Misshandlung von Irakern
US-Armee rügt sieben Offiziere

Nach Angaben aus Militärkreisen hat die US-Armee sechs ihrer Offiziere in Zusammenhang mit der Folter irakischer Gefangener scharf gerügt. Die Verweise blieben geheim und es würden keine Details über die Identität und Dienstrang der Offiziere veröffentlicht, verlautete am Montag aus den Kreisen.

HB BAGDAD. Bei dem Verweis handelt es sich um die schärfste Bestrafung in schriftlicher Form, die von der US-Armee ausgesprochen werden kann.

Ein US-Militärvertreter bestätigte am Montag in Bagdad die Sanktionen. Sechs der Offiziere erhielten demnach den Verweis der schwerwiegendsten Stufe, einer einen Verweis milderer Stufe. Damit seien die Disziplinarverfahren gegen die Betroffenen abgeschlossen, fügte der Militärvertreter hinzu.

Weitere Maßnahmen oder militärstrafrechtliche Konsequenzen hätten sie nicht zu befürchten. Allerdings könnten die Verweise in weiterer Folge das Ende ihrer militärischen Karrieren bedeuten. Wie bereits in der Vorwoche bekannt wurde, hat das US-Militär sechs US-Soldaten der unteren Ränge, die Folterungen ausgeführt haben sollen, unter Anklage gestellt. Sie sollen sich vor einem Militärgericht verantworten.

Der US-Oberkommandierende im Irak, General Ricardo Sanchez, hatte bereits im Januar eine Untersuchung in Zusammenhang mit möglichen Misshandlungen irakischer Gefangener eingeleitet. Gegen sechs US-Soldaten sind bereits strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet worden. Auch die britische Armee untersucht Misshandlungsvorwürfe gegen eigene Soldaten.

Der US-Sender CBS hatte in der vergangenen Woche Bilder veröffentlicht, auf denen US-Soldaten irakische Gefangene im Bagdader Gefängnis Abu Ghraib misshandeln und erniedrigen. Unter anderem waren Gefangene zu sehen, die nackt übereinander lagen. Auf einem anderen Bild ist ein Mann zu sehen, der auf einer Kiste steht. Sein Kopf ist verhüllt, an seinen Händen und Füßen sind Kabel zu sehen. Ihm sei mit einem Stromschlag gedroht worden, wenn er von der Kiste steige, berichtete der Sender.

Das Magazin „The New Yorker“ veröffentlichte auf seiner Webseite einen Bericht der US-Armee, in dem ebenfalls von sadistischen Misshandlungen und entwürdigen Vergehen an irakischen Gefangenen im Abu-Ghraib-Gefängnis die Rede ist. Die zum Zeitpunkt der Misshandlungen für Abu Ghraib verantwortliche Brigadegeneralin Janis Karpinski äußerte den Verdacht, Angehörige des US-Militärgeheimdienstes hätten die Täter dazu ermutigt. Abu Ghraib war unter dem irakischen Ex-Präsidenten Saddam Hussein eine berüchtigte Folter- und Hinrichtungsstätte. Die Berichte hatten weltweit Empörung ausgelöst und dürften den Druck auf US-Präsident George W. Bush verstärken, dessen Irak-Politik sechs Monate vor der Präsidentenwahl in den USA auf wachsende Kritik stößt.

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