Mindestens 70 Tote bei Anschlägen: Gewalt im Irak erreicht neuen Höhepunkt

Mindestens 70 Tote bei Anschlägen
Gewalt im Irak erreicht neuen Höhepunkt

Der Irak hat am Donnerstag einen der blutigsten Tage der jüngeren vergangenheit erlebt: Zwei Selbstmordattentäter rissen im irakischen Hilla 61 Menschen mit in den Tod. 150 Menschen wurden verletzt, als die beiden Täter die Sprengsätze auf einem belebten Markt in der überwiegend von Schiiten bewohnten Stadt zündeten. In Bagdad kamen zudem elf Menschen durch Bombenanschläge und Granatenangriffe ums Leben.

HB BAGDAD. Damit setzte sich die Gewalt auch zu Beginn des Februar in dramatischer Weise fort, nachdem im Januar im Irak so viele Menschen wie in noch keinem Monat zuvor durch Gewalttaten ums Leben gekommen waren. Das Innenministerium in Bagdad nannte die Zahl von 1971 Toten in Folge von „Terror“. Im Dezember waren es 1930 gewesen. Die Vereinten Nationen, die auch die Toten im Bagdader Leichenhaus zählen, gaben die zivilen Opfer im Dezember sogar mit 2914 an. Die irakische Regierung weist diese Zahl aber als überhöht zurück. Der erste Täter in Hilla zündete seine Bombe, als die Polizei ihn vor dem Marktplatz durchsuchen wollte. Wenig später sprengte sich ein zweiter Täter in einem Lastwagen in die Luft. Hilla ist ein Brennpunkt der Gewalt zwischen den muslimischen Religionsgruppen. Die Stadt liegt 100 Kilometer südlich von Bagdad in einer sunnitisch geprägten Gegend. Bei einem Selbstmordanschlag vor zwei Jahren wurden dort 125 Menschen getötet.

Im Bagdader Viertel Karrada sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einem Minibus in die Luft und tötete sechs Menschen. In Rusafi, einer belebten Einkaufsgegend der Hauptstadt, kamen durch eine Autobombe drei Menschen ums Leben. Im überwiegend von Sunniten bewohnten Viertel Adhamija schlugen zahlreiche Mörsergranaten ein. Zwei Menschen starben. Zudem fand die Polizei 30 Leichen, die von Unbekannten zurückgelassen wurden.

Die US-Regierung bekräftigte unterdessen ihren Vorwurf an den Iran, schiitische Extremisten vor allem im Süden des Iraks zu unterstützen. „Sie haben britische Soldaten bei Basra angegriffen und haben jetzt begonnen, solche Operationen im ganzen Land auszuführen, zumindest auch im Großraum Bagdad“, sagte der stellvertretende US-Außenminister Nicholas Burns in Washington.

Al-Maliki warnt USA und Iran

Unterdessen forderte Ministerpräsident Nuri Al-Maliki die USA und den Iran auf, ihre Differenzen nicht auf dem Rücken seines Landes auszutragen. Die Führungen in Teheran und Washington sollten ihre Probleme außerhalb des Iraks lösen, sagte al-Maliki am Mittwoch (Ortszeit) dem US-Nachrichtender CNN. Der Irak sei nicht das Kampffeld für einen Stellvertreterkrieg und habe nichts mit den Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran zu tun.

In Washington wies der abgelöste US-Oberkommandierende im Irak, George Casey, den Vorwurf einer gescheiterten Irak-Politik zurück. Anders als Verteidigungsminister Robert Gates sei er nicht der Ansicht, dass die frühere Strategie im Irak gescheitert sei, sagte Casey vor dem Streitkräfteausschuss des Senats. Der General räumte aber ein, dass die Iraker mangelndes Vertrauen in ihre Sicherheitskräfte hätten und die Situation im Zentrum des Iraks und vor allem in der Hauptstadt Bagdad schlecht sei.

China kritisierte das Vorgehen von US-Präsident George W. Bush im Anti-Terror-Kampf mit ungewöhnlich scharfen Worten. Die USA sollten ihren politischen Alleingang beenden und die religiöse Vielfalt respektieren, schrieb der Direktor von Chinas Religionsbehörde in der amtlichen „Volkszeitung“. China gilt als Unterstützer des von Bush ausgerufenen Anti-Terror-Kampfes. Menschenrechtsgruppen zufolge nimmt China dies aber als Vorwand, um gegen eine moslemische Minderheit im eigenen Land vorzugehen.

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