Milliardeninvestitionen: Die Rüstungsindustrie kennt keine Krise

Milliardeninvestitionen
Die Rüstungsindustrie kennt keine Krise

Auch wenn deutsche Waffenbauer schwächeln - die Geschäfte der Rüstungsindustrie laufen weiter auf Hochtouren. Mit der Staatsschuldenkrise haben sich nur die Absatzmärkte verschoben. Und zwar in die Schwellenländer.
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München/FrankfurtObwohl zahlreiche westliche Staaten unter ihrer hohen Schuldenlast ächzen, legten die Geschäfte der Rüstungsindustrie weltweit zu. Das teilte das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri am Montag in seinem Jahresbericht für 2010 mit. Demnach stieg der Umsatz der 100 größten Rüstungskonzerne um ein Prozent auf umgerechnet 310 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr hat sich das Wachstum der Branche demnach aber deutlich verlangsamt, 2009 konnten die Waffenlieferanten noch ein Plus von acht Prozent verzeichnen.

Die Verkäufe blieben nach Angaben der Sipri-Waffenexpertin Susan Jackson trotz der Wirtschaftskrise weitgehend stabil, weil es sich in diesem Industriezweig um langfristige Produktionsabläufe handelt. Auch bei den Käufern - hauptsächlich Regierungen - sowie bei den Zulieferern ändere sich nur wenig.

Die Liste der weltweit umsatzstärksten Rüstungsunternehmen wird weiterhin von den US-Konzernen dominiert. An der Spitze steht laut Sipri das US-Unternehmen Lockheed Martin, das 2010 Rüstungsgüter im Wert von 35,7 Milliarden Dollar verkaufte. Insgesamt sind 44 Unternehmen der Sipri-Liste in den USA angesiedelt. Auf sie entfallen mehr als 60 Prozent aller Einnahmen aus Waffenverkäufen. 30 Unternehmen kommen aus Westeuropa, sie steuern immerhin 29 Prozent aller Lieferungen bei.

Das europäische Gemeinschaftsunternehmen EADS landete mit Waffenverkäufen im Wert von 16,4 Milliarden Dollar wieder auf Rang sieben, der Rüstungsanteil betrug 27 Prozent. Stärkstes deutsches Unternehmen war wieder Rheinmetall. Mit Rüstungsverkäufen im Wert von knapp 2,7 Milliarden Dollar belegte der Autozulieferer und Rüstungskonzern mit Sitz in Düsseldorf Platz 31.

Weitere deutsche Unternehmen unter den Top-100 waren unter anderem ThyssenKrupp (56) und Diehl (63). Chinesische Rüstungskonzerne haben es nicht in die Liste geschafft, da die nötigen Daten nicht verfügbar waren.

Dennoch geht die Dynamik der Branche nicht mehr allein von den westlichen Industrien aus. Es sind vor allem die Schwellenländer, die mit ihren Aufrüstungsplänen für Großaufträge sorgen. So weckte Russlands Premier Wladimir Putin jüngst Erinnerungen an die Zeit der Sowjetunion, als er Armee-Investitionen von 575 Milliarden Euro ankündigte.

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Trend zu höheren Verteidigungsausgaben hält an

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  • Mittlerweile befinden wir uns nun aber im 21. Jh. und die Rüstungstechnologie hat, rein technologisch gesehen, enorme Fortschritte gemacht. Nun könnte ich versuchen über Präzisionsbomben, Marschflugkörper und vieles weitere zu philosophieren. Meiner Meinung nach ist Krieg dadurch unblutiger, weniger tötlich und "humaner" geworden. Ich benutze das Wort "human" bewusst, da Krieg etwas schlechtes aber trotzdem menschliches ist.
    Das Entscheidene allerdings ist eine andere Entwicklung. Die Fortschritte bei der Rüstungstechnologie und der Schlagkraft unserer Streitkräfte hat ein erschreckendes Vernichtungspotential hervorgebracht. Dadurch wurde das Handeln verantwortungsvoller. -> positiv

  • Ich habe auf eine Bewertung aufgrund der Kommentarlänge und eines über das Thema hinausgehender Diskussion verzichtet. Da anscheinend aber Interesse besteht werde ich dies nachholen.

    Sie haben Recht mit Ihrer Aussage, dass sich der Krieg in seinem Wesen nicht entwickelt hat. Entwickelt hat sich lediglich die Art und weiße sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen und um diesen "Fortschritt" in der Kriegsführung wie gefordert zu bewerten muss ich etwas ausholen. Seit jeher ging es im Krieg nicht darum Konflikte zu schlichten, sondern sich in die Position zu bringen den Konflikt im eigenen Sinne zu lösen. Die Geschichte ist voll von diesen großartigen "Friedensverträgen", die unschlichtbare Konflikte auslösten und durch einen weiteren Waffengang der beteiligten Parteien gelöst werden sollten. Zunächst wurden die Kriege durch Weiterentwicklungen blutiger und tötlicher. Das bewerte ich als negative Entwicklung. Der Höhepunkt wurde in der ersten Hälfte des 20. Jh. erreicht. Häufig fällt in diesem Zusammenhang der Begriff "Materialschlacht", aber es waren vor allem "Menschenschlachten". Bereits früh im Kriegsverlauf war z.B. der deutschen Generalität im 2. Weltkrieg klar, dass die bedeutende Zahlenmäßige Unterlegenheit bei wehrfähigen Männern höchstwahrscheinlich zur Niederlage führen würde.

  • Für mich ist der Kapitalismus in seiner Ausprägung als soziale Marktwirtschaft nach Ludwig Erhard und nicht in seiner heutigen Form der staatlichen Bevormundung die geeignetste Wirtschaftform bzw. Weltordnung.

    "Allgemein begreift man Kapitalismus als eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die auf Privateigentum an den Produktionsmitteln und einer Steuerung von Produktion und Konsum über den Markt beruht." (Wikipedia)

    Kapitalismus wird mittlerweile als teuflisch angesehen und darüber vergessen wir, dass dieses System sich im Laufe der als einziges Geschichte bewiesen hat. Kein anderes System hat jedem Einzelnen mehr Freiheit und Wohlstand beschehrt. Der Kommunismus und auch der Sozialismus endeten bis jetzt immer in der Unterdrückung der Massen durch eine gut situierte Führungskaste. Friedliebend ware diese Systeme auch nicht und man hatte immer den Eindruck, dass der Bürger zu seinem "Glück" gezwungen werden soll.

    Nennen Sie mir ein System, dass besser geeignet ist als die "Soziale Marktwirtschaft" erhardscher Prägung bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Natur des Menschens.

    PS: In Westeuropa sind die Militärausgaben und Armeegrößen rückläufig trotz des Festhaltens am Kapitalismus.

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