Milliardenverlust droht

Italien wehrt sich gegen Euro-Schummelvorwurf

Die Regierung in Rom räumt ein, in den 90er Jahren Währungswetten eingegangen zu sein. Mit dem Euro-Beitritt habe das aber nichts zu tun gehabt. Dennoch droht Italien nun ein heftiger Verlust - von Geld und Vertrauen.
Update: 26.06.2013 - 14:58 Uhr 51 Kommentare
Italienische Euro-Münze: Italien drohen Milliardenverluste aus einem Derivate-Geschäft. Quelle: dpa

Italienische Euro-Münze: Italien drohen Milliardenverluste aus einem Derivate-Geschäft.

(Foto: dpa)

MailandNach Berichten der „Financial Times“ (FT) und „La Repubblica“ droht Italien ein Verlust von mehreren Milliarden Euro. Die Zeitungen zitierten einem Bericht des italienischen Finanzministeriums zu Kreditgeschäften des Landes in der ersten Jahreshälfte 2012, demzufolge acht Derivate-Deals mit ausländischen Banken im Nennwert von insgesamt 31,7 Milliarden Euro umgeschichtet wurden. Dadurch konnten Zahlungen an die Banken über einen längeren Zeitraum gestreckt werden, aber zum Teil zu ungünstigen Bedingungen. Drei Experten hätten den möglichen Verlust auf acht Milliarden Euro geschätzt. „La Repubblica“ bezifferte das potenzielle Minus auf 8,1 Milliarden Euro.

Das italienische Finanzministerium bestätigte, dass es diese Derivate-Deals aus den neunziger Jahren gibt, sieht aber keine Gefahren für die Staatsfinanzen. Die Geschäfte dienten zur Absicherung gegen Risiken von Wechselkurs- und Zinsveränderungen, hieß es in einer am Mittwoch in Rom verbreiteten Mitteilung. So etwas sei immer mit Kosten verbunden, die aber durch den Schutz gegen weitaus höhere Verluste gerechtfertigt seien.

Empört weist die Regierung den Vorwurf zurück, sich durch solche Geschäfte 1999 in den Euro geschummelt zu haben: „Die Hypothese, dass Italien Ende der 90er Jahre Derivate genutzt haben könnte, um die erforderlichen Konditionen für den Beitritt zum Euro zu schaffen, ist absolut ohne jede Grundlage.“

Den Zeitungen zufolge stammen die Derivate-Verträge aus den 1990er-Jahren, als die italienische Regierung Vorauszahlungen von Banken verwendet habe, um die Defizit-Ziele der Europäischen Union zur Einführung des Euro zu erreichen. „In den 1990ern wurden viele Fehler gemacht, um Italien in den Euro hineinzubekommen und heute wandeln sie sich in höhere Schulden versteckt in offiziellen Konten“, zitierte „La Repubblica“ einen Regierungsvertreter. Das Finanzministerium war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Der Deal könnte auch ein schlechtes Licht auf EZB-Präsident Mario Draghi werfen. Denn der Notenbanker arbeitete bis 2002 als hoher Beamter im italienischen Finanzministerium, wechselte dann allerdings zu Goldman Sachs. Die „FT“ berichtet, er habe enge Beziehungen zum Leiter der Abteilung für Schulden und Defizitberechnung gehabt. Ein EZB-Sprecher wollte gegenüber der „FT“ keinen Kommentar abgeben.

  • rtr
  • dpa
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51 Kommentare zu "Milliardenverlust droht: Italien wehrt sich gegen Euro-Schummelvorwurf"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Eddie_the_Beagle
    Meinungsäußerung beim HB macht keinen Sinn mehr.
    Ich selbst lese kaum noch mit.

    "Eddie" mit seinen 20 Pseudonymen hat die Kommentarfunktion gekapert. Er führt Selbstgespräche, sobald sich niemand mehr auf seine widersprüchlichen Beiträge einlässt.

    Für HB scheint das ok, immerhin sorgt „Eddie“ für hohe Klickzahlen.

  • Zuerst informieren, dann kommentieren. Der geschäftsführende Direktor des ESM ist Klaus Regling, geboren in Lübeck. Je nach Auffassung ist dies aber tatsächlich tiefste italienische Provinz.

  • @Eddie

    Sie haben doch die ital. La Repubblica als quelle bemüht. Und im t-online.de Artikel wird La Repubblica auch zitiert.

    Nochmals für Sie:

    Zitatanfang: "In den 1990ern wurden viele Fehler gemacht, um Italien in den Euro hinein zu bekommen und heute wandeln sie sich in höhere Schulden versteckt in offiziellen Konten", zitierte "La Repubblica" einen
    Regierungsvertreter. Zitatende

    Sind Sie des Lesens mächtig? La Repubblica spricht hier von Verschieben von Lasten in die Zukunft. von "Absicherung" ist hier nicht die Rede.

    Und wo ist hier bitte Copy & Paste? Das ist eher Ihre Sttrategie. Sie pasten Ihre klassenkämpferische Textbausteine ohne Sinn und Zusammenhang bei beinahe allen Atrikeln zur Eurokrise zu jeder Tages- und Nachtzeit durch die Gegend. Entweder Sie sind ohne Beschäftigung, oder Sie werden für diesen Job bezahlt.

    Von der Materie haben haben Sie Null Ahnung. Mit zinsswaps läßt sich nicht die Volatilität der Lira absichern.

    Gute Besserung!

  • Wie in den Medien ueblich, wird einfach abgeschrieben - copy and paste. Mach ich jetzt auch, also habe ich jetzt Recht, oder? Oefters geaeusserte Luegen werden durch die Wiederholung nicht wahr... Im Uebrigen war sehr wohl bekannt, dass IT mit einer Gesamtverschuldung von 121,6 Prozent des BIP das EUR-Aufnahme-Kriteriums (60% des BIP) beiweitem ueberschritten hatte - da gab es daher auch gar nichts zu verheimlichen/vertuschen. Trotzdem wurde IT aus politischen Gruenden aufgenommen. (siehe Beitrag oben, Omarius 17:41 Uhr).

    Es waere eher unverantwortlich gewesen, haette IT diese Absicherungsgeschaefte nicht getaetigt, schliesslich war die Lira sehr volatil und die Zinsen haetten auch aufgrund der Haushaltslage/Verschuldung explodieren koennen, mit zumindest sehr hohen Kosten fuer den Steuerzahler.

  • Der ESM ist ein illegales Verbrechen und wer ist an der Spitze? Ein Italiener! Wie in einem schlechten Film wurde der Euro zum Lira-Euro und vernichtet stetig die Sparguthaben der Sparer und der Kapitallebensversicherungen.

    Die EUdSSR und die Fehlkonstruktion "Eurozone" ist das größte Stück Scheiße dieser Erde. Nur Betrug und Verbrechen.

  • @Eddie

    t-online.de berichtet Folgendes:
    (link http://www.t-online.de/wirtschaft/schuldenkrise/id_64188216/so-trickste-sich-italien-in-die-eurozone.html)

    -------------------------
    Rom senkte sein Defizit
    Den Zeitungen zufolge stammen die Derivate-Verträge aus den 1990er Jahren, als die italienische Regierung Vorauszahlungen von Banken verwendet habe, um die Defizit-Ziele der Europäischen Union zur Einführung des Euro zu erreichen.

    "In den 1990ern wurden viele Fehler gemacht, um Italien in den Euro hinein zu bekommen und heute wandeln sie sich in höhere Schulden versteckt in offiziellen Konten", zitierte "La Repubblica" einen Regierungsvertreter. Das Finanzministerium war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichen.
    -------------------------------

    Wissen Sie wie sowas funktioniert? Vermutlich nicht! Ich erkläre es Ihnen:

    Man - in diesem Fall Italien - vereinbart mit dem Derivatepartner, dass Italien in Zukunft einen höheren als am Markt quotierten Zinssatz an den Derivatepartner zahlt und im Gegenzug einen Wertausgleich für diesen Überzins sofort vom Derivatepartner ausgezahlt bekommt (ein sog. upfront). Somit hat man eine Entlastung des aktuellen Haushalts zu Lasten zukünftiger Haushalte. Das hat überhaupt nichts mit "Absicherung" zu tun, sondern ist schlichtweg bewußte Haushaltsschieberei.

    Eigentlich nicht sooo schwer zu verstehen, oder? also hören Sie doch mal endlich auf mit ihren frei erfundenen Rechtfertigungen, die jeglicher Grundlage entbehren.

  • @Eddie

    Die in die Zukunft transportierten Verluste wären italien 2012 auf die Füße gefallen. Deshalb hat man neue Swaps abgeschlossen, die diese Verluste und möglichrweise weitere Lasten erneut in die Zukunft transferieren. Und Sie reden von verantwortlichem Handeln?

    Die Sache stinkt zum Himmel. Draghi versucht deshalb ja auch die aktenoffenlegung zu verhindern. Warum wohl ist dieser Mafioso gegen Transparenz?

  • Italien wehrt sich gegen Euro_Schummelvorwurf

    Was erwartet man denn, dass Italien es zugibt vielleicht????
    Da kann man lange drauf warten. Natürlich streitet man es ab. Und natürlich hat man die Bilanzen geschönt, weil man den Euro wollte. Und natürlich wusste Draghi davon, wenn er Finanzdirektor bei der italienischen Zentralbank war.

    Was erwartet man von Draghi, dass er es zugibt und seinen Posten räumt? Vielleicht im nächsten Jahrtausend mal.

  • Wie in den Medien ueblich, hat die FAZ hier einfach abgeschrieben - copy and paste. Oefters geaeusserte Luegen werden durch die Wiederholung nicht wahr... Im Uebrigen war sehr wohl bekannt, dass IT mit einer Gesamtverschuldung von 121,6 Prozent des BIP das EUR-Aufnahme-Kriteriums (60% des BIP) beiweitem ueberschritten hatte - da gab es daher auch gar nichts zu verheimlichen/vertuschen. Trotzdem wurde IT aus politischen Gruenden aufgenommen. (siehe Beitrag oben, Omarius 17:41 Uhr).

    Es waere eher unverantwortlich gewesen, haette IT diese Absicherungsgeschaefte nicht getaetigt, schliesslich war die Lira sehr volatil und die Zinsen haetten auch aufgrund der Haushaltslage/Verschuldung explodieren koennen, mit zumindest sehr hohen Kosten fuer den Steuerzahler.

  • es war schon klar das IT heftig reformiern muss, als es im Euro beigetretten war, nur leider war seitdem Silvio Show und stillstand.... das ist der eigentliche skandal....

    und zur erinnerung es gab damals schon warner

    Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 13/230 vom 23.04.1998
    Seite: 21160

    Dr. Otto Graf Lambsdorff (F.D.P.): Ich will begründen, warum ich in der
    heutigen Schlußabstimmung nicht mit Ja votieren werde.
    Ich greife dabei zurück auf die Entschließung des Deutschen Bundestages
    vom 27. November 1992 und auf meine Reden in den Debatten zum
    Maastricht-Vertrag vom 13. Dezember 1991 und 8. Oktober 1992. Damals
    habe ich für Partei und Fraktion der F.D.P. und für mich selbst die
    Zustimmung zu einer einheitlichen europäischen Währung begründet. Ich
    habe die endgültige Zustimmung davon abhängig gemacht, daß die Kriterien
    des Vertrages strikt eingehalten werden und daß ihre Dauerhaftigkeit
    gesichert wird.
    Ich habe Zweifel, ob die Kriterien wirklich strikt eingehalten wurden.
    Stichwort: ,,Kreative Buchführung". Trotzdem könnte ich heute zustimmen.
    Die politischen Argumente sind gewichtig, die stabilitätspolitischen
    Erfolge im Vorlauf zum Euro beeindruckend. Gilt das auch für die
    ,,Nachhaltigkeit"? Leider nein. Hier liegt der Schlüssel für mein
    heutiges Votum.
    Schon am 8. Oktober 1992 habe ich von dieser Stelle aus die Teilnahme
    Italiens an der ersten Runde problematisiert. Der Bericht des
    Zentralbankrates bestätigt, daß mein Pessimismus berechtigt war. Mit
    einer Gesamtverschuldung von 121,6 Prozent des Bruttosozialproduktes
    kann von Einhaltung des Kriteriums keine Rede sein. Die Bedenken des
    Zentralbankrates gegen eine Teilnahme Italiens sind im Bericht klar
    formuliert. Die Tabelle über Budgetlücken zeigt: Es ist ausgeschlossen,
    daß Italien die Marke von 60 Prozent in den nächsten 10 bis 15 Jahren
    erreichen könnte. Dazu bedürfte es eines Budgetüberschusses von 8,2
    Prozent für einen Fünf-Jahreszeitraum oder von 2,2 Prozent für einen
    Zehn-Jahreszeitraum.

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