Ministerien besetzt
Beamten-Aufstand in Griechenland

Just an dem Tag, an dem die internationalen Finanzkontrolleure nach Athen zurückkehren, gehen die Beamten auf die Barrikaden. Mit drastischen Aktionen machen sie sich ihrem Ärger Luft.
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Athen/BerlinNeuer Anlauf zur Rettung Griechenlands: Die Finanzkontrolleure von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) haben am Donnerstag die Prüfung der Bücher in Athen wieder aufgenommen. Aus Protest gegen bevorstehende Entlassungen blockierten hunderte Beamte den Eingang des Finanzministeriums. „Wir werden zwei Tage hier bleiben“, sagte ein Demonstrant der Nachrichtenagentur dpa.

Das griechische Finanzministerium wollte nicht mitteilen, wo das vorgesehene Treffen mit der „Troika“ stattfindet. Die Eingänge weiterer fünf Ministerien wurden blockiert. Auch die Taxifahrer streikten den zweiten Tag in Folge.

Betroffen waren von den Besetzungen nach Angaben der Gewerkschaft ADEDY sieben Ministerien, darunter auch Justiz und Gesundheit. Von den Balkonen des Innenministeriums hängten die Demonstranten ein riesiges schwarzes Banner, über das Tor hängten sie eine griechische Flagge mit der Aufschrift „zu verkaufen“.

Die Gewerkschaft sprach von „barbarischen neuen Maßnahmen“, die Griechenland abverlangt würden. Finanzminister Evangelos Venizelos wollte sich am Nachmittag mit den Vertretern der Troika treffen. Dabei sollte es um den Haushalt 2012 gehen, der am 3. Oktober dem Parlament vorgelegt wird, wie aus Ministeriumskreisen verlautete. Auch die Maßnahmen für 2013 und 2014 sollten diskutiert werden.

Die Vertreter der Troika hatten Anfang September ihre Mission unterbrochen, weil die griechische Regierung mit der Umsetzung ihres Konsolidierungsprogramms in Verzug geraten war. Die griechische Regierung kündigte daraufhin weitere Sparmaßnahmen an und erhöhte die Steuern.

Mit einem Ergebnis der jetzigen Finanzprüfung der Kontrolleure wird nicht vor Anfang kommender Woche gerechnet. Geben die Experten kein grünes Licht für die Auszahlung der nächsten Tranche der Finanzhilfe für Griechenland in Höhe von acht Milliarden Euro, ist das Land nach offiziellen Angaben Mitte Oktober zahlungsunfähig.

Die Euro-Gruppe wird nach Angaben von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) voraussichtlich am 13. Oktober über die nächste Milliarden-Hilfe für Griechenland entscheiden. „Die Entscheidung ist offen“, sagte Schäuble im Bundestag.

Der Minister betonte, man müsse den Bericht der Troika abwarten. Auch müsse geschaut werden, wie Athen auf längere Sicht wieder wettbewerbsfähig werden könne.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wenn Griechenland kein weiteres Geld von der Gemeinschaft erhält, brauchen die Griechen auch nicht mehr demonstrieren!
    Alle Renten und Gehälter können dann einfach nicht mehr bezahlt werden; also "Null! Dieses scheinen die Leute immer noch nicht zu begreifen!!

  • Ich verstehe jeden einzelnen der streikenden Griechen... Denen geht es wie uns. Die wurden auch von Ihren Regierungen verarscht und habe zu spät protestiert. In Zukunft haben wir die gleichen Szenarien in Deutschland.

  • Es wird zeit das wir auf die Barrikaden gehen und nicht länger die Melkkuh Europas sind. Länger und mehr arbeiten für weniger Geld um andere Staaten und dessen Leben in Saus und Braus zu finanzieren ? - Staaten die nachweislich betrügen und betrogen haben und nur dank Goldmann und Sachs, welchen perfiden Plan die auch verfolgen mögen, (Doller stark machen indem man dafür sorgt das marode Staaten in die EU kommen)in die EU gekommen sind. G&S sollte man dafür bezahlen lassen.

    Aber nein das ist wie bei der Altlast unserer Großväter die wir meinen immer noch abtragen zu müssen.

    Allerdings darf man nicht vergessen wer der Buhmann ist.
    Es sind nicht die Griechen an sich sondern Banken und Politiker. Man sollte sie als das behandeln was sie sind. Verräter am Deutschen Volk. Und was man mit Verrätern am besten macht zeigen die Geschichtsbücher.

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