Mindestkurs zum Euro
Schweizer Exporteure feiern Sieg über Spekulanten

Die Wirtschaft der Schweiz sei in Gefahr gewesen, argumentiert die Notenbank - und begründet damit die Koppelung des Franken an den Euro. Der Kurs reagiert heftig, die Exporteure reagieren erleichtert. Risiken bleiben.
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ZürichDie Schweizer Währungshüter haben im Kampf gegen den Höhenflug des Franken die große Keule hervorgeholt. Um die von Euro-Schuldenkrise und US-Konjunktursorgen ausgelöste Aufwertung ihrer Währung abzumildern, legte die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Dienstag einen Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro fest. Die Währungshüter um ihren Präsidenten Philipp Hildebrand kündigten an, sie wollten mit unbeschränkten Devisenkäufen verhindern, dass der Euro unter diese Marke fällt.

Damit habe die SNB ein starkes Zeichen gesetzt, jubelt der Wirtschafts-Dachverband Economiesuisse. Aufgrund der dramatischen Lage unterstütze Economiesuisse die SNB klar in ihrer Strategie, vorübergehend ein Wechselkursziel zu verteidigen.

Tatsächlich reagierte die SNB mit dem Mindestkurs auf den immer stärker werdenden Druck aus für die Schweizer Konjunktur entscheidenden Exportwirtschaft. Je mehr der Franken stieg, umso lauter wurden die Klagen über Umsatzrückgänge und sinkende Gewinnmargen. Eine Reihe von Firmen hatten zuletzt die Wochenarbeitszeit ohne zusätzlichen Lohn auf bis zu 45 Stunden erhöht. Kurse um 1,15 Franken pro Euro und darunter seien eindeutig zu tief und für viele Firmen eine Katastrophe, hatte der Präsident des Verbandes der Maschinenindustrie, Hans Hess, am Wochenende argumentiert.

Sprecher der Parteien und Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann begrüßten das Vorgehen der SNB als mutigen Schritt. Das habe materielle wie auch psychologische Wirkungen, sagte der Minister.

Gleichzeitig will die Notenbank mit ihrem Kurswechsel Spekulanten das Geschäft verderben. Diese konnten bisher damit rechnen, dass ein neuer Schub in der Euro-Schuldenkrise oder ungünstige Wirtschaftsdaten aus den USA zu einer Flucht verunsicherter Anleger in den Franken und damit zu einer Aufwertung der Schweizer Währung führen würde. Dann konnten die Spekulanten zuvor erworbene Franken mit Gewinn wieder verkaufen. Das war Anfang August schon einmal so gewesen als der Franken zum Euro vorübergehend fast auf 1:1 gestiegen war. Ein Franken war damals 99 Euro-Cent wert - Anfang 2010 hatte die Schweizer Währung noch rund 68 Cent entsprochen.

Der starke Franken hatte Schweizer Waren im Ausland verteuert, außerdem müssen Touristen für Urlaub in der Schweiz mehr auf den Tisch legen. Aus dem Ausland importierte Güter wie Öl und Maschinen wurden zwar billiger. Aber die Schweizer strömten auch in Scharen über die Grenze, um in Ausland statt in ihren Schweizer Läden einzukaufen. Das führte dann auch zu Druck auf die Preise. Die Verbraucherpreise sanken im August um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat.

Das weckte bei der SNB Deflations-Sorgen. „Die gegenwärtig massive Überbewertung des Schweizer Frankens stellt eine akute Bedrohung für die Schweizer Wirtschaft dar und birgt das Risiko einer deflationären Entwicklung“, erklärte die SNB. Deflationserwartungen sind für eine Volkswirtschaft gefährlich: Es besteht die Gefahr, dass Verbraucher sich zurückhalten, weil sie mit weiter sinkenden Preisen rechnen - und so eine Spirale
nach unten in Gang gesetzt wird.

Nach der Ankündigung der SNB zog der Euro auf 1,2030 Franken an. Im Finanzmarkt hieß es, Spekulanten hätten mit etwa 60 Milliarden Franken auf eine weitere Aufwertung der Schweizer Devise gewettet, indem sie sich in Euro verschuldeten und dafür Franken gekauft hatten.

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Auch die neue Strategie birgt Risiken

Kommentare zu " Mindestkurs zum Euro: Schweizer Exporteure feiern Sieg über Spekulanten"

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  • ...feiern Sieg... oder am Ende doch ein Pyrrhussieg?

  • Diesmal gibts eine massive Inflation in der Schweiz. Niemand kann ungestraft Gelddrucken. Arme Schweizer !

  • Der Markt besteht ja eigentlich nur aus wenigen grossen Waehrungs-Dealern, die hoffen in diesem total ungeregelten Markt, die Retail-Trader ueber den Tisch ziehen zu koennen. Da ist kein richtiger Markt.

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