Mindestens sechs Tote
Wieder schwerer Anschlag in Bagdad

Bei einem Selbstmordanschlag auf das von Mitgliedern des irakischen provisorischen Regierungsrats und Amerikanern bewohnte Hotel „Bagdad“ sind am Sonntag nach Angaben von US-Armee und Polizei mindestens sechs irakische Zivilisten getötet worden.

HB BAGDAD. Die sechs Getöteten seien Iraker, sagte Peter Mansoor von der US-Armee weiter. Die irakische Polizei hatte zuvor von mindestens zehn Toten gesprochen. „Ein Mann hat mit seinem Auto eine Sicherheitssperre am Hotel „Bagdad' durchbrochen und hat (die Bombe) gezündet“, sagte Mansoor. Das Hotel gilt in Bagdad weitherum als Unterkunft von Mitarbeitern des US-Geheimdienstes CIA und anderen Vertretern der von den USA geführten Besatzung und Zivilregierung. Aus US-Kreisen in Washington hieß es allerdings, der Hotel sei keine CIA-Einrichtung gewesen.

Den US-Angaben zufolge wurden bei dem Attentat Dutzende von Menschen verletzt. Mediziner eines nahe gelegenen Krankenhauses sagte, sie hätten 33 Verletzte behandelt. Ein Mediziner nannte die Zahl der Verletzten mit 19. Mansoors Worten zufolge erlitt auch ein US-Soldat leichte Verletzungen.

Wachmann Ali Adel sagte, er habe das Feuer auf das heranpreschende Auto eröffnet. „Das Auto fuhr mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Sicherheitssperre“. Auf der belebten Straße vor dem Hotel hatten mehrere Iraker das Attentat beobachtet. „Ich fuhr an dem Hotel vorbei, als ein weißes Auto plötzlich durch die Sicherheitssperre preschte und explodierte“, sagte Sabah Ghulam.

Polizeichef Ahmad Ibrahim sagte: „Vielleicht war es die El Kaida oder die Baath-Partei (von Hussein). Sie glaubten, wenn sie dies (das Attentat) tun, dan werden die Amerikaner Angst bekommen und den Irak verlassen“. Auch die USA verdächtigen Anhänger des im Frühjahr gestürzten Präsidenten Saddam, die zahlreichen Anschläge im Land und besonders in Bagdad zu begehen.

Durch die Wucht der Explosion zerbarsten auch noch mehrere Häuserblocks entfernt Fensterscheiben. Das Erdgeschoss eines Nachbargebäudes des Hotels wurde durch die Explosion in Flammen gesetzt und dicker schwarzer Rauch stieg von dem Anschlagsort auf. US-Hubschrauber kreisten über dem Hotel und die irakische Polizei war zu Dutzenden im Einsatz. Im Nordosten der Stadt hatten am Donnerstag zwei Iraker ebenfalls mit einem Auto einen Selbstmordanschlag auf eine Polizeistation verübt und mindestens acht Menschen getötet. Der Anschlag auf den Uno-Sitz in der Stadt war mit einem Lastwagen verübt worden, der mit Sprengsätzen gefüllt war. Damals starben 22 Menschen.

Wenige Stunden vor dem Anschlag auf das Hotel warf US-Angaben zufolge ebenfalls im Zentrum Bagdads ein Junge eine Bombe mit Plastik-Sprengstoff auf einen Autokonvoi aus drei zivilen Fahrzeugen. Fünf Iraker seien verletzt worden, darunter ein schiitischer Geistlicher, sagten Augenzeugen. Die Schiiten - größte Glaubensgemeinschaft im Land und unter Saddam Hussein systematisch unterdrückt - arbeiten mit den Besatzern zusammen und waren bereits mehrfach Ziel von Anschlägen.

In der Heimatstadt Saddams, Tikrit im Norden Bagdads, explodierte am Sonntag eine Bombe außerhalb eines großen Armeestützpunktes. Drei Soldaten seien verletzt worden, einer davon schwer, sagte ein Armeesprecher. Einer Zählung der Armee zufolge werden auf das US-Militär täglich zwischen zwölf und 20 Anschläge verübt. In den 24 Stunden bis Samstagnachmittag seien es sogar 28 gewesen, sagte ein Armeesprecher.

Angesichts der täglichen Angriffe und steigender Kosten für den Irak-Einsatz bemühen sich die USA um stärkere Unterstützung durch andere Staaten, wollen aber die Führung von Militär und Verwaltung des Landes in den eigenen Händen behalten. Kritiker fordern vor einer Beteiligung am Irak-Einsatz mehr Einfluss der Uno und damit eine breitere, internationale Basis für den Wiederaufbau. Dieser Position schloss sich auch China öffentlich an.

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