Mindestkurs zum Euro Schweiz zieht beim Franken die Notbremse

Die Wirtschaft der Schweiz sei in Gefahr gewesen, argumentiert die Notenbank - und begründet damit die Koppelung des Franken an den Euro. Der Kurs reagiert heftig, die Exporteure feiern einen Sieg gegen die Spekulanten.
Update: 06.09.2011 - 11:01 Uhr 49 Kommentare
Eine Euro-Münze (l) und ein Schweizer Franken. Quelle: dpa

Eine Euro-Münze (l) und ein Schweizer Franken.

(Foto: dpa)

BernDie Schweizerische Nationalbank (SNB) hat in ihrem Kampf gegen die Frankenstärke einen Wechselkurs zum Euro festgelegt und will diesen mit allen Mitteln durchsetzen. Die SNB toleriere ab sofort keinen Euro-Wechselkurs unter 1,20 Franken mehr, teilte sie mit. „Die Nationalbank wird den Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen und ist bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen“.

Die Europäische Zentralbank betonte, an der Entscheidung der Schweizer nicht beteiligt gewesen zu sein. Sie nehme die Entscheidung der SNB zur Kenntnis, erklärte die EZB. Die Schweizer Notenbank habe diesen Schritt
in „eigener Verantwortung“ unternommen.

Die Schweiz ist in den vergangenen Monaten durch die drastische Aufwertung ihrer Landeswährung gegenüber dem Euro unter Druck geraten. Für die Schweizer Exporteure hatte dies zur Folge, dass sich ihre Güter im Ausland verteuert haben und damit weniger wettbewerbsfähig waren. Da die meisten Schweizer Exporte in den Euroraum gehen ist die Wirtschaft des Landes bei Schwankungen des Euro-Wechselkurses besonders anfällig.

Die Nachricht des massiven Eingriffs der Schweizer Notenbank traf die meisten Anleger unvorbereitet. Der Wechselkurs des Euros zum Franken sprang in der Spitze um fast zehn Prozent auf 1,2150 Franken an und pendelte sich anschließend im Bereich des von der SNB ausgerufenen Wechselkursziels bei 1,20 Franken ein.

Im Zuge des Kurssprungs zum Franken konnte der Euro auch gegenüber den anderen wichtigen Währungen Boden gut machen. Zum US-Dollar fiel der Franken um 8,7 Prozent auf 0,8559 Franken. Sowohl zum Greenback als auch zum Euro verzeichnete der Franken damit seinen bislang höchsten Tagesverlust.

"Die Ankündigung war die Iniatialzündung für den Kurssprung von 1,12 auf 1,18 Franken je Euro", sagt Carolin Hecht, Devisen-Analystin der Commerzbank. "Die hohe Glaubwürdigkeit der SNB hat dann dafür gesorgt, dass es weiter nach oben ging." Die Notenbank habe eine sehr starke Formulierung gewählt, in dem sie mitteilte, dass sie bereits sei, "unbeschränkt" Devisen zu kaufen. "Wir gehen daher davon aus, dass die SNB Erfolg haben wird und sich der Kurs im Bereich des Wechselkursziels einpendeln wird.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Aktien und Devisen reagieren heftig
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

49 Kommentare zu "Mindestkurs zum Euro: Schweizer Zentralbank legt Mindest-Wechselkurs fest"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ Stubi:

    Geht leider nicht. Bernanke und FED haben weltweite Unterstützung. In Europa: Großbritannien, Polen, Rumänien, das Baltikum, Slowakei. Gerade bei den pleite gegangenen Nicht-Euro-Staaten, die durch Darlehen des IWF und offen der USA finanziert werden, gibt es Unterstützung für den USD. Großbritannien hängt eh vom gr. Bruder ab. Trotzdem befindet sich das Land auf dem Weg in die 1920er Jahre (Aussage BoE). Weiterer Helfer ist China. Die haben Angst um ihre USD-Währungsreserven. Werden noch dringend gebraucht, um rund 2 Bill. USD Schuldenberg "abzutragen".

  • Tlw. schon beantwortet. Noch ein Nachtrag wg. UBS und CS: Alleine die im Internet frei zugänglichen aktuellen Daten sind, ein wenig Rechnerei inklusive, schon äußerst aufschlussreich. In denen stecken nicht die Anteile am weltweiten Derivatemüll von mind. 700 Billionen USD (BIZ-Zahl). Beide Banken waren an diesem Ponzi-System stark beteiligt. Vgl. hierzu Bericht der US-Kommission, so weit ich weiss immer noch im Internet zugänglich. Sonst bei mir über den Blog per pdf anfordern.

  • @Voltaire : Genauso ist es ! Clever, die Schweizer, kurz vor der Ankündigung hat die SNB noch schnell für einen höheren Franken - Kurs deutsche & französische Staatsanleihen gekauft sowie die Eidgenossen eine eigene CHF - Anleihe mit Negativzinsen herausgegeben, diese wurde ihnen aus den Händen gerissen. Schneller Kursgewinn - mal sehen, was die noch so drauf haben !

  • @der_schweizer:
    Wenn es denn stimmt, herzlichen Glückwunsch. Das wird bei dem nächsten Crash dann aber auch restlos aufgebraucht, garantiert.

  • @ zwangsschuldner:
    Sorry, da muss ich erst selbst mein Archiv bemühen. Das kann dauern. Deshalb rege ich an, meinen Blog zu besuchen: www.der-oekonomiker.blogspot.com. Wenn Sie ein bisschen Zeit mitbringen, dann finden Sie in meinen Beiträgen immer wieder das Thema Schweiz. Haben Sie nicht so viel Zeit, dann melden Sie sich von dort per Email und ich schicke Ihnen dann gerne alle Infos. Wegelin hat das Thema schon 2007 (!) in einer der monatlich erscheinenden Kommentare behandelt. Regelmäßig in den Tages-Anzeiger sehen, in den dortigen Foren gibt es sehr intelligente Beiträge und viele Informationen, die wir hier in Deutschland in der Presse leider nicht sehen. Vie Vergnügen!

  • Wo und wann, und es setzt was auf die Zwölf für Dich !!!

  • ich würde mir auch wünschen, dass sich irgendwann die besitzlosen erheben und dieses kranke finanzsystem zum fall bringen. ich plädiere für neuanfang ohne finanzsystem. Und Bernanke und co. in geiselhaft, meinetwegen auch anklage wegen verbrechen gegen die menschlichkeit und alle bilderberger, freimaurer und anderen heinis gleich vom pöbel verkloppt. wie wärs denn mit dem 11.09.2011 in münchen?

  • Nur ein kleines Detail: Sie verwechseln hier die Mengennotierung (1,00 EUR = 1,20 CHF) mit der Preisnotierung (1,00 CHF = 0,8333 EUR). Und... sicher anlegen... wie macht man das denn? Da bleiben wohl nur dt. Staatsanleihen oder Anleihen des EFSF. Eine "sinkende" Währung könnte man theoretisch ebenso verteidigen... nämlich in dem man das "Bargeld" vom Markt absorbiert, z. B. indem die Zentralbank Staatsanleihen kauft (was sie ja gerade macht...). Wenn man sich die Charts anschaut, wollte die SNB den Franken schon mal bei 1,50 festzurren. Dann kam erst die (Fast-)Pleite von Dubai und anschließend die Euro-Finanzkrise. Wollen mal sehen, wie lange die das Spielchen durchhalten. Die Eidgenossen importieren gerade die Inflation, die im EURO-Raum durch die Geldschwemme aus den Zentralbankaktionen entsteht. Wenn man Schulden nicht mehr zurückzahlen kann (keiner kann das, auch D nicht...), dann muss man sie eben entwerten.

  • Ihr Beitrag ist der einzig interessante. Können Sie denn die links geben, um die Verbindlichkeiten der UBS, CS und die Garantieerklärung zu sehen? Welche Foren? Bei wegelin finde ich nichts. Das wäre klasse. Danke für den lesenswetren Beitrag.

  • ...na dann: Nicht alles aufeinmal ausgeben...^^

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%