Minister verschwunden
Tschad-Regierung nach Rebellenoffensive geschwächt

Trotz Durchhalteparolen des Präsidenten Idriss Déby ist die Regierung des Tschad durch die Offensive der Rebellen offenbar nachhaltig geschwächt worden. Déby musste einräumen, dass vier Fünftel seiner Minister verschwunden sind. Derweil sammeln sich die Rebellen östlich der Hauptstadt N'Djamena.

HB N'DJAMENA/PARIS. Die Regierung im Tschad ist nach der Rebellenoffensive erheblich geschwächt. Präsident Idriss Déby erklärte zwar in seinem ersten öffentlichen Auftritt seit Beginn der Kämpfe am Freitag, seine Truppen hätten „das ganze Land unter Kontrolle“. Allerdings musste er am Mittwoch einräumen, dass vier Fünftel seiner Minister verschwunden seien, er sprach von Verrat. Nach französischen Geheimdienstangaben scheinen sich die Rebellen östlich der Hauptstadt N'Djamena zu sammeln und könnten bald Verstärkung bekommen.

„Wir kontrollieren nicht nur die Hauptstadt, sondern das ganze Land“, sagte Déby in seinem Präsidentschaftspalast. Er wies Spekulationen, er selbst sei bei den heftigen Gefechten um N'Djamena verletzt worden, zurück. „Sehen Sie, mir geht es gut“, sagte er zu Reportern. Der Umsturzversuch bedroht jedoch seine Macht. „Ich arbeite mit weniger als einem Fünftel meiner Minister“, erklärte er. „Ich weiß nicht, wo die übrigen sind. Wenn die Zeit dafür kommt, werde ich mich darum kümmern.“

Der französische Verteidigungsminister Hervé Morin stattete Déby einen Blitzbesuch ab, um ihm die Unterstützung von Paris zuzusichern. Seinen Angaben zufolge ist der Aufstand noch nicht komplett niedergeschlagen. Nach Geheimdienstinformationen sei eine Fahrzeugkolonne zur Unterstützung der Rebellen unterwegs, sagte er dem Sender France Inter. „Sie bewegt sich langsam“, sagte er, ohne nähere Angaben zu machen.

Außenminister Bernard Kouchner sagte dem Sender Europe-1, die Rebellen würden sich offenbar östlich der Hauptstadt sammeln. „Zur Zeit hält Déby N'Djamena, aber 100 bis 200 Rebellenfahrzeuge scheinen östlich der Stadt zusammengezogen worden zu sein.“ In der Stadt herrschte am Mittwoch eine geisterhafte Ruhe.

Die Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen begannen am Freitag und kosteten bis zum Montag nach Angaben des Roten Kreuzes mehrere hundert Menschen das Leben. Bis zu 20 000 Menschen flohen ins benachbarte Kamerun. Die Regierung rief die Flüchtlinge zur Rückkehr auf.

Bei der Evakuierung der deutschen Botschaft am Wochenende gaben französische Truppen nach Kouchners Angaben Schüsse ab. „Es war sehr schwierig und sehr gefährlich“, sagte er. Insgesamt 50 Deutsche wurden aus dem zentralafrikanischen Land gerettet. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte sich „sehr erleichtert über den erfolgreichen Verlauf der Evakuierung“ gezeigt und die französische Führung bei der Rettungsaktion hervorgehoben.

Papst Benedikt XVI. rief am Mittwoch im Vatikan zu einem Ende der Kämpfe und zum Dialog der Konfliktparteien auf. „Ich appelliere dazu, die Waffen niederzulegen und den Weg des Dialogs und der Versöhnung einzuschlagen.“ Die internationale Gemeinschaft forderte der Papst auf, den Flüchtlingen die notwendige Hilfe zukommen zu lassen.

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