Milliardenschwere Wirtschaftsverträge
Gaddafi bestellt bei Frankreich-Besuch 21 Airbus

Beim ersten Frankreich-Besuch von Libyens Staatschef Muammar Gaddafi seit mehr als 30 Jahren haben beide Länder am Montag wie angekündigt milliardenschwere Wirtschaftsverträge unterzeichnet. Doch der Besuch ist nicht unumstritten – Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy muss sich von der Opposition schwere Vorwürfe gefallen lassen.

HB PARIS. Nach Angaben eines Mitarbeiters von Sarkozy bestellten libysche Fluggesellschaften insgesamt 21 Airbus-Flugzeuge. Demnach sollen sechs Maschinen des Großraumfliegers A350 an Afriqiyah Airlines gehen. Libyan Airlines orderte vier A350 und vier Flugzeuge des Typs A330 sowie sieben Maschinen der A320-Serie. Airbus zufolge wurde mit den Bestellungen eine Absichtserklärung besiegelt, die im Juni auf der Flugschau in Paris geschlossen wurde. Damals hatte es geheißen, das Geschäft mit Libyan Airlines alleine sei etwa zwei Mrd. Euro nach Listenpreis wert.

Auch bei der zivilen Nutzung der Atomenergie wollen Libyen und Frankreich kooperieren, wie das Präsidialamt in Paris mitteilte. Dafür sollten „ein oder mehrere“ Reaktoren zur Entsalzung von Meerwasser in das nordafrikanische Land geliefert werden. Aus Industriekreisen verlautete indes, eine konkrete Bestellung gebe es in diesem Bereich noch nicht. Bevor Sarkozy die libysche Delegation am Abend empfing, hatte er erklärt, es würden Wirtschaftsverträge im Gesamtwert von rund zehn Mrd. Euro unterzeichnet. Dabei sollte es auch um französische Kampfjets gehen.

Sarkozy hatte Gaddafi eingeladen, nachdem der libysche Staatschef im Juli fünf in seinem Land zum Tode verurteilte bulgarische Krankenschwestern und einen palästinensischen Arzt freigelassen hatte. Der Besuch des libyschen Staatschefs ist aber in Frankreich nicht unumstritten. Kritiker werfen Sarkozy vor, das Thema Menschenrechte zu vernachlässigen und sich zu sehr auf die Wirtschaftsbeziehungen zu konzentrieren.

Der französische Präsident wies diese Vorwürfe nach der Begegnung mit Gaddafi aber zurück. Es sei richtig, mit dem libyschen Staatschef zu sprechen, weil dieser den Terrorismus nicht mehr unterstütze und sich von Massenvernichtungswaffen verabschiedet habe. Daher müsse der Westen ihm auch die Hand reichen. Zudem habe er Gaddafi aufgefordert, beim Thema Menschenrechte mehr zu tun, betonte Sarkozy vor Reportern.

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