Minen töten 64 Menschen
Anschlag bringt Sri Lanka an den Rand des Bürgerkriegs

Beim schwersten Anschlag in Sri Lanka seit einer 2002 vereinbarten Feuerpause zwischen Tamilen-Rebellen und der Regierung sind 64 Menschen ums Leben gekommen. Die Führung machte umgehend die Tamilen verantwortlich und ließ Bomber aufsteigen.

HB COLOMBO. Nach offiziellen Angaben detonierten am Donnerstag auf einer abgelegenen Straße zwei Minen. Die Druckwelle der mit Metallkugeln gespickten Sprengsätze traf einen vorbeifahrenden Reisebus mit voller Wucht. Nach dem Anschlag bot sich ein Bild des Grauens: Der Boden neben dem von Metallkugeln durchsiebten Bus-Wrack war übersät mit Leichenteilen und Glassplittern. Durch die Gewalttat wurden ganze Familien ausgelöscht. Die Regierung machte für den Anschlag im Nordosten des Landes die Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) verantwortlich, die aber eine Beteiligung abstritten.

Die Luftwaffe Sri Lankas flog Vergeltungsschläge und bombadierte dabei auch die Rebellen-Hochburg Kilinochchi. „Wenn sie Kilinochchi angreifen, zeigen sie, dass sie kriegsbereit sind“, sagte ein Rebellensprecher. Die in Norwegen stattfindenden Friedensgespräche zwischen beiden Seiten befinden sich in einer Sackgasse. Ein Regierungssprecher sagte, die Waffenruhe müsse nun ernsthaft geprüft und möglicherweise anders gestaltet werden. Details nannte er nicht.

Der Anschlag habe sich auf einer Straße in der Nähe des von Tamilen-Rebellen kontrollierten Gebietes ereignet, teilte die Regierung mit. Bei den Buspassagieren habe es sich um Singhalesen gehandelt, die die Mehrheit der Bevölkerung auf der Insel stellen. Laut Regierung wollen die LTTE-Rebellen mit ihren Anschlägen Vergeltungsaktionen gegen die Tamilen provozieren. Die Rebellen kämpfen für einen unabhängigen Tamilenstaat im Norden Sri Lankas, den sie bereits weitgehend kontrollieren.

Eine Mutter überlebte den Anschlag, ihre drei schwer verletzten Kinder starben hingegen. Sie sei ohnmächtig geworden, als die Minen detonierten. „Im Krankenhaus habe ich die Leichen meiner Kinder gesehen“, sagte die 37-Jährige. „Wir haben nichts mit dieser Tötung unschuldiger Zivilisten zu tun“, erklärte ein Rebellen-Sprecher. Die Regierung habe die Pflicht, in ihrem Gebiet für Recht in Ordnung zu sorgen. Ähnlichen Dementis haben Experten in der Vergangenheit nur wenig Glauben geschenkt.

Rebellen zufolge flog die Luftwaffe anschließend Einsätze gegen Ziele im Nordosten des von den Aufständischen gehaltenen Gebiets. Dort haben die so genannten See-Tiger, eine Marineeinheit der Rebellen, ihre Basis. In Militärkreisen hieß es, Bomber vom israelischen Typ Kfir seien im Einsatz. Seit April sind bei Gewalttaten mehr als 500 Menschen getötet worden. Die Friedensgespräche liegen auf Eis.

Die norwegischen Vermittler haben die Konfliktparteien aufgefordert, sich zu der Feuerpause zu bekennen. Die Regierung hat dies bereits zugesagt, die Rebellen haben noch nicht geantwortet. Diplomaten zufolge zeigen beide Seiten bei den Gesprächen zu geringe Flexibilität. Sie befürchten einen Rückfall des Landes in den Bürgerkrieg, in dem in den achtziger und neunziger Jahren mehr als 64 000 Menschen gestorben sind.

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