Mindestens 66 Tote
Bombenserie erschüttert Irak

Bei mehreren Bombenanschlägen und Angriffen sind in Iraks Hauptstadt und weiteren Orten mindestens 66 Menschen ums Leben gekommen. Anlass ist offenbar ein religiöser Feiertag.
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BagdadSechs Monate nach dem Abzug der US-Soldaten aus dem Irak hat eine der blutigsten Anschlagsserien auf Schiiten das politisch fragile Land erschüttert. Bei zahlreichen offenbar koordinierten Explosionen in der Gegend von Bagdad und Hilla kamen mindestens 66 Menschen ums Leben, mehr als 200 wurden verletzt, wie Behördenvertreter am Mittwoch mitteilten. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die Gewalt auf das Schärfste.

Es war bereits die dritte Anschlagsserie gegen Schiiten in dieser Woche. Niemand bekannte sich zunächst zu den Taten. Sie trugen jedoch die Handschrift von sunnitischen Aufständischen, die in der Vergangenheit wiederholt Anschläge auf Schiiten verübt hatten.

Ziel von 14 der 16 Explosionen waren den Angaben zufolge schiitische Pilger, die auf dem Weg zum Grabmal des Imams Mussa al Kadhim aus dem 8. Jahrhundert waren. Er gehört zu den zwölf wichtigsten Heiligen der Schiiten und ist in einem Schrein in Bagdad beigesetzt. Allein bei der Explosion von zwei Autobomben in der Stadt Hilla südlich von Bagdad kamen laut Polizei 21 Menschen ums Leben, 53 wurden verletzt. Bei vier weiteren Detonationen in verschiedenen Teilen der Hauptstadt wurden den Angaben zufolge mindestens 25 Menschen getötet und 70 verletzt.

Die Anschlagsserie war die tödlichste im Irak seit dem 5. Januar, als bei einer Reihe von ebenfalls gegen Schiiten gerichteten Bombenanschlägen in Bagdad und am Rande der Stadt Nasirija im Süden des Landes 78 Menschen ums Leben kamen.

Bundesregierung ruft zu Frieden und Demokratie auf

Deutschland verurteilte die offenbar religiös motivierte Gewalt. Außenminister Westerwelle erklärte, der Weg des nationalen Ausgleichs und des Dialogs sei für die weitere Entwicklung Iraks unverzichtbar. Die Bundesregierung appelliere deshalb an die politisch Verantwortlichen im Irak, die schwelende Regierungskrise zu beenden und gemeinsam für eine friedliche und demokratische Entwicklung zu arbeiten.

Ein Sprecher der Militärführung in Bagdad sagte, die Anschläge hätten zum Ziel, die Gewalt zwischen Anhängern der beiden Glaubensrichtungen wieder aufflammen zu lassen, doch "die Iraker durchschauen die terroristische Agenda und werden nicht in einen religiös motivierten Konflikt abgleiten".

Die Welle der Gewalt im Irak ist seit den Unruhejahren 2006 und 2007 drastisch abgeflaut, als der ethnisch-religiöse Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten in einen Bürgerkrieg abzugleiten drohte. Doch seit dem Abzug der US-Truppen Mitte Dezember haben die Spannungen wieder deutlich zugenommen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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