Mindestens 40 Tote bei Bombenanschlag
Terrorangst in Russland wächst

Nach dem Autobombenanschlag auf ein russisches Lazarett mit mehr als 40 Toten werden in Russland weitere Terrorakte im Vorfeld der kommenden Tschetschenien-Wahlen befürchtet. Präsident Wladimir Putin beriet am Samstag in Moskau mit den Spitzen von Inlandsgeheimdienst FSB und Generalstaatsanwaltschaft, während Verteidigungsminister Sergej Iwanow die Rettungsarbeiten in Mosdok in Nord-Ossetien beaufsichtigte.

HB/dpa MOSKAU. Mehr als 50 zum Teil schwer verletzte Opfer des Anschlags wurden in Krankenhäusern behandelt. Die Polizei in Moskau und im Nordkaukasus verstärkte ihre Sicherheitsmaßnahmen. Am Freitag hatte ein mutmaßlicher tschetschenischer Selbstmordattentäter am Militärkrankenhaus von Mosdok einen Lastwagen mit geschätzt einer Tonne Sprengstoff zur Explosion gebracht.

Bis zum Samstagabend bargen Retter 41 Leichen aus dem zerstörten Gebäude. „Die Retter geben die Hoffnung nicht auf, noch Überlebende zu finden“, sagte ein Zivilschutzsprecher in Moskau. Iwanow enthob den Garnisonskommandanten von Mosdok seines Postens wegen Verstößen gegen die Sicherheitsregeln. Bei Kämpfen in Tschetschenien tötete die russische Armee nach eigenen Angaben mehr als zehn Rebellen.

Vor der für den 5. Oktober angesetzten Präsidenten-Wahl in Tschetschenien werde es noch mehr Terrorakte geben, befürchtete der liberale Politiker Boris Nemzow. „Die Serie der Anschläge wird nicht abreißen, solange das Problem Tschetscheniens nicht grundlegend gelöst ist“, sagte er der Agentur Interfax. Niemand solle sich zum Kandidaten bei dieser Wahl aufstellen lassen, „der nicht einen überzeugenden Lösungsvorschlag hat, einschließlich eines Plans für einen inner-tschetschenischen Dialog“, forderte Nemzow.

Der Kreml verfolgt die Strategie, den seit vier Jahren andauernden Konflikt durch die März angenommene neue Verfassung der Teilrepublik und die Wahl eines Präsidenten zu befrieden. Dabei werden die Separatisten um den früheren Präsidenten Aslan Maschadow völlig von einer Lösung ausgeschlossen.

„Mit den Sponsoren des Terrors kann man nicht in Diplomatensprache reden“, sagte der Moskau-treue Verwaltungschef von Tschetschenien, Achmat Kadyrow. Er gilt als aussichtsreichster Kandidat für die Wahlen und genießt nach Einschätzung der russischen Presse auch die Unterstützung des Kremls.

In Moskau patrouilliert die Polizei bereits seit Anfang Juli verstärkt, nachdem zwei tschetschenische Terroristinnen bei einem Rockkonzert etwa 15 Menschen in den Tod gerissen hatten. Der Zugang zum Kreml und dem Roten Platz ist gesperrt. Insgesamt sind bei Selbstmordattentaten tschetschenischer Extremisten seit Ende 2002 mehrere hundert Soldaten und Zivilisten getötet worden.

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