Milliardenaufträge
Russland und Indien besiegeln Nuklearpakt

Bis 2030 will Indien 100 Milliarden Dollar in seine Nuklearkapazitäten investieren. Russland soll Indien Uran liefern und auch neue Atomreaktoren bauen. Ein ähnlicher Deal mit den USA war in letzter Minute gescheitert. Von dem Milliadenauftrag für die russische Rosatom könnte auch Siemens profitieren.
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NEU-DELHI. Im Wettlauf um Milliardenaufträge aus Indiens zivilem Nuklearpro-gramm hat sich Russland einen entscheidenden Vorteil gegenüber den USA verschafft. Moskau garantiert Indien die fortdauernde Lieferung von Uran selbst für den Fall einer Beendigung der atomaren Zusammenarbeit der beiden Staaten. Im Gegenzug kauft Indien mindestens vier russische Atomreaktoren und gewährt die Option auf weitere Lieferungen. Das ist der Kern eines Nuklearabkommens, das Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh und Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew gestern in Moskau unterzeichneten.

Pakt mit den USA war gescheitert

Vor zwei Wochen war ein ähnlicher Pakt zwischen Singh und US-Präsident Barack Obama in letzter Minute gescheitert, weil die USA die von Indien geforderten weit reichenden Liefergarantien nicht geben wollten. Die USA wollten sich in diesem Fall das Recht vorbehalten, bereits geliefertes Uran und Nukleartechnologie zurückfordern zu können. Russland verzichtet auf diese von Neu Delhi Option - und geht sogar noch einen Schritt weiter. Indischen Diplomaten zufolge erlaubt Moskau Indien die Wiederaufarbeitung ausgebrannter Brennstäbe in allen russischen Reaktoren sowie die Anreicherung des gelieferten Urans im Rahmen bestimmter Grenzen.

Für Indien ist Liefersicherheit von hoher Bedeutung, da es selbst nur über geringe Uranvorkommen minderer Qualität verfügt. Medwe-djews Zusicherungen sind politisch heikel, da die Atommacht Indien den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet hat. Dass Indien nach Jahrzehnten der Isolation seit diesem Jahr trotzdem mit Uran und ziviler Nukleartechnologie beliefert werden darf, verdankt es den USA. Obamas Vorgänger George W. Bush hatte mit Singh 2005 ein entsprechendes Abkommen ausgehandelt und dafür auch grünes Licht von den 45 Nuklearmaterial-Exportländer bekommen. Doch US-Kraftwerkskonzerne wie General Electric und Westinghouse können bisher von dem Deal nicht profitieren. Es fehlt nämlich noch ein Zusatzabkommen zwischen Washington und Neu-Delhi über Regeln für die Lieferung und Wiederaufarbeitung amerikanischen Urans.

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