Minister fordert globale Energiewende

Altmaier desillusioniert von Klimagipfel

Die Verhandlungen auf dem Klimagipfel treten auf der Stelle. Gelöst haben die Minister noch keinen der Knackpunkte - harte Klimaziele, Geldzusagen, Anrechnung alter Emissionsgutschriften. Werden die Punkte vertagt?
Update: 06.12.2012 - 14:20 Uhr 15 Kommentare
Bundesumweltminister Peter Altmaier fordert in Doha die Energiewende. Quelle: dpa

Bundesumweltminister Peter Altmaier fordert in Doha die Energiewende.

(Foto: dpa)

DohaEinen Tag vor dem geplanten Konferenzende hat Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) vor einem Scheitern des Klimagipfels in Doha gewarnt. Die 194 Teilnehmerstaaten hätten noch keinen der Kernpunkte gelöst. Beim Thema Geld für ärmere Staaten versuchten Deutschland und andere EU-Länder, mit Zusagen in Milliardenhöhe Bewegung in die Konferenz zu bringen.

Auch bei den Verhandlungen über eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls und einen neuen globalen Klimavertrag hakt es. Polen verwahrt sich gegen den ihm zugewiesenen Schwarzen Peter, Blockierer für ein ambitioniertes EU-Klimaschutzziel zu sein.

„Wenn wir nicht handeln, werden einige von uns hier in diesem Raum wegen eines steigenden Meeresspiegels bald ihre Häuser verlieren“, sagte Altmaier in seiner Rede vor dem Konferenzplenum. Er appellierte an alle Staaten, sich stärker im Kampf gegen die Erderwärmung zu engagieren.

Der Minister schlug einen weltweiten Umbau der Energiewirtschaft hin zu mehr erneuerbaren Energien vor. Klimaschutz sei kein Wachstumsverhinderer. So habe Deutschland trotz Wachstums eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 26 Prozent geschafft. „Die Energiewende bedeutet maximalen Klimaschutz und maximale Wettbewerbsfähigkeit zugleich.“

Altmaier kritisierte, zu viele Teilnehmer würden beim Klimaschutz zu stark in nationalen Kategorien denken. Die bisherigen Fortschritte in Doha seien „unbefriedigend“, sagte er im Anschluss an die Rede vor Journalisten. „Es gibt überall Klammern, Alternativformulierungen, offene Fragen und deshalb werden wir die nächsten 24, 36 Stunden damit verbringen, in möglichst vielen Bereichen zu klareren, eindeutigeren Festlegungen zu kommen.“

„Wir brauchen ehrgeizigere Ziele“
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15 Kommentare zu "Minister fordert globale Energiewende: Altmaier desillusioniert von Klimagipfel"

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  • Die globale Energiewende ist sicher der Traum der Ökos. Man übt jetzt bereits massiv Druck auf Frankreich aus, die AKW nahe der Grenze abzuschalten. Der französische Präsident Hollande hatte schon eine Konferenz zur "Nachhaltigkeit" einberufen und die Reduktion der AKW in Frankreich zum Ziel gesetzt. In Japan hat man fast komplett auf fossile Energien umgestellt - sehr zur Freude von Greenpeace und den anderen Umwelt-NGOs, die von der Ölindustrie finanziert werden. Weltweit ist unter dem Begriff "energy transition" schon seit vielen Jahren das identische Programm wie unsere "Energiewende" von den NGOs gepuscht worden.
    Trotz all dieser Öko-Trends gibt es ein kleines Problem: Wir haben das Geld für diese Utopie nicht!

  • Eine anthropogene Erderwärmung durch CO2 findet praktisch nicht statt. 97% sind naturbedingt, 3% vom Menschen verursacht. Auf Deutschland entfallen 0,00004..% - soviel zur Bedeutung von CO2!
    Altmeier macht sich zum Kasper. Vielleicht hat er das Amt nur angenommen, um später seine Pension aufzubessern.

  • Zitat aus alle-anderen-sind-Schuld-Sicht:
    Altmaier sagte, es sei „bedauerlich, dass wir in der Europäischen Union noch nicht so weit sind gemeinsam ein höheres Ziel vorzugeben und damit andere unter Druck zu setzen.“ Es gebe aber noch Diskussionen dazu. „Wir haben hier darüber gesprochen, dass wir ehrgeizigere Ziele brauchen für alle Länder, auch durch die Europäische Union. Da sieht es im Augenblick international sehr schlecht aus“, meinte der Umweltminister. Er wolle unter anderem noch mit Polen und China reden. „Und wir werden jede Chance nutzen, Blockaden aufzulösen.“

    D hat bisher im Bemühen um Energieeffizienz (20-20-20 Ziel der EU) mit dem meisten Geld und den besten technischen Möglichkeiten aber dem größten Desinteresse daran den letzten Platz in Europa belegt.
    Mittlerweile wurde das Energieeinsparziel auf 15% reduziert.
    Claude Turmes, Berichterstatter des EU-Parlaments, sagte "Doch die Blockadehaltung einiger EU-Regierungen, allen voran Deutschland und Großbritannien, haben leider ehrgeizigere Maßnahmen verhindert."

  • Also, ich finde, der Altmaier hat aus dem Gipfel das optimale Ergebnis herausgeholt - nämlich NICHTS. Besser wäre es nur gelaufen, wenn er gleich daheim geblieben wäre, dann wäre uns der CO2-Beitrag seines Fluges zum "Klimawandel" erspart geblieben.
    Es besteht die Hoffnung, daß auch die restlichen 20000 Teilnehmer in Zukunft erkennen, wie sie den besten Beitrag zur CO2-Reduzierung leisten können: künftige Klimagipfel absagen, daheimbleiben und möglichst wenig heiße Luft produzieren.

    Die Kunst der Besteuerung liegt darin, die Gans so zu rupfen, daß sie unter möglichst wenig Geschrei so viele Federn wie möglich läßt. Jean Baptiste Colbert, 1619 - 1683, franz. Finanzminister.

  • sehr schwache Rede von Altmeier in Dubai, er vertrat offenbar eine zerstrittene Bundesregierung !

  • Dass die Entwicklungsländer Geld sehen wollen ist doch klar. Wer könnte es ihnen auch verdenken. Was die sogenannten »Erneuerbaren« angeht, von denen Altmaier glaubt sie könnten zum Exportschlager werden, die will dagegen keiner. Ein paar Feigenblattprojekte hier und dort, das war es dann auch.

    Auf mich wirkt das ganze Theater um die Energiewende zunehmend skurril und eher wie ein Versuch ohne Gesichtsverlust aus einer argumentativen Sackgasse zu kommen, die auch eine technologische Sackgasse ist.

    Wir erleben zur Zeit Revolutionen auf dem Erdgassektor, bestes Beispiel USA, und danach werden sich die aufstrebenden Länder Asiens orientieren. Bei China und Indien kommt noch Kernkraft dazu.

  • Derzeit stehen die Subventionen für "Eneuerbare Energien" in vielen Listen auf Kürzungs- oder Streichlisten.

    In den USA gibt es das sog. Fiscal Cliff. Die republikanische Mehrheitsfraktion hat die Subventionen für "Erneuerbare Energien" auf die Streichliste gesetzt.

    Einige europäische Staaten möchten ein wenig sparen und haben diese Subventionen auf die Kürzungsliste gesetzt. Beispielsweise hat die CSR beschlossen die Subventionen für Oekostrom ab 2014 zu beenden.

    Das EEG in Deutschland wird seitens des Bundesverfassungsgerichts und seitens der EU Kommission in Frage gestellt.

    Windmühlen und Solarzellen in China und Indien werden über CDM Zertifikate (Klimasündenablasszertifikate) subventioniert. Wenn das Anschlussprotokoll zum Kyoto Protokoll scheitert, dann gibt es keine neuen Windmühlen in China.

    Man kann annehmen, dass Herr Altmaier Angst hat ziemlich alleine darzustehen.

    Vandale

  • Altmaier bekommt die Lösungen in Deutschland nicht hin, außer die massiven ungerechten Strompreissteigerungen für alle Normalverbraucher. Ekelhaft. Die Reise nach Doha hätte er sich sparen können und damit den CO2-Ausstoß verringert!

  • Ob man den schwarzen Peter nun unbedingt Polen zuschieben muss, ist zweifelhaft. Die Polen haben zwar knapp die Hälfte der Einwohner Deutschlands, benötigen aber nur etwa ein Drittel an Energie. Deutschland müsste demnach erstmal bei mehr als 30% Erneuerbaren in der gesamten Energieversorgung (nicht nur Strom) angekommen sein, um mit den Finger auf Polen zeigen zu können. Davon sind wir aber noch weit entfernt. Genau genommen ist Polen heute schon dort, wo Deutschland bis 2020 hin will. Klar, auch die Polen sollten Ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Können für die starken Volkswirtschaften aber nicht als Argument dienen, sich aus der Verantwortung zu stehlen.

  • "Altmaier fordert globale Energiewende"

    Und ich fordere "Globalen Weltfrieden", "Globalen Reichtum" und "Globales Freibier für alle!"

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