Mindestens 1 500 Tote bei Kämpfen in Südossetien
Georgien meldet Luftangriffe auf Tiflis

Die Kämpfe in der abtrünnigen georgischen Region Südossetien haben nach Angaben des russischen Außenministeriums bislang mindestens 1 500 Menschen das Leben gekostet. Die Gefechte in der abtrünnigen Region dauern weiter an. Georgien meldet russische Luftangriffe nahe der Hauptstadt Tiflis.

HB MOSKAU/TIFLIS. Die Zahl der Opfer steige weiter, erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Samstag. Der am Freitag eskalierte Konflikt verschärfte sich in der Nacht erneut: Georgien berichtete von russischen Luftangriffen auf einen Militärstützpunkt nahe der Hauptstadt Tiflis und auf zwei weitere Stützpunkte. Georgische Artillerie beschoss die südossetische Hauptstadt Zchinwali schwer, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete.

Die russische Luftwaffe habe außerdem Anlagen für den Transport von Rohöl in den Westen angegriffen, sagte ein Sprecher des georgischen Innenministeriums, Schota Utijaschwili. Es habe offenbar zahlreiche Opfer und beträchtliche Schäden gegeben. Die Hafenstadt Poti am Schwarzen Meer wurde dem Sprecher zufolge von Kampfflugzeugen bombardiert. In Poti gibt es eine große Ölverladestation. Auch in der Umgebung der wichtigen Ölpipeline Baku-Tiflis-Ceyhan seien Bomben eingeschlagen.

Der Konflikt um Südossetien war am Freitag eskaliert. Eine georgische Offensive gegen die abtrünnige Region hat ein Eingreifen Russlands ausgelöst und den Kaukasus an den Rand eines Krieges gebracht. Nach dem Einmarsch georgischer Truppen schickte Russland Panzer nach Südossetien, und die russische Luftwaffe bombardierte nach Angaben des Tifliser Außenministeriums georgische Stützpunkte. Augenzeugen sprachen von hunderten Toten und Verletzten bei den Kämpfen, zudem wurden hunderte Zivilpersonen in die Flucht getrieben.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew erklärte am Samstag, die russischen Truppen in Südossetien sollten Georgien zu einer Waffenruhe zwingen. Die Soldaten seien zudem zum Schutz von Zivilpersonen in der Region stationiert worden, sagte Medwedew.

Erneut keine Einigung im Weltsicherheitsrat

Der UN-Sicherheitsrat kam unterdessen auch in einer zweiten Dringlichkeitssitzung binnen weniger Stunden zu dem eskalierenden Konflikt nicht zu einem Ergebnis. Die Beratungen sollen am (heutigen) Samstag in New York fortgesetzt werden.

Auf der von Georgien beantragten zweiten Sondersitzung war es zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen den UN-Botschaftern Georgiens und Russlands gekommen. Eine erste von Russland beantragte Sitzung am Donnerstagabend (Ortszeit) war ebenfalls ergebnislos geblieben. Der Rat hatte einen russischen Resolutionsentwurf verworfen, weil darin als Konfliktparteien lediglich Georgien und Südossetien, nicht aber auch Russland benannt wurden.

Die internationale Gemeinschaft ermahnte Georgien und Russland, den Konflikt friedlich beizulegen. Der amerikanische UN-Botschafter Zalmay Khalilzad sagte, die USA seien sehr besorgt über die Entwicklung. Der russische UN-Botschafter Tschurkin vermied eine eindeutige Antwort. Belgien, das derzeit den Vorsitz im Sicherheitsrat innehat, bemüht sich um eine Erklärung, in der das UN-Gremium ein Ende der Kämpfe fordert und die unverzügliche Wiederherstellung des Status quo, wie er vor Ausbruch der Kämpfe herrschte.

Südossetien hat sich 1992 von Georgien abgespalten und ist seither de facto unabhängig. International gilt die Region jedoch als Teil Georgiens.

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