Misshandlungen irakischer Häftlinge
Foltervorwürfe gegen niederländische Soldaten

Nun stehen auch niederländische Soldaten im Verdacht, vor drei Jahren im Irak Häftlinge missbraucht zu haben. Damit gerät die christdemokratisch geführte Regierung wenige Tage vor der Wahl in den Niederlanden unter Druck.

HB DEN HAAG. Dies geht aus einem Bericht der Zeitung „De Volkskrant“ hervor. Angehörige des Militärgeheimdienstes hätten die Gefangenen mit Wasser übergossen, um sie am Schlafen zu hindern, berichtete „De Volkskrant“ am Freitag. Außerdem seien sie mit hellem Licht und lauten Tönen geqält worden. Das Blatt zitierte einen Sprecher des Verteidigungsministeriums in Den Haag, wonach im Irak Dinge geschehen seien, „die nicht den Instruktionen entsprachen“.

Ministerpräsident Jan Peter Balkenende forderte eine Untersuchung der Foltervorwürfe. Sollten sie sich bestätigen, sei dies schockierend, sagte Balkenende dem Rundfunksender NOS. Seine Christdemokraten liegen vor der Parlamentswahl am Mittwoch in Umfragen in Führung.

Die Misshandlungen ereigneten sich dem Bericht zufolge im November 2003 in Samawa südöstlich von Bagdad. Der örtliche Kommandeur der niederländischen Truppen habe die Zwischenfälle der Militärpolizei gemeldet, berichtete „De Volkskrant“ weiter. Daraufhin habe es eine interne Untersuchung gegeben. Es sei jedoch niemand strafrechtlich zur Verantwortung gezogen worden.

Der Vorsitzende der oppositionellen Partei der Arbeit (PvdA), Wouter Bos, verglich die Vorwürfe mit dem Folterskandal von Abu Ghraib und forderte eine sofortige Untersuchung. „Da fehlen einem die Worte, das ist gegen die Regeln und gegen die menschliche Würde“, sagte Bos. Die Grünen-Parteivorsitzende Femke Halsema erklärte, die Vorgänge seien offenbar vom Militär vertuscht worden.

Die Niederlande hatten in der irakischen Provinz Muthana rund 1 400 Soldaten stationiert, die im vergangenen Jahr fast alle abgezogen wurden. Derzeit sind noch rund 15 holländische Soldaten im Irak im Einsatz.

In den USA hatten Bilder von Gefangenenmisshandlungen im Gefängnis Abu Ghraib für einen Aufschrei der Empörung gesorgt und zu Strafverfahren geführt. In Deutschland geht der Verteidigungsausschuss als Untersuchungsausschuss Vorwürfen des in Bremen aufgewachsenen Türken Murat Kurnaz nach, er sei in afghanischer Gefangenschaft von Bundeswehrsoldaten geschlagen worden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%