Mindestens elf Verletzte
Israel: Vier Tote bei zwei Selbstmordanschlägen

Zwei palästinensische Selbstmordattentäter haben am Dienstag bei Anschlägen in Israel und im Westjordanland zwei Israelis mit sich in den Tod gerissen und damit die vor sechs Wochen ausgerufene Waffenruhe schwer erschüttert.

HB/dpa TEL AVIV/NABLUS. Bei den Anschlägen in einem Supermarkt in Rosch Ha'Ain östlich von Tel Aviv und an einer Bushaltestelle nahe der Siedlerstadt Ariel wurden mehr als zehn Menschen verletzt. Zum ersten Attentat bekannte sich die radikale Fatah-Splittergruppe Al-Aksa-Brigaden, zum zweiten die Hamas- Bewegung.

Israel stoppte nach den Attentaten die Freilassung von 69 palästinensischen Häftlingen, die für Dienstag vorgesehen war. Ein Sprecher deutete das vorläufige Ende aller Erleichterungen für die palästinensische Bevölkerung an. Es waren die ersten gezielten Selbstmordanschläge gegen Israelis seit der Ausrufung einer einseitigen Waffenruhe durch palästinensische Extremistengruppen am 29. Juni.

Am Morgen hatte sich zunächst ein junger Palästinenser in einem Supermarkt in der Stadt Rosch Ha'Ain nahe dem Westjordanland mit einer in einem Rucksack versteckten Bombe in die Luft gesprengt. Er riss einen Israeli mit sich in den Tod und verletzte zehn weitere. Nur eine Stunde später zündete ein weiterer Palästinenser einen Sprengsatz an einer Bushaltestelle am Eingang der Siedlerstadt Ariel im palästinensischen Westjordanland. Ein junger Israeli kam dabei ums Leben und drei weitere wurden verletzt. Ein Palästinenser, der einen oder beide Attentäter an den Anschlagsort gefahren haben soll, wurde nach stundenlanger Fahndung durch die Polizei festgenommen.

Der Sprecher der radikalen Hamas-Organisation, Abdel Asis Rantisi rechtfertigte die Taten mit der „militärischen Eskalation Israels gegen die Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen“. Hamas hatte Racheanschläge auf Israelis angekündigt, nachdem bei einer Militäraktion in Nablus am vergangenen Freitag vier Palästinenser getötet worden waren.

Der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas verurteilte die neuen Anschläge und kündigte seine vorzeitige Rückkehr von einer Reise durch mehrere arabische Staaten an. Sein Sicherheitschef Mohammed Dachlan warnte, man werde keine weiteren Verstöße von palästinensischer Seite gegen die Waffenruhe dulden. Er bekräftigte die palästinensische Unterstützung des Friedensplans. Dachlan betonte allerdings, die Autonomiebehörde könne nicht für die Anschläge verantwortlich gemacht werden, weil die meisten Palästinensergebiete weiterhin von der israelischen Armee besetzt seien.

Aus israelischen Regierungskreisen hieß es, der internationale Friedensplan könne nicht umgesetzt werden, solange der Terror andauere. Dies wollte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon auch bei einem Treffen mit dem US-Nahost-Vermittler William Burns am Dienstag betonen.

Scharons außenpolitischer Berater Salman Schowal sagte, Israel erwarte von der Autonomiebehörde ein energisches Vorgehen zur Zerstörung der Terror-Infrastruktur. „Die Tatsache, dass Anschläge wie die von heute möglich sind, beweist, dass unsere Forderungen und die der USA berechtigt sind.“ Es sei zu früh, jetzt von Konsequenzen zu sprechen. „Eines aber hat insbesondere der Anschlag vor den Toren Ariels gezeigt. Diese Stadt außerhalb des Sicherheitszaunes zu lassen, hieße mit Menschenleben spielen!“ Die israelische Zeitung „Maariv“ hatte am Morgen berichtet, Israel wolle die umstrittene Sperranlage zum Westjordanland auf Druck der USA doch nicht so bauen, dass sie Ariel Israel mit einverleibt. Stattdessen solle der Zaun näher an der Grenze von 1967 verlaufen.

Bundesaußenminister Joschka Fischer warnte nach den neuen Anschlägen vor einem Scheitern der Friedensbemühungen zwischen Israel und den Palästinensern. In den vergangenen Wochen seien beide Seiten „entscheidende und mutige Schritte auf dem Weg des Friedens gegangen“, erklärte Fischer am Dienstag. „Diese dürfen auf keinen Fall scheitern und müssen entschlossen fortgesetzt werden.“ Terror und Gewalt dürften nicht wieder die Oberhand gewinnen.

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