Millionen-Investition sorgt für Aufregung
Briten attackieren Anglo American wegen Simbabwe-Geschäft

Der simbabwische Oppositionsführer Morgan Tsvangirai hat vorübergehend die niederländische Botschaft in Harare verlassen, in die er am Sonntag geflüchtet war. Wütend kritisierte er die Tatenlosigkeit der afrikanischen Staaten. Und in Großbritannien könnte die Krise schon bald Folgen für große Unternehmen haben.

HB HARARE. In Simbabwe scheint sich Präsident Robert Mugabe an ein altes afrikanisches Sprichwort zu halten: Die Hunde bellen, doch die Karawane zieht weiter. Völlig unbeirrt von weltweiten Protesten hält er Kurs auf der Stichwahl am Freitag, bei der nur er allein als Kandidat antritt.

Entschlossen verfolgt der 84-Jährige sein Ziel, sich dadurch eine Pseudo-Legitimität für ein erneutes Mandat zu sichern. Doch nach 28 Jahren an der Macht überlagert zunehmend das Image des machtverliebten, brutalen Despoten das des einstigen Helden des Befreiungskrieges, mit dem er jahrelang seine afrikanischen Nachbarn zu beeindrucken verstand.

Der simbabwische Oppositionsführer Morgan Tsvangirai kritisierte die bisherige Reaktion der Uno auf die Krise. Er forderte den Einsatz von Uno-Friedenstruppen in seinem Land. Ein solcher Einsatz würde das Volk vom Regime trennen und einen Schutzschild über den demokratischen Prozess legen, nach dem Simbabwe sich so sehne, schrieb Tsvangirai in einem Gastbeitrag für die britische Zeitung "The Guardian".

"Wir bitten die Vereinten Nationen, weiter zu gehen als in ihrer jüngsten Resolution, in der die Gewalt in Simbabwe verurteilt wurde", erklärte Tsvangirai weiter. "Wir brauchen Truppen, um das Volk zu schützen." Die empörten Äußerungen der internationalen Gemeinschaft müssten gestützt werden von Soldaten. Den simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe bezeichnete der Politiker als "machtbesessenen Despoten", der sein Volk zur Geisel seines Größenwahns mache.

Scharfe Kritik übte Tsvangirai auch an dem südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki, der in dem Konflikt vermitteln soll. Mbekis Vorgehen "massiert einen geschlagenen Diktator, anstatt ihm die Tür zu weisen".

Der Oppositionsführer hat vorübergehend die niederländische Botschaft in Harare wieder verlassen, in die er am Sonntag geflüchtet war. Auf einer Pressekonferenz rief er die afrikanischen Führer auf, bei der Lösung der Krise zu helfen. Die Gewalt des Regimes von Präsident Robert Mugabe gegen seine Anhänger sei einem Krieg gleichgekommen, sagte Tsvangirai. Er bekräftigte, er werde am Freitag nicht an der Stichwahl um das Präsidentenamt teilnehmen.

In London waren zuvor Pläne des Verteidigungsministeriums zu einem möglichen Eingreifen in Simbabwe bekanntgeworden. Die Zeitung "The Times" hatte über zwei Pläne berichtet. In einem Fall sollten britische Truppen eingesetzt werden, um angesichts der humanitäre Krise im Land Nothilfe zu leisten, der zweite Plan sah einen Einsatz zur Evakuierung britischer Staatsbürger vor. Die Regierung betonte jedoch, es sei kein militärisches Eingreifen in Simbabwe geplant. Es handle sich nur um Notfallpläne.

Kritik an Anglo-American-Geschäft

Premierminister Gordon Brown sprach sich indes für schärfere Sanktionen gegen das Mugabe-Regime aus. Die Regierung in London bereite zusätzliche Strafmaßnahmen gegen Vertreter der Regierung von Präsident Robert Mugabe vor, sagte Brown vor dem Unterhaus in London. Dazu gehörten Reise- und finanzielle Beschränkungen. Der Regierungschef rief zudem dazu auf, dass Firmen nicht in dem südafrikanischen Land investieren sollten.

Die britische Zeitung "Times" hatte berichtet, der Bergbau-Konzern Anglo American wolle 200 Millionen Pfund (rund 253 Millionen Euro) für ein Projekt in Simbabwe aufwenden. Das wäre die größte ausländische Investition in dem von Konflikten zwischen Regierung und Opposition zerrissenen Land. Der Konzern Anglo American mit Sitz in London plant den Bau einer Platin-Mine in Unki im Innern des Landes. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte: "Wir entwickeln das Unki-Platin-Projekt, weil wir Verantwortung tragen gegenüber unseren Arbeitnehmern, Vertragspartnern und der örtlichen Gemeinschaft. Wir behalten die Situation in Simbabwe im Auge." Das Unternehmen verstoße damit weder gegen bestehende Gesetze noch gegen Sanktionsbestimmungen.

Die Pläne von Anglo American stießen bei britischen Politikern auf scharfe Kritik. Eine solche Investition stütze Mugabe und die Kader seiner Zanu(PF)-Partei. Außenminister David Miliband sagte: "Ich verurteile alles, was die Zanu(PF)-Führer unterstützt, ob finanziell oder moralisch." Der außenpolitische Sprecher der konservativen Tories, William Hague, sagte: "Keine britische oder internationale Firma sollte in irgendeiner Weise daran mitwirken, das Regime zu unterstützen, weder mit Investitionen noch mit irgendeiner Art von Geschäftsbeziehungen."

Cricket-Team darf nicht einreisen

Auch auf sportlicher Ebene will die britische Regierung Härte zeigen: Das Cricket-Team Simbabwes dürfe nicht nach Großbritannien einreisen, schrieb Sportminister Andy Burham an den nationalen Cricket-Verband. Das bedeutet, dass etliche Test-Spiele abgesagt werden müssen und Simbabwe auch nicht an der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in England teilnehmen kann.

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