuerbehörden könnten demnach Amtshilfegesuche stellen, die den Namen des Kunden, nicht aber jenen der Bank enthalten.

Wie die „NZZ“ berichtet, könnten nach Schätzungen bei einer Einigung zwischen Deutschland und der Schweiz sowie mit Großbritannien Kunden bis zu 200 Mrd. Franken (fast 150 Mrd Euro) von Schweizer Banken abziehen. Den Finanzhäusern würden zudem Kommissionen und Gebühren entgehen. Die Kunden könnten ihre Gelder in Schließfächern bunkern, um der Steuer zu entgehen. Schweizer Politiker und Banker könnten sich nicht in ausländische Bankkunden hineindenken und hätten über die Einigung mit Deutschland und Großbritannien „viel zu früh gejubelt“, wird etwa der Parlamentarier Hans Kaufmann von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) zitiert.

Josef Marbacher, Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz, sieht einen starken Anreiz für die betroffenen Kunden, der Abgeltungssteuer auszuweichen. Diese könne viele von ihnen teuer zu stehen kommen. Er erwartet aber nicht, dass die Schweiz einer materiell bedeutungsvollen Abgeltungssteuer zustimmt. Kaufmann geht davon aus, dass mögliche Abzüge von Geldern vor allem kleinere und lokale Banken treffen dürften - beispielsweise im deutsch- schweizerischen Grenzgebiet. Solche Finanzhäuser verdienten an den Depotgebühren und billigen Kundengeldern von deutschen Kunden.

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