Millionärssteuer in Frankreich
Hollande droht Pleite mit Wahlkampfschlager

Im Wahlkampf gegen Ex-Präsident Sarkozy hat der neue Amtsinhaber Hollande mit einer satten 75-Prozent-Abgabe für Millionäre gepunktet. Doch diejenigen, die Hollande eigentlich treffen willen, leben in London.
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ParisDer Wahlkampfschlager von François Hollande – die Millionärssteuer von 75 Prozent – wird politisch zu einer schweren Hypothek für ihn. Die Superabgabe wird aller Voraussicht nach nur wenig Einnahmen bringen. Doch in Frankreich sorgt sie nicht nur bei den Reichen, sondern auch bei Unternehmen für Kopfzerbrechen: Sollte man bestimmte Geschäftsbereiche ins Ausland verlagern? Wird es in Zukunft schwieriger, Top-Kräfte aus dem Ausland anzuwerben? Und außerhalb Frankreichs „wirkt die Steuer wie ein großes rotes Schild: Vorsicht, Gefahr!“, sagt Berater Jeffrey Owens, der früher die Steuerabteilung in der OECD leitete.

In der französischen Industrie verdient kaum jemand mehr als eine Million Euro. Hinsichtlich des Finanzsektors mutmaßen die Medien allerdings seit Wochen, ob und, wenn ja, welche Bank einen Teil ihres Personals nach London, Zürich oder Singapur verlagern wird. Doch bei näherem Nachfragen ist nur zu hören, dass es keine Planungen dafür gebe, Händler oder Investment-Banker von Paris nach London zu versetzen.

Das hat wenig mit Patriotismus zu tun und viel damit, dass der größte Teil der sehr gut bezahlten französischen Bankexperten bereits in London arbeitet. Das in Paris verbliebene Personal kommt mit dem Gehalt samt Boni nicht in die Nähe des kritischen Wertes von einer Million, und lediglich die darüberliegenden Gehaltsbestandteile werden mit 75 Prozent besteuert werden.

Die Vorstände aber, die über eine Million Euro verdienen, können schlecht von Paris nach London umziehen. Mit einer Welle von Kapitalflucht wird ebenfalls nicht gerechnet: Der Steuerhammer soll keine Kapitaleinkünfte treffen. Die Besitzer großer Vermögen fluchen allerdings über die erhöhte Vermögensteuer, der sie jetzt aber nicht mehr ausweichen können.

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Hollandes Beamte feilen an gesichtswahrendem Gesetzesentwurf

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  • Das würde stimmen, wenn das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer noch im Rahmen des Normalen wäre.
    Das eigentliche Problem liegt aber dabei, dass die "Verdiener" der extremen Löhne die gleiche sind, die entscheiden, wie wenig die Leistung der Kleinverdiener bezahlt werden muss, ohne überhaupt das Verhältnis zwischen Nutzen und gerechte Bezahlung zu beachten.
    Der gerechte Lohn für jede Arbeit, sollte dem, der sie leistet, wenigstens erlauben davon zu leben. Das ist nicht mehr so.

  • ... Deutschland wird auch von Merkel regiert - die Dienerin der neuen EUdSSR ist. In Deutschland ist national ja schon ein Schimpfwort, gleichzusetzen mit Kleingeistigkeit. Deutschland wird von der Merkel-Gang vernichtet werden.

  • Zentral ist doch die Besteuerung der Vermögen und Vermögenseinkünfte! Die wirklich Reichen leben schmarotzend von ihrem Geld, welches in den echten Steueroasen (Cayman, City of London, Kanalinseln) sicher vor jedem staatlichen Zugriff ist.

    Es werden hier die unteren Bevölkerungsschichten gegen die oberen aufgehetzt - der Feind aber ist viel weiter oben. Nicht die Millionäre sind das Problem sondern die internationalen Multi-Milliardäre, dynastische Familien wie Rothschild und Rockefeller und einige dutzend mehr.

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